Ohne Foto

Ohne Bild

In vielen Geschichten, Berichten, Gedichten
wollte ich bisher niemals auf Bilder verzichten.
Neben all den geschriebenen Worten
konnte ich auch immer den Blick verorten.
Worte und Gedanken sind – wie gesagt – frei.
Bilder bringen immer Realitäten herbei.
Heute beschreibe Bedrückendes ganz ohne Bild.
Was nicht nur mir verloren ging, die Hauptrolle spielt.
Neulich bei einem Herbstspaziergang traf ich einige Stellen,
wo inzwischen die Besonderheiten fehlen.
Ein kleiner Bach in der Nähe beherbergte Flussmuscheln im Sediment.
Er vertrocknete teilweise, dann ganz. In seinem Sortiment
waren zuvor Köcher-, Stein-, Eintagsfliegen bester Qualität.
Nur noch nach Katastrophenregen Wasser hier steht.
Im nahen Wald hatte ich vor Jahren eine Quelle entdeckt,
in der noch etwas vom ursprünglichen Leben steckt. Weiterlesen

Wenn ein….

Wenn ein

Wenn ein….

Wenn ein Nashorn auszusterben droht,
dann sieht sogar ein Teil der Menschheit rot.
Wenn irgendwo im Boden eine Moosmilbe
endgültig verreckt,
hat sie der Mensch zuvor
vielleicht nicht einmal entdeckt.
Wenn eine Orchidee zum letzten Mal erblüht,
wird von Pflanzenliebhabern
entrüstet mitgefühlt.
Verschwindet an anderer Stelle
ein eher unscheinbares Gras,
nahezu unbemerkt geschieht das.
Wenn ein schillernder Falter nicht mehr segelt,
Rote Listen seine Ausrottung regelt,
sind einige Insektenfreunde entsetzt
die große Mehrheit scheint weniger verletzt.
Wenn ein winziger Fadenwurm
die Weltenbühne verlässt,
stellt vielleicht der Fachgelehrte das fest. Weiterlesen

In memoriam Lithax obscurus

In Memoriam Lithax obscurus
Zum Gedenken an eine kleine Köcherfliegenart

Seit ein paar Wochen steht Aufräumen im täglichen Programm. Das frühere Arbeitsleben verschwindet nach mehr als sechs Jahren beruflicher Tatenlosigkeit immer stärker im Nebel der Vergessenheit. Um Kinder und Kindeskinder vom Ballast des spätreifen Lebens zu befreien, muss ich mich in einem weiteren Schritt von Dingen lösen, die mir vor zwanzig Jahren noch enorm viel bedeutet haben. Als Biologe in der Naturschutzbildungsarbeit lange aktiv besitze ich im Kellergeschoss einen Arbeitsraum für besondere Tätigkeiten. Hier stehen
Mikroskope, Lupen, Aufzeichnungsgeräte, Beleuchtungsapparaturen bereit, um kleinere und winzige Tiere filmisch zu portraitieren und ihr Verhalten zu dokumentieren. Der Arbeitsraum ist vollgestopft mit fachlichen Büchern, immensen Diasammlungen, hunderten von alten Filmbändern, konservierten Tieren und jede Menge an handwerklichen Hilfsmitteln, die zur Präsentation der tierischen Filmschauspieler benötigt wurden. Was sonst noch alles hier eingelagert wurde, wäre zu ermüdend hier an dieser Stelle nachzulesen. Doch nun geht es um die Trennung: Aus vormals Wertvollem wird durch Neubeurteilung nun komplizierter Abfall, der nicht nur einfach in der Restmüll landet.
Von den abertausend Diapositiven sind bei einer vorherigen Bestandsaufnahme bereits etwa die Hälfte kommentarlos in die graue Tonne gewandert. Für die verbliebenen 20 000 Bildträger wartet das nächste Exekutionsgericht. Vielleicht wird ein Prozent davon