Der alte Roller

Der alte Roller

Der greise Roller könnte mein Alter haben.
Vielleicht ist er mir sogar um Jahre voraus.
Sein Äußeres schminkt viele kleine Narben.
Leicht angelehnt am Zaun steht er neben dem Haus.
Der Roller kannte sicher gute, alte Zeiten
Da drehten beide Räder wohl so richtig rund.
Er durfte Kindheiten jahrzehntelang begleiten
Die Straßen damals autoleer –
nicht nur zur Mittagsstund.
Was könnte dieser Roller uns Vergangenes berichten –
als er ganz neu war und so heiß begehrt.
Er rollte wohl nicht in den allerärmsten Schichten.
Denen blieb solch ein Spielzeug meist verwehrt.
Der Lack ist ab, der Name unkenntlich verblichen.
Am Rad hockt pickelhaft der braune Rost.
Mit heute tüv-geprüften Rollern sonst verglichen,
ist dieser alte Roller nur noch Holzwurmkost. Weiterlesen

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Blütenfeuerwerk

Blütenfeuerwerk

Im Juligarten ist viel schon verblüht.
Doch eine neue Welle feurig glüht,
wenn der Sommer gibt die Hitze frei –
lachen bunte Blumengrüße täglich neu.
Hortensien in vielen Tönen
für Wochen uns den Blick verwöhnen.
In diesem Jahr bleibt kleiner die Pracht.
Zu später Frost hat Unheil gebracht.
Kokardenblumen und Sonnenhüte
öffnen täglich Blüte für Blüte.
Taglilien wetteifern im Sonnenlicht,
wer die anderen an Grazie aussticht. Weiterlesen

… gelb die Stoppelfelder

In meinen Erinnerungen
ist es mir nicht gelungen,
über ein Stoppelfeld zu gehen,
ohne Ferienkinder zu sehen.
Ende Juni war es an vielen Stellen so weit.
Die frühreife Gerste zeigte sich erntebereit.
Die Halme leuchteten in blondem Gold
Der Mähdrescher sich nur die Körner holt.
Dann wird das Stroh zu Ballen gepresst
Nur wenig später ein Hänger verlässt
ein frei geräumtes wieder offenes Feld.
Dem Taubenschwarm dies so richtig gefällt.
Ein paar Körner verstreut als Dreschverlust
die nehmen sich die Vögel rasch zur Brust.
Zu Beginn des Sommers streicht ein Herbstgefühl
durch endlose Reihen von Stiel zu Stiel.
Der Mähbalken traf nur auf eine Art,
so dass man mit Wehmut und Trauer spart.
Getreide lebt auch sonst nur ein Jahr.
Das Korn ist die Zukunft –
wie es immer schon war.

Seh ich ein Stoppelfeld, denke ich an die Zeit,
die ich als Kind verlebte in Heiterkeit.
Bevor der Acker gepflügt, gehörte das Feld den Kindern.
Die wollte auch keiner an den Freuden hindern,
einen Drachen in die Lüfte steigen zu lassen.
Junge Hände durften die Wickel fest fassen.
Zog der Drachen die Schnur ordentlich stramm,
gab man ihm mehr Meter, bis am Ende dann
der Papiervogel kaum noch zu erkennen war. Weiterlesen

Mit der Passion zum Blühen

Selten sah ich solche Blüten,
welch Geheimnis sie behüten –
ist versteckt im Blühgesicht,
öffnet Mystik lange nicht.
Um die Bienen zu betören,
Passifloren darauf schwören,
dass ein Strahlenkranz gewinnt,
eh der Nektarraub beginnt.
Wie ein Kirmeskarussel
Gondeln drehen sich so schnell
grad so wirkt weißblaues Rad
actionpower jedes hat. Weiterlesen

Der Alant lockt!

Der Alant lockt!

