Zurückblättern

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Über viele Jahre hinweg da sammelte ich
altes Bildhaftes so wie diesen kolorierten Stich.
Im Studium lernte ich in alten Quellen lesen.
Wertvolle Bücher wurden für mich zu Wesen,
die in mir Verständnis und Wissen schufen.
Sie haben in mir Geistiges wach gerufen.
Neben den geschriebenen Worten
waren oftmals auch gedruckte Bilder zu sehen.
Sie wurde in Holz eingeschnitten
und illustrierten so manches Geschehen.
Auch Kupferplatten wurden geätzt, Steinplatten geritzt.
Bilder erschienen nun feiner als zuvor noch geschnitzt.
Auf diese Weise konnten viele Leser Welten betrachten.
Fleißige Hände eine große Anzahl Druckvorlagen machten.
Erst wurden diese Bilder schwarzweiß nur geprägt.
Dann hat man großen Wert auf Farbigkeit gelegt.
So wurden viele Bilder von Hand nachkoloriert –
aber nicht überall Farbe sich auf den Flächen verliert.
Es entstanden detaillreiche Bilder von hoher Plastizität.
In diesem Bildnis ein Brautwagen mitten ins Blickfeld gerät.
Ein ganzer Hausrat wird hier gerade abgeladen.
Neugierige Blicke können dabei nicht schaden.
Selbst drei Gänse finden die Aktion hoch interessant.
Auch vom Erker her schauen ein paar Leute gespannt,
was die Braut so alles mit in ihre Ehe einbringt.
Vor der Wiege vielleicht bald eine Mutter
Schlaflieder singt.

Zum Zurückblättern in eine scheinbar gute, alte Zeit –
dazu bin ich immer wieder sehr gern bereit.
Sicherlich war damals das Leben nicht frei von Sorgen.
Viele Stunden Arbeit erwarteten die Menschen jeden Morgen.
Ein Pferdefuhrwerk das war fast schon Luxus pur.
Von CO2-Problemen durch Autoverkehr noch keine Spur.
Ferne Nachrichten wurden mit Briefboten verschickt.
Kein Zeitgenosse fast minütlich auf sein Handy wieder blickt.
Haustiere lebten damals noch glücklich in den Ställen.
Sie weideten im Freien, tranken oft noch aus Quellen.
Heute erleben manche Schweine
weder Sonne, Regen oder Frühlingswind.
In automatisierenden Ställen Tiere eigentlich
nur noch warenkundliche Sachen sind.
Die traute Idylle, wie sie sich im alten Bild hier zeigt,
weckt ein wenig Romantik, Suche nach Lieblichkeit.
Beim Betrachten solcher Bilder wächst der Wunsch
nach etwas mehr Einfachheit
jenseits vom alltäglichen Autobahnstau
und permanenter Konsumzügellosigkeit.

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