Im schönsten Wiesengrunde

Im schönsten Wiesengrunde
da brüten Vögel gern.
Ich fand das Glück der Stunde –
war diesem Bild nicht fern.
Aus feuchtem Wiesengrunde
spross violett ein Kraut
in tausendfacher Runde
Knabenkraut glücklich schaut.
Noch nie sah ich solch Stätte
so bunt im Farbenflor.
Im grünen Grasenbette
sich Schöpfung reich verlor.
Die Orchideen waren
die Tüpfel auf dem I. Weiterlesen

Ausgeblüht

Ausgeblüht

Nicht immer ist es hübsch und schön
länger Verblühtes anzusehen.
Was vorher Farbenpracht versprühte,
im Blütenrund zutiefst erglühte,
das welkt nun blässlich trist ins Braun.
Man möchte kaum noch rüberschaun.
Das Trauerspiel wird abgeschmissen
Ein kahler Stiel bleibt den Narzissen.
Vielleicht wächst hier bei etwas Glück
eine Samenschote aus dem Stück.
Ganz anders machen es Kuhschellen.
Wenn sie sich aus dem Farbkleid pellen,
dann sprießen bald aus alter Blüte
federige Haare bester Güte. Weiterlesen

Gartenvertriebene

Gärten sind schon merkwürdige Flächen
Die Anzahl der Pflanzenarten brechen
sicherlich regionale Rekordmarken:
ein Segen durch Spaten und auch durch Harken.
Manches Gewächs kommt als wildes vorbei.
Ein anderes ist durch Züchtung fast neu.
Wiederum welche sind aus der Heimat hier.
Viele reisten um den halben Globus zu mir.
Im Garten sind Flüchtlinge aus der Natur.
Zugereiste ferner Länder gastieren nicht nur.
Sie breiten sich aus, als wären sie immer schon da.
Was früher weit weg war, ist heute ganz nah.
Der Garten gibt Asyl – mal besser, mal schlecht.
Nicht jeder neuen Pflanze ist der Wuchsort wohl recht.

Immer wieder überraschen einige Pflanzen,
die in der Wildnis aus der Reihe tanzen. Weiterlesen

Nummulithen – Münzensteine

Wieder einmal hatten meine Trödelspürgänge –
an denen ich leider immer noch hänge –
einen kleinen hübschen Erfolg für mich.
Das Glück lässt mich nicht im Stich.
Ein etwa eigroßer Stein
fesselte mich ganz gemein.
Für einen Euro war er schnell zu haben –
ganz eintönig beige seine Farben.
Übersät war der Stein von feinsten Kreisen.
Sie sollten sich als Spiralen später erweisen.
Gleich wusste ich, es ist ein Fossil.
Vielleicht waren Einzeller hier im Spiel.
Unter der Lupe wurde es grandios.
Die Strukturen ließen mich nicht mehr los.
Ein Buch half mir, des Rätsels Lösung zu finden.
Bei Foraminiferen die Erkenntnisse münden.
Kammerlinge wie man sie auch nennt
sind heute noch zu 10 000 rezent.
40 000 sind in ewigen Meeren verschwunden.
Nummulithen haben sich im Kalkstein gefunden.
Ihre Wohnstadt ein Spiralgehäuse
offenporig wie eine große Reuse.
Scheinfüßchen aus Plasma können hinaus.
So bleibt beweglich das hübschzarte Haus. Weiterlesen

Zuwachs

Zuwachs

Wer jetzt gerade im April
Besonderes erleben will,
der sollte seine Augen lenken
und dem Geäst die Blicke schenken.
Im Märzen waren Bäume leer
Die Knospen drückten zwar schon schwer.
Manch Strauch, manch Busch wollte erst blühn,
vergaß zunächst noch jedes Grün.
Nur ein paar Wochen frühlingsspäter
sprießen hervor die neuen Blätter.
War Baumgestalt kalt transparent,
so wuchs ihr nun sein grünes Hemd.
Der Zuwachs war richtig enorm.
Die Sonne steigert noch die Form,
wie Blätter sich ganz rasch entfalten,
zeugt irgendwie von Urgewalten.
Denn jedem Baum tickt seine Uhr.
So klingelt pünktlich die Natur.
Sie lässt die Blätter herrlich sprießen
und neue Zweige heftig schießen.
Nicht alle blättern zur gleichen Zeit.
Manche sind februarbereit.
Letzte brauchen sogar den Mai,
bis blätterlos ist dann vorbei. Weiterlesen