Der Alant lockt am Juli, zwei
Wildbienen an und davon drei.
Sie sitzen mitten auf der Blüte
saugen vom Nektar bester Güte.
Wie Alant in den Garten kam,
und seinen großen Platz einnahm,
das lässt sich kaum noch heut klären
nur noch Verdachtideen mehren.
Vor langer Zeit hat das Helenenkraut
von Osten her hier reingeschaut.
Als es hier wuchs, wurd es bekannt –
denn Volksmedizin nahm es zur Hand. Weiterlesen

Ein Sommernachtstraum

Heute liegt ein Sommernachtstraum
am späten Abend weit im Raum.
Der Tag, an dem der Regen kam,
blieb abgekühlt noch wohlig warm.
Der Boden nahm die Feuchte gern.
Die letzten Tropfen waren so fern.
Nun steigt der Nebel aus den Weiden
Die Kühe sich mit Schwaden kleiden.
Nachtfalter sind gerade aufgewacht.
Es liegt Besonders in der Nacht.
Aus Gerstenfeld im letzten Licht
ein wunderbares Gold erbricht.
Über dem Ährenmeer schwebt Dunst
als decke Christo traumhaft Kunst.
Vor diesen weißen Nebelstreifen
zwei Fledermäuse lautlos schweifen. Weiterlesen

Wintergerstenährenmeer

In der warmen Juniluft
wiegen sich die Gerstenähren.
Ihre Blüten ohne viel Duft
nur der Wind hilft beim Vermehren.
Pollenwolken bringen morgen
all den Blüten später Korn.
Reiche Ernte nimmt die Sorgen
wenig Scheffel bringt oft Zorn.
Auf dem Feld reift nur noch Gerste
Kornblume, Mohn sind ackerfern.
Für den Landwirt gilt das Erste
Unkräuter früh abzuwehrn.
Drei Hektar: nur eine Pflanze
Auch der Tierwelt geht es schlecht.
Schnecke, Wurm, Käfer und Wanze
verlieren hier ihr Lebensrecht. Weiterlesen

Die Zikade

Die Zikade

Der Zikade
schmerzte heftig die rechte Wade.
Vom vielen Springen
da fingen
die Muskeln schrill an zu singen.
Das war echt schade
für die Zikade.
Herumspringen war sonst ihr Ding
denn daran hing
der Faden zum Glück.
Doch schnell zurück
zur schlimmen Wade
Keine Gnade
kannte der Befund
aus orthopädischem Mund.
Sechs Ruhewochen –
obwohl nichts gebrochen –
braucht schon ein Faserriss
solange bis,
die Wade rehabilitiert,
ein erster Sprung ausprobiert. Weiterlesen

Junileuchten

Junileuchten

Der komische Käfermann kennt genau
den Zeitpunkt für die Schau
nach einer Frau –
jetzt, wo die Nächte lau.
Abends um zehn
muss noch viel Zeit vergehen.
Erst gegen Mitternacht,
wenn die Dunkelheit wacht,
zünden die Käfer ihr Licht –
das nach Sekunden wieder zerbricht.
In warmer Juninacht
wird ein Spektakel angefacht.
Immer mehr Fackeln kreisen
an Säumen, Rändern und Schneisen.
Sie knipsen nur kurz ihre Lampe an
beleuchten im Fluge ihre Bahn.
Was da die Juninacht erhellt,
ist allesamt nur Männerwelt. Weiterlesen

Balkenschröter

Balkenschröter

Nur mal eben
zugegeben:
mit Balkenschrötern habe ich –
nicht wunderlich –
eher sehr selten zu tun
aber nun –
wo ich auf ihn gestoßen bin,
macht es Sinn,
ihn zu respektieren
auf ihn zu reagieren.
Dass ich ihn sofort erkannte,
seinen Namen nannte,
liegt an der Studienzeit,
die eine Ewigkeit
zurückliegt
Manche Erinnerung fliegt
ins Gedächtnis zurück
Finderglück.
Beim Aufräumen
vom toten Holz von Bäumen
saß das schwarze Tier
im Mulme hier.
Die Balkenschröter sind –
wie ich find –
fast unverwechselbar-
aber selten nah.
In meinem Leben
habe ich neben
unzählig vielen Insekten,
die mein Interesse weckten,
nur zwei- oder dreimal
Balkenschröter gesehen.
Solch ein Geschehen
war gestern genau.
Zufällig schau
ich in Holzfaserreste.
Nicht das Allerbeste
denke ich mir:
doch dann kam das Tier.
Es kreuzten sich unsere Wege.
Ich lege
Das robuste Tier
vor die Augen mir.
Wie different ,
wenn man es so nennt,
sind unsere Leben gelaufen:
Hier reicht ein Haufen
modriges Holz
zum Glück ohne Stolz. Weiterlesen