Sonnengoldregen

Sonnengoldregen

Seit einer Stunde ist die Sonne wach
verschenkt ihr Licht dem neuen Tag.
Das Meer wellt ziemlich morgenträge,
als ob kein Wind im Äther läge.
Ein graues, loses Wolkenband
raubt meinen Blicken den Verstand.
Gelbgoldene helle Strahlenstreifen
durch Wolkenspalten leuchtend greifen.
Sekundenschnell wechselt dies Spiel.
Wo gerad noch Licht aufs Wasser fiel,
erlischt die Macht von allem Feuer.
Doch nebenan bricht schnell ein neuer
Strahl vom Sonnenball ins Meer. Weiterlesen

Kanarien-Vogel

Kanarien-Vogel

Am Roque de los Muchachos in luftigster Höhe
segelt herbei eine stattliche Krähe.
Sie isst gar nicht scheu von Touristen das Brot
beäugt ziemlich gründlich, was der Rucksack sonst bot.
Als Kolkrabe auf den Kanaren ist der Vogel recht rar.
Ein paar hundert Tiere sind gerade noch da.
Verteilt auf sieben Inseln gut 300 Stück –
da braucht man zum Überleben schon mehr als nur Glück.
Die klugen Gesellen betteln geschickt.
Wenn krächzend sie landen, dann macht es oft click.
Auf La Palma brüten nicht einmal 20 Paare.
Vielleicht dauert es nur noch wenige Jahre,
bis dass kanarische Kolkraben für immer hier fehlen –
mit ihrem Gezeter aus so rautönigen Kehlen.
Noch lassen die famosen Vögel sich gerne gut füttern.
Ihr Glaube an die Touristen kann so leicht nichts erschüttern.
Für das Foto danach sind sie allzeit bereit.
Die Sonne lässt schillern ihr pechschwarzes Kleid.

Auch „echte“ Kanarienvögel hab ich hier entdeckt. Weiterlesen

Ostereier

Ostereier

Es ist noch nicht mal der April.
Da macht die Liebe, was sie will.
Zwei weiche Körper schmiegen sich
aneinander inniglich.
Bei diesen kleinen Weinbergschnecken
will Sex erst dann so recht entzücken,
wenn Liebespfeile Partner turnen,
um Amors Regeln so zu lernen.
Ein spitzes, scharfes Kalkstilett
macht den Kontakt erst richtig nett.
Die Schnecken lassen sich viel Zeit.
Als Zwitter sind sie allzeit bereit,
Samen zu spenden und zu horten
an grünen feuchten Gartenorten.
Ob es zu Ostern wohl schon Eier gibt? Weiterlesen

Einbruch eines Fensters

Vor wenigen Monaten noch solch ein Bild:
ein Felsdurchbruch atemberaubend und wild
Das blaue Fenster auf Gozo fast weltberühmt
hat großen Filmen als Bühne gedient.
Doch dann kam der achte des Monats März
Stürmische See brach dem Torbogen das Herz.
Über Nacht tief versunken in den Meeresschoß
war die Trauer auf der Insel riesengroß.
Azur Window – das war ein faszinierendes Ziel.
Was die Natur geschaffen hatte, das gefiel
vielen Touristen aus nah und fern.
Bei Sonnenuntergang hier ein Foto – das machte man gern.
Immer gieriger nagte das Wasser am riesigen Loch.
Wie lange hält der Sandsteinbogen am Ende noch?
Länger schon war das Betreten amtlich untersagt.
Doch wer von den Neugierigen hat danach gefragt.
Seit Anfang des Jahres wurden Geldstrafen verhängt,
wer auf die Brüstung des Naturdenkmals seine Füße lenkt.
Wie von Geisterhand ist das blaue Fenster verschwunden. Weiterlesen