Alte Wünsche

Alte Wünsche

Wenn künftige Jahre überschaubar werden –
ein Lebenskreis sich spürbar schließt,
wenn Schwächen zunehmend gefährden
manch alter Wunsch noch einmal grüßt.
Was gab es früher viele Dinge,
die man so gern sein eigen sähe.
Wenn Leben noch einmal anfinge,
so manches anders wohl geschähe.
Damals war meist das Geld zu knapp.
Im Studium , in junger Ehe
da schnitt man Wünsche einfach ab.
Täglich ging´s ums Wohl und Wehe.
Bis Kinder groß, auf eigenen Füßen
vergingen mehr als zwanzig Jahr.
Fürs eigene Heim musste man büßen,
weil gar kein Zins schön niedrig war.
Nun kommt die Zeit, wo Wünsche offen.
Man braucht den Sold nur noch bedingt.
Doch ist man anders nun betroffen,
weil nun die Zeit mit Zukunft ringt.
Soll ich das Reiche noch erweitern
mit Sachen, von denen ich geträumt?
Kann solch Besitz mich spät erheitern,
den jahrelang ich hab versäumt? Weiterlesen

Amselfieber

Amselfieber

Jetzt, wo an Zweigen Knospen springen,
wo höchst im Baum die Vögel singen,
da zieht ein wunderbarer Duft
aus Blütenmeeren durch die Luft.
Die Meisen schon seit Wochen brüten
Die Vogelkästen gut behüten.
Der Zaunkönig fand ein Mauerloch
holt Moos herbei wohl immer noch,
damit sein Nest wird warm und weich –
es ist ja für sein Königreich.
Die Amseln sind nun brunftverrückt.
Wenn morgens ihr Gesang verzückt,
dann geht der Kampf bald richtig los.
Rivalen setzen Stoß auf Stoß.
Sie jagen wild durch Baum und Hecke,
bis einer bleibt dann auf der Strecke.
Dann können Amseln Hochzeit feiern.
Das blaue Grün von ihren Eiern
ist so ein schöner Osterschmuck.
Vier, fünf sind meistens dann genug. Weiterlesen

Moosgesichter

Moosgesichter

Mit der Zeit – so sagt man oft
wächst Gras über manche Sachen
Für demnächst wohl ein jeder hofft,
gibt´s deshalb wieder was zu lachen.
So verschwindet das Erlebte
mehr und mehr aus jedem Sinn.
Was gestern noch so lastend schwebte,
ist heute fort und weit dahin.
Auch über banale Gegenstände
wuchert Zeit, lässt Spuren grünen.
Die Natur nimmt es in die Hände –
braucht sich dazu kaum groß bemühn.
Naive Andenken von Reisen
Masken so bunt, doch arm an Kunst
draußen liegend bald beweisen
stehen beim Moos recht hoch in Gunst.
Auch Algen mögen gern Figuren,
geformt aus gröberem Zement.
Sie kommen dort auf grüne Touren
der feuchte Grund ihr Element. Weiterlesen

Sonnengoldregen

Sonnengoldregen

Seit einer Stunde ist die Sonne wach
verschenkt ihr Licht dem neuen Tag.
Das Meer wellt ziemlich morgenträge,
als ob kein Wind im Äther läge.
Ein graues, loses Wolkenband
raubt meinen Blicken den Verstand.
Gelbgoldene helle Strahlenstreifen
durch Wolkenspalten leuchtend greifen.
Sekundenschnell wechselt dies Spiel.
Wo gerad noch Licht aufs Wasser fiel,
erlischt die Macht von allem Feuer.
Doch nebenan bricht schnell ein neuer
Strahl vom Sonnenball ins Meer. Weiterlesen

Kanarien-Vogel

Kanarien-Vogel

Am Roque de los Muchachos in luftigster Höhe
segelt herbei eine stattliche Krähe.
Sie isst gar nicht scheu von Touristen das Brot
beäugt ziemlich gründlich, was der Rucksack sonst bot.
Als Kolkrabe auf den Kanaren ist der Vogel recht rar.
Ein paar hundert Tiere sind gerade noch da.
Verteilt auf sieben Inseln gut 300 Stück –
da braucht man zum Überleben schon mehr als nur Glück.
Die klugen Gesellen betteln geschickt.
Wenn krächzend sie landen, dann macht es oft click.
Auf La Palma brüten nicht einmal 20 Paare.
Vielleicht dauert es nur noch wenige Jahre,
bis dass kanarische Kolkraben für immer hier fehlen –
mit ihrem Gezeter aus so rautönigen Kehlen.
Noch lassen die famosen Vögel sich gerne gut füttern.
Ihr Glaube an die Touristen kann so leicht nichts erschüttern.
Für das Foto danach sind sie allzeit bereit.
Die Sonne lässt schillern ihr pechschwarzes Kleid.

Auch „echte“ Kanarienvögel hab ich hier entdeckt. Weiterlesen