Alles nur Fassade?

Alles nur Fassade?

Manch äußeres Erscheinungsbild
eine übergroße Rolle spielt.
Dieses Haus ist rokokoverziert
die schöne Front mit Stuck drapiert.
Jedes Fenster ist individuell gestylt,
das sich als Kunstwerk so mitteilt.
Dem einen scheint solches maniriert –
der andere fühlt sich inspiriert.
Äußerer Glanz bleibt oft Fassade,
wenn er dann bröckelt, ist das schade.
Dieses Haus wurde im Krieg zerbombt.
Der Wiederaufbauwunsch kam prompt. Weiterlesen

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Sozialer Wohnungsbau

Sozialer Wohnungsbau

Beim Nachbarn wird ein Dach zerstört.
Das erscheint zunächst recht unerhört.
Ein Gartenhaus wird zur Ruine
und das aus kreativer Miene.
Was dann entsteht, bewegt Fantasie
Chaos braucht es hier irgendwie.
Als erstes muss das Dach wohl weichen –
setzt dem Entschluss ein klares Zeichen.
Unter den Platten
kommt Vergangenes ans Licht
Wespenarchitektur auf einmal besticht.
Als halbe Kugel präsentiert sich ein Nest –
In Jahren gealtert aber immer noch fest. Weiterlesen

Nur Verzicht bringt Licht

Nur Verzicht bringt Licht

Staatliche Politik schafft ihn wohl nicht:
einen drastischen, ehrlichen Wachstumsverzicht.
Dem Klimawandel wird nur ein wenig entgegengewirkt.
Ein fernes Ziel auf einer langen Strecke markiert.
Wohlstand und Wachstum werden beschworen.
Nur eine boomende Wirtschaft ist scheinbar geboren,
die Umwelt zu schützen, das Klima zu bessern,
damit schmelzende Eispole nicht Küstenstädte verwässern.
Mit der aktuellen Politik wird fast gar nichts gelingen.
Sie wird nur noch rascher Probleme näher bringen.

Einzig und allein Verzicht bringt etwas Licht
in eine Welt, die an der Menschheit zerbricht. Weiterlesen

Beerenauslese

Beerenauslese

Die Sonne meinte es gut mit den Trauben.
Sobald sie erröten, Amseln sie rauben.
Doch sind alle Beeren nun mal sehr rund.
Da fallen beim Angriff sehr viele zum Grund.
Dort platzen sie auf, der Saft quillt heraus.
Das lockt viele Fliegen zum süßklebrigem Schmaus.
Auch späte Wespen riechen den leckeren Brei-
kommen minütlich zum Schlachtfest herbei.
Als größter Verzehrer aus dem Insektenreich
landen Hornissen hier und fressen sogleich.
Besonders sind zerplatzte Früchte von Interesse.
Da schlürfen sie dann die zuckrige Nässe. Weiterlesen

Detailverliebt

Detailverliebt

Wie ich in eine Blüte blicke,
Neugierde in die Tiefe schicke,
erkenne ich oft ein Detail,
an dem betrachtend ich verweil.
Ein Bündel Fäden eng verleibt
sich an dem Blütenboden zeigt.
Kleine Körner kleben dicht gedrängt,
bis Pollen bald ins Freie sprengt.
Alle Falten sind sehr zart behaart,
was keineswegs an Schönheit spart.
Diese Blüte kommt an sich zu spät,
weil sich das Jahr zum Herbste dreht.
Kommt früh der Frost zur klaren Nacht,
wird dann der Kürbis umgebracht.

Neben der Liebe an kleinsten Dingen
muss auch der weite Blick gelingen.
Was nützt hier Freude an Pollenspendern,
wenn Klimafolgen Welten ändern. Weiterlesen

An dieser Stelle…

An dieser Stelle…

An dieser Stelle wuchsen Eichen
Jetzt starre ich
auf Stümpfe und Leichen.
Ihre Stämme liegen daneben auf dem Feld –
die bringen sicher noch etwas Geld.
Ich suche nach Gründen für ihr Sterben.
War Krankheit Ursache für ihr Verderben?
Oder sollten sie nur einfach weg.
Irgendein Mittel das heiligt jeden Zweck.

Ich erkenne noch die vielen Jahresringe –
Wenn es bloß nach dem Baume ginge,
dann wären sicher noch weitere hinzu gekommen.
Das jähe Ende macht mich beklommen.
Waren die Bäume zu hoch –
ihre Holzlast zu schwer?
Wurden sie gefährlich dem menschlichen Verkehr? Weiterlesen

Fünf faule Birnen

Fünf faule Birnen

Fünf faule Birnen liegen
gesellig auf der Mauer.
Hier kommen keine Fliegen.
Es gibt auch keine Trauer.
Sie hingen, um zu reifen.
Die Frucht war prall und groß.
Ich konnte sie bald greifen –
dann kam ihr Todesstoß.
Schimmelpilze sind als Täter.
für Birnenmord bekannt.
Mal früher oder später
nimmt Fäulnis überhand. Weiterlesen

Vor dem Räumkommando

Vor dem Räumkommando

Alle Jahre wieder…
kommt der Unterhaltungstrupp vorbei,
schneidet im Graben alles nieder,
macht den Abfluss wieder frei.
Der Graben entwässert die Felder
sonst wird sumpfig hier mancher Fleck.
Früher standen hier Auenwälder,
die sind schon seit langem weg.
Nun fehlt auch noch das Wasser-
der Graben wird arbeitslos.
Doch es war hier wirklich schon nasser.
Wo bleibt all das Wasser bloß?
All die letzten Jahre fehlte oft Regen
reichlich heiß war manch Sommertag.
War das Fluch oder war das Segen,
dass kein Wasser im Graben mehr lag? Weiterlesen

Wenn ein….

Wenn ein

Wenn ein….

Wenn ein Nashorn auszusterben droht,
dann sieht sogar ein Teil der Menschheit rot.
Wenn irgendwo im Boden eine Moosmilbe
endgültig verreckt,
hat sie der Mensch zuvor
vielleicht nicht einmal entdeckt.
Wenn eine Orchidee zum letzten Mal erblüht,
wird von Pflanzenliebhabern
entrüstet mitgefühlt.
Verschwindet an anderer Stelle
ein eher unscheinbares Gras,
nahezu unbemerkt geschieht das.
Wenn ein schillernder Falter nicht mehr segelt,
Rote Listen seine Ausrottung regelt,
sind einige Insektenfreunde entsetzt
die große Mehrheit scheint weniger verletzt.
Wenn ein winziger Fadenwurm
die Weltenbühne verlässt,
stellt vielleicht der Fachgelehrte das fest. Weiterlesen

Gerbera

Gerbera

Früher fand ich diese Blumen fast zu schön,
um wahr zu sein.
Ihr Aussehen war einfach zu edel, zu fein.
Gerberen wurden gern zu Anlässen verschenkt –
oft mit Glückwunschzeilen drangehängt.
Ich liebte eher die wilden Blumen am Wiesenrain –
die sollten, frisch gepflückt, in die Vasen hinein.

Später erfuhr ich noch mehr über Gerberenpflanzen.
Das schliff noch weiter die scharfen Lanzen,
die ich gegen käuflichen Blumenschmuck trieb.
Etwas von alldem bis heute noch blieb.
Gerberen wird oft der Boden entzogen.
Aus Nährlösungen wird ihr Wachstum gesogen.
Erdiger Kontakt wird peinlichst vermieden –
aus hygienischen Gründen wohl entschieden.
Da der Stängel zu schwach, die Blüten zu halten,
muss ein starker Draht seines Amtes walten. Weiterlesen