Taubengrau vor himmelblau

Im Gingkobaum noch blätterlos
landet ein Taubentier.
Sofort ist mein Interesse groß.
Was will der Vogel hier?
Er sucht sich einen Ruheplatz
will seine Federn putzen.
Die Pflege fern von jeder Katz
soll ganz dem Äußren nutzen.
Der Schnabel zupft in einem fort
gräbt tief im Federnkleid.
Das ganze gleicht fast frühem Sport –
oder doch Eitelkeit?
Bald brütet sie im krummen Baum.
Der Taubenvater gurrt Weiterlesen

morning has frozen …

p1190163morning has frozen …

Viel Nebelgrau musste verschwinden.
Das Februarlicht wollte kaum finden
in diesen kaltgeborenen Tag.
Schneegriesel in den Lüften lag.
Dem wintermüden Gartenteich
hatte der Frost im Kältestreich
ein gläsern Gewand dünn aufgelegt.
Dort, wo ein Rest vom Stängel steht,
da schießen Sternenstrahlen weit
schmücken bizarr das Eiseskleid.
All das, was aus dem Wasser schaut,
wird von der Frosthaut zart umbaut.
Das sonst so glatte Teichgesicht
kämpft morgendlich mit Schwerterschicht,
die richtungslos ins Weite stechen,
ohne dabei je zu zerbrechen. Weiterlesen

Der Frühling lutscht

p1190005Der Frühling lutscht

Der Frühling lutscht
am Eis vom Teich
Seine Zunge leckt
und löst es weich.
Die klare Nacht
lässt Wasser frieren.
Kristalle gläsern
schön verzieren
mit neuen Mustern
Eiseshaut.
Bis alles
zauberhaft ausschaut.
Zum Mittag hin
schmilzt etwas Eis.
Das Sonnenlicht
kaum richtig heiß
doch es besiegt
auf Zeit den Frost.
Vom Frühling kommt
nun täglich Post.
Was nächtens noch
so grad erfror,
im Tageslauf
Gestalt verlor,
das ist ein Kampf
mit kalten Waffen.
Stundenweise
ja da schaffen
sie Gestalten –
bringen dem Wasser
tausend Falten.
Zufall wird hier
zum Konstrukteur
Schaffenslust
ist so gar nicht schwer.
Doch der Frühling
der lutscht weiter.
Wärme schmilzt die
kalte Kunst.
Blumen stimmen
mich bald heiter.
Meisenlied
singt erste Brunst.
Heute wird wohl
Eis noch häuten.
Denn die Nacht
wird sternenkalt.
Schneeglöckchen
im Hauche läuten
öffnen ihre
Blüten bald.

Tropfenwelten

p1180797Tropfenwelten

Im Sekundentakt
sackt
splitternackt
glasklar
in nicht endender Zahl
Tropfen um Tropfen.
Sie lopfen
sanft die Wasserhaut
nur wenig laut.
Trichter entstehen
vergehen
im kleinsten Nu
immerzu.
Pulsierende Kreise
in rhythmischer Reise
auf einer Regentonne –
Betrachterwonne. Weiterlesen

Harte Zeiten

p1180410Harte Zeiten

Seit Tagen klirrt die Luft gefroren.
Vom Schnee ein Rest der wirkt verloren.
Laubbäume harren gänzlich nackt
Bei Sternenklarheit richtig sackt
im Januar die Temperatur –
harte Zeiten für die Natur.
Der Maulwurfhaufen nun felsenhart,
kein Vogel mehr am Boden scharrt.
Den Teich verschließt längst dickes Eis
Schneegriesel färbt die Haut zart weiß.
Was macht ein Regenwurm im Winter?
Da komme ich noch rasch dahinter.
Er vergräbt sich tiefer in die Erden
hat frostfrei weniger Beschwerden.
Dort unten ruht er sich dann aus –
verlässt für Wochen nicht sein Haus.
Die Milben können so nicht flüchten.
Acht Beine können´s nicht verrichten.
Damit ihr Gewebe nicht vereist,
die Lösung Frostschutzmittel heißt. Weiterlesen

unknownGnadenlose Gleichgültigkeit

Eine alltägliche Zeitungsnotiz verletzte mich.
Ein Kreisverkehr war wie ein böser Stich
in mein Herz von Stadtnatur.
Doch wie reagiere ich jetzt nur?
Die Straße ist mir wohl bekannt.
Platanen säumen ihren Rand
und das schon wohl seit 100 Jahren.
Doch hier wird Auto viel gefahren.
Weil Ampeln ihre Wege lähmen,
Geschwindigkeiten somit zähmen,
da will die Stadt den Kreisverkehr.
Der bringt den Autofluss dann her.
Die alten Bäume sind im Weg,
wenn ich den Kreisel breit anleg.
Was lang als Allee die Stadt verschönt,
dort bald ein Sägeschwert laut dröhnt.
Die Planung macht hier wohl nicht halt –
Gleichgültigkeit Gefühle kalt. Weiterlesen