Filipendula –
der zarte Duft des frühen Sommers

Als würde der Holunder noch einmal blühen –
ein feinsüßer Duft schwebt um mich her.
Die letzte Junisonne beginnt zu glühen.
Die Schritte macht das ziemlich schwer.
Stolz steht das Mädesüß am Gartenteich,
reckt sein Blühwerk hoch gen blauen Himmel.
Das milde Weiß strahlt vornehm bleich –
alle Rispen voll Gewimmel.
Filipendula lädt heut köstlich ein.
Ihr Duft lockt reichlich Gäste. Weiterlesen

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Schlangensonnenbad

Schlangensonnenbad

Wann habe ich eigentlich
die letzte Schlange gesehen?
Da muss ich schon weit
zurück in Erinnerungen gehen.
Waren es zehn oder zwanzig Jahre –
da hatte ich kaum graue Haare –
als ich an einem so warmen Sommertag
mit meinen Augen vor einer Otter
oder doch einer Natter lag.
Meine Begegnungen mit Schlangen
sind alle viele Jahre zurückgegangen.
In den heimatlichen Naturkulissen,
dass sollte ich inzwischen wissen,
kommen die beinlosen Tiere eher selten vor. Weiterlesen

Warten auf den Rambler

Bobbie James so hieß ein besonderer Rosenstrauch,
in dessen Lebenslauf ich heute tauch.
Es mögen so etwa zehn Jahre her sein,
da kam diese Pflanze in unseren Garten herein.
Mit voller Absicht war diese Rose gewählt,
weil sie sich weniger beim Hochklettern quält.
Prophezeit waren Höhen von zehn Metern gut,
die dieser Rambler richtig gern klettern tut.
Die ersten Jahre schob Bobbie James viele lange Triebe –
doch zum Klettern fehlten die Kraft und die Liebe.
Zwei Meter hat die Pflanze mit Mühe geschafft.
Dann endete der Schwung verließ sie die Kraft. Weiterlesen

Das grüne Männchen

Das grüne Männchen

Das grüne Männchen – ein Fabelwesen –
ist da nicht irgendein Märchen gewesen?
Im Sciencefictionfilm war da nicht eine Gestalt
so ganz vegetationell entsprungen dem Wald?
Grüne Männchen kenne ich sonst nur von Ampeln her.
Da regeln sie fleißig die Phasen des Verkehrs.
Doch heute traf ich das grüne Männchen in Person.
Ich hatte es fast übersehen in seinem moosfarbenen Ton.
Es hockte an einem Baum wie eine versteinerte Figur,
bis plötzlich eine Bewegung dem Körper entfuhr. Weiterlesen

Umwunden

Umwunden

Eine Trichterwinde fand ein Paar,
das vorher sich schon ganz nah
gegenüber stand –
ihre Hände sie verband.
Er zog sie zu sich hin.
Was hat er nur im Sinn?
Sie streckt sich noch zurück –
erwartet so das Glück.
Doch beide sind erstarrt,
denn Bronze macht sie hart. Weiterlesen

Ins Natürliche verwildert

Vor Jahren stand im Garten hier
eine edle Rose von höchster Zucht.
In Blütentracht war sie voller Zier
von vielen Augen gern besucht.
Ihr Edelreis erkrankte dann.
Es trocknete bald Ast um Ast.
Ziemlich tot erschien sie irgendwann.
Vom Holze löste sich schon Bast.

Ich wollte sie eigentlich entfernen.
Da sah ich tief unten einen Trieb.
So sollte ich wohl wieder lernen,
dass die Natur hier anders schrieb. Weiterlesen

Schafkopfkunst

Schafkopfkunst

Zwei Findlinge im Gras gelegen
zu schwer, um sie noch zu bewegen,
die inspirierten Kunstideen.
Das Ergebnis lässt sich wirklich sehen.
Ein Stückchen Blech gut portioniert
zwei Ohren seitlich anliiert –
das Ganze pechschwarz glatt lackiert:
schon ist ein Schafkopf konstruiert.
Das Kunststück lebt stark vom Design,
klebt angeschmiegt fest am Gestein.
Zwei Schafe ruhen brav im Gras
perfekte Kunst nenne ich das. Weiterlesen

Heuschrecklich

Heuschrecklich

An der Zierlauchkugel hockte heut
eine Heuschrecke für eine Zeit.
Sie kletterte durch das Dickicht
suchte den Platz im Rampenlicht.
Ich kam ihr nah, das merkte sie,
bewegte leicht das linke Knie.
Danach – es überraschte nicht –
die rechte Hüfte
die Lethargie unterbricht. Weiterlesen

Mutter mit sechs Kindern

Ein trautes Glück:
denn gleich sechs Stück
der flauschig süßen Gänsejungen
haben mich zu diesem Bild gezwungen.
Der Mutter sind die Küken nah
Da sinkt beträchtlich die Gefahr,
dass Räuber hier gern Beute machen
und so ein Drama schlimm entfachen.
Der Nilgansvater, dieser Ganter
hockt tief im Schilf als nah Verwandter. Weiterlesen

Rotes Kraut im Dünensand

Wer seine Augen neugierig gebraucht,
seine Blicke bis aufs kleinere Erdreich taucht,
der findet auch im späten Lebenssegment
noch viele neue Dinge,
die der Sinn noch nicht kennt.
Auf Texel sind viele Wanderwege aus hellem Dünensand.
Nährstoffe im Boden sind nahezu unbekannt.
Der Regen wäscht den Humus in tiefe Bodenschichten.
Da kann er für viele Pflanzen nur wenig verrichten.
Wo Sand sich ziemlich verhärtet, fest verdichtet,
ein rotes Kraut von seiner Existenz zart berichtet.
Es wächst ultraflach, Stiele wagen sich nicht in die Höhen.
Von Blüten kann ich bislang leider nichts hier sehen. Weiterlesen