Ei – gentlich…

Ei – gentlich

Eigentlich habe ich darüber nie näher nachgedacht.
Seit nunmehr 33 Jahren habe ich frische Eier ins Haus gebracht.
Die hatten meine Hühner immer ohne Murren gelegt.
Dafür bekamen sie gutes Futter und ein Hahn war öfter aufgeregt.
In all den Jahren hat auch schon mal eine Henne gegluckt.
Sie hat sich dann drei Wochen über die Eier geduckt.
Dann gab es Küken, die haben Freude ins Leben gebracht.
Der Stall wurde voller. Für Habicht und Fuchs hat das Interesse entfacht.

In diesem so anderen Jahr hatten wir für den Garten mehr Zeit.
Da waren wir für eine Brutzeit im Mai auf einmal bereit.
Ein Nachbar brauchte seine kleine Brutmaschine nicht mehr.
Die Anleitung zur Bebrütung las sich nicht besonders schwer.
Bald waren neun Eier in den Brutkasten vorsichtig deponiert.
Wir warteten 20 Tage, was dann am 21. Tag wohl passiert.
In der Nacht zum Schlupftag waren zwei Küken bereits heraus aus dem Ei.
Ihre Federn klebten noch und Ihre Beine schienen noch schwer wie Blei.
An anderen Eiern waren kleine Löcher zu sehen und leises Piepen zu hören.
Ich hatte gelesen, man sollte beim Schlupf nur nicht stören.
Noch vier weitere Küken sind über den Tag aus der Schale geschlüpft.
Unsere Herzen haben dabei immer wieder vor Freude gehüpft.
In drei Eiern ist dieses Wunder leider nicht so geschehen.
Da wollte sich das Rad der Lebendigkeit nicht drehen.

Der Weg aus dem Hühnerstall und danach drei Wochen Brut
die zeigten mir eigentlich erst den Wert von diesem Gut.
Wie viele Tiere hätten all die Jahre eigentlich schlüpfen können?
Wir wollten diesen Eiern die Entwicklung so nicht gönnen.
Mir ist inzwischen in meinem Verständnis wieder deutlich klar:
Ein Ei ist schlummerndes Leben und als Lebensmittel in Gefahr.
Für sechs Eier ist nun die Entwicklung natürlich gelaufen.
Vorerst brauche ich mir weder Hühner noch Hähne zu kaufen.
Die vielen hunderttausend Hühner in der Legebatterie
erleben diese natürliche Entwicklung leider nie.
Einen Hahn haben die Hennen nicht ein einziges Mal erlebt.
Zur Eizelle hat sich deshalb niemals ein Spermium bewegt.
Wer diese Eier genießt, verhindert damit kein Hühnerleben.
Doch die Entstehung des Eies sollte Anlass zum Nachdenken geben.
Aus der Legefabrik kommt nur ein Konsumartikel auf den Markt.
Nach der Seele der Hühner wird hier seit langem nicht mehr gefragt.

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