Vieltriebig

Vieltriebig

Im späten Herbst nach der ersten Frostnacht
hat Eiseskälte sie umgebracht.
Von der Kermesbeere blieb nur der Stiel –
sein Blätterwerk ein Trauerspiel.
Der lange Schaft vertrocknete bald
und ohne große, körperliche Gewalt,
ließ sich die stolze Pflanze brechen.
Am Ende siegten ihre Schwächen.

Jetzt im April sehe ich den Stumpf,
wo abgebrochen einst der Rumpf.
Um den verblichenen Faserstiel
kommt reichlich Leben neu ins Spiel.
Ein Kranz von Trieben strebt ans Licht. Weiterlesen

Körnerfresser

Körnerfresser

Jeden Tag meist zur gleichen Zeit
mach ich mich wieder zum Füttern bereit.
Der Hühnerstall liegt ein paar Schritte vom Haus.
Ich laufe zum Stall immer nur geradeaus.
Vom Federvieh werde ich gackernd empfangen
Denn da werd ich ins Kornfass tief hinein langen,
um dann Getreide weit zu verstreuen.
Hastiges Picken wird mich dann wohl erfreuen.
Da kein Mangel herrscht, fehlt jeder Futterneid.
Alle Hühner fressen voller Zufriedenheit.

Doch da sind noch zwei Haustiere der besonderen Art,
ein älterer Ganter, den das Schicksal traf hart.
Vor Jahren verlor er seine Frau durch Fuchsattentat
Eine Virus raubt ihm ein Auge – so dass er eines nur noch hat.
Den Theo füttere ich. Er meldet sich sehr laut.
Er wird erst wieder ruhig, wenn er Körner schnell kaut. Weiterlesen

Amselfieber

Amselfieber

Jetzt, wo an Zweigen Knospen springen,
wo höchst im Baum die Vögel singen,
da zieht ein wunderbarer Duft
aus Blütenmeeren durch die Luft.
Die Meisen schon seit Wochen brüten
Die Vogelkästen gut behüten.
Der Zaunkönig fand ein Mauerloch
holt Moos herbei wohl immer noch,
damit sein Nest wird warm und weich –
es ist ja für sein Königreich.
Die Amseln sind nun brunftverrückt.
Wenn morgens ihr Gesang verzückt,
dann geht der Kampf bald richtig los.
Rivalen setzen Stoß auf Stoß.
Sie jagen wild durch Baum und Hecke,
bis einer bleibt dann auf der Strecke.
Dann können Amseln Hochzeit feiern.
Das blaue Grün von ihren Eiern
ist so ein schöner Osterschmuck.
Vier, fünf sind meistens dann genug. Weiterlesen

Hast du Töne?

AbendröteHast du Töne?

Die ach so stumme Winterszeit
nimmt lenzend bald ein Ende.
Die Vögel putzen Frühlingskleid
schmücken sich für die Wende.
Wenn abends sinkt der Sonnenball
mit Purpurfeuerröte
da stimmt die Amsel wieder mal
die wonnigliche Flöte.
Im Dämmerlicht wellt Melodie.
Die Sehnsucht möchte singen.
Töne schmelzen zur Symphonie,
die viele Strophen bringen.
Der Buchfink schmettert kurz und hart
Die Meise rufend flötet.
Braunellen tirilieren zart,
wie sich die Stimmung rötet.
Ein jeder spielt sein Lied voll Lust.
So klingt im Ton die Sprache. Weiterlesen