Oktoberfest

Oktoberfest

Den Garten im Oktober zu sehen,
ist widersprüchlich hässlich schön.
Hier lacht ein Meer asternviolett –
dort ertrinke ich im Falllaubbett.
Heut zeigt sich bunt ein Schmetterling
rollt aus sein rüsselhaftes Ding,
um letzten Nektar süß zu schlürfen.
Die reifen Äpfel ja sie dürfen
am Zweige nicht mehr länger hängen.
Denn Vogelschnäbel sie bedrängen.
Bald liegt die Frucht fies angepickt.
Wenn sie am Boden reglos liegt,
dann fault der Rest bald über Nacht. Weiterlesen

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Sandrosenerosion

Sandrosenerosion

Im Wüstensand gewachsen
mit vielen quergestellten Achsen
gewinnst du eine ziemlich verrückte Form.
Asymmetrisches ist eher die Norm.
Sandrose ein Widerspruch in sich –
solch Calciumsulfat ist für mich
ein Spiel der Kristalle
mit einem Sandkorn in der Falle.
Dieser Gips schmückt sich sehr dekorativ
verborgen in der Sahara tief.
Jetzt liegt davon ein kleineres Stück
auf der Trockenmauer mir im Blick.
Wenn Sandrosen dem Wasser begegnen,
Tropfen auf sie herab regnen,
dann löst sich langsam ihre Gestalt.
In unseren Witterungen werden sie nicht alt.
Zuvor in Jahrmillionen ballt
sich das Mineral zur Unverwechselbarkeit. Weiterlesen

Freie Scholle

Freie Scholle

Meine Scholle
ist nicht so platt wie eine Flunder.
Meine Scholle
ist erst recht kein Weltenwunder.
Meine Scholle
ist nur ein Straßenschild-
meine Scholle
erscheint im Blog mit Bild.
Ansonsten ist gemein die Scholle –
nicht die mit Schuppen, Schwimmerrolle –
ein Klumpen fester Erde,
– früher pflügten noch Pferde –
der auf dem Acker oben lag
nach einem arbeitsreichen Tag.
Bald nannte man auch alles Land,
das wirtschaftlich in Bauershand,
Scholle ganz so wie Eigentum.
Doch wie geht man mit der Scholle um: Weiterlesen

Feuerwanzen-Tete a Tete

Feuerwanzen-Tete a Tete

Mehr als zwanzig Feuerwanzen
treffen sich zum Tete a Tete.
Wollen heute nicht mehr tanzen
sagen Frischluft bald ade.
In der warmen Mittagssonne
suchen sie die beste Stelle.
Sie erleben letzte Wonne
durch die liebe Hitzequelle.
Ständig gibt es ein Gedränge
um den Platz im Sonnenstrahl.
Körper werden zum Gemenge
Bleiberecht gerät zur Qual.
Ist der Tag vielleicht der letzte,
bevor die Wanzen sich verziehn?
Auch wenn ich die Tiere schätze,
andere ekelnd davor fliehn. Weiterlesen

Das Espenlaub

Das Espenlaub

Das Espenlaub es zittert nicht.
Im warmen Strahl vom Sonnenlicht
liegt es am Boden nach dem Sturm.
Dort wartet stumm der Regenwurm.
Von Rot bis Gelb ja fast in Gold –
ist dieses Färbespiel gewollt? –
zeigt sich ein jedes einzelne Blatt,
das hier der Herbst verzaubert hat.
Was hier am Boden liegt ist tot –
strahlt dennoch wild im Feuerrot.
Nie war das Blatt zuvor so schön.
Sein Farbenkleid will ich ansehen,
bis ich der feinsten Koloratur
mit meinem Sinn komm auf die Spur.
Ein jedes Blatt im Herbstesschmuck
gleicht einem Farbfingerabdruck.
Hunderttausend dieser Espenblätter
gezeichnet bunt durch Wind und Wetter
sind für sich unverwechselbar.
Kein zweites kommt dem ersten nah. Weiterlesen

Bäumemeer

Bäumemeer

Fast wie mit Adleraugen durfte ich sehen
ins Meer von Bäumen aus luftigen Höhen.
Nie zuvor stand ich so hoch über den Kronen,
fühlte mich kreiselnd fast schon so wie Drohnen.
Jeder Baum zeigte mir seinen eigenen Kopf
Zweige umwogten mähnenhaft den Schopf.
Noch ist vom Herbst das Laub kaum koloriert.
Leuchtendes Gelb sich ränderlich verliert.
Bald färben sich synchron unendlich viele Blätter –
warten bunt auf Altweibersonnenwetter. Weiterlesen

Salamanderende

Salamanderende

Welch eine Hiobsbotschaft
unser Feuersalamander schafft
es vielleicht nicht mehr –
und das ist einfach nicht fair –
in unseren feuchten Buchenwäldern zu bleiben;
denn ferne Viruserreger treiben
ihn in den sicheren Tod
Nichts ist mehr im Lot –
seit Krankheiten weltweit verreisen,
die Artenuntergang tödlich verheißen.
Dabei lebt er so gern an den Quellen
Im Wald an den saubersten Stellen,
wo das Wasser oft tröpfelnd nur rinnt,
treffe ich Salamandermutter samt Larvenkind.
Ich kannte ihre liebsten Verstecke.
Eine schwere Totholzdecke
schützte den Lurch mit dem Schwanz
über die Wintermonate ganz.
Salamander lieben die Feuchte.
Wann immer Gelbschwarzes kreuchte,
da schmeckte die Luft reichlich nass.
Das Amphib das hatte dann Spaß. Weiterlesen

Drei Minorkas

Drei Minorkas

Vorgestern wusste ich wirklich noch nicht,
dass ich seit gestern drei Minorkas besitze.
Der Züchter sagte mir, dass er wohl bricht
den unverkäuflichen Hühnern das Genick – doch so beschützte
ich die Tiere vor einem allzu frühen Tod.
Diese Minorkas waren ein wenig weg vom Ideal.
Was jedes Huhn den unbarmherzigen Preisrichtern bot,
war nur zweite Wahl mit zu niedriger Punktezahl.
Für solche Hühner gibt es keinen Pokal, keinen Preis.
Sie sind zwar blutjung, gesund und ziemlich schön.
Doch wohin mit dem Ausschuss, niemand recht weiß.
Um ein Hühnerleben ist es eben schnell geschehn.

Diese Hühner landeten noch auf einem Kürbisfest.
Sie waren von der Prämierung der hässliche Rest.
Die Minorkas gab es heute für sehr kleines Geld.
So entsorgt man Nichtsieger aus dieser Welt.
Welches Huhn am Ende keinen Käufer fand,
das spürte in Kürze des Schlächters Hand.
Ich war begeistert von den hübschen Tieren,
wollte nicht, dass sie ihr Leben verlieren. Weiterlesen

Unter den Wurzeln

Unter den Wurzeln

Apfelbaum wächst hoch und frei.
Äste tragen bunte Früchte.
Sommerreife zieht vorbei.
Süßes Obst bringt Gaumensüchte.
Eine letzte Wespe schwebt,
will vom Fleische etwas nagen
In dem Astwerk fleißig webt
eine Spinne schon seit Tagen.

Unter den Wurzeln
wird die Freiheit kaum grenzenlos sein.
Alle Poren, alle Gänge
weiß man
enden noch immer am Gestein
und dann
bleibt der Weg im Boden erschwert,
weil der Stein sich dort wehrt. Weiterlesen

Ins Innere schauen

Ins Innere schauen

Um nicht ins Innere zu schauen,
da verbauen
manche Blumenköpfe
Ranken, Girlanden und auch Zöpfe.
Das Intime zu bekleiden,
den Blick ins Tiefste zu vermeiden,
ist scheinbar von Natur.
Geheimnisse bleiben nur,
wenn Letztes wird versteckt
und Blöße sich bedeckt.
Ins Innere zu schauen,
das braucht Vertrauen.
Finale Schleier lösen
im Guten wie im Bösen
passiert mitunter nicht.
Wahres erblickt kein Licht.
Wie weit wird Seele offen?
Ehrlichkeit macht betroffen.
Verborgen bleibt manch Rest,
den Mensch nicht fliegen lässt. Weiterlesen