Der erste Reif

Der erste Reif

Als heute der Tag sein Licht erblickt,
hat kalte Nacht ersten Reif geschickt.
Gestern stand ich an der Brennnesselflur
sah eigentlich grünendes Blattwerk nur.
Die feuchte Luft, der nächtliche Tau
die brachten eisig etwas zur Schau,
was sonst dem Auge verloren blieb.
Der Reif nun feine Zeichen schrieb.
Obwohl die Blätter leicht angefroren
so erschienen sie wie neu geboren.
Feinste Kristalle umhüllten die Haare.
Wenn ich mit dem Finger darüber fahre,
da brennt das Nesselfeuer nicht.
Es schützt der Reif mit seiner Schicht.
Auch andere Stellen sind kristallisiert.
Mit Eisnadeln wird die Natur umfrisiert.
Der funkelnde Schmuck ist nicht von Dauer.
Doch sein Verlust macht weinig Trauer.
Ich weiß ja genau in der nächsten Zeit
ist die Winterwelt für Schönes bereit.
Nicht die allerprächtigste Eiskomposition
bleibt jenseits des Winters –
das weiß ich längst schon.
Jeder Reif wird geschmolzen,
jede Flocke löst sich auf.
Das gerade Verschwundene
ersetzt der Zeitverlauf.

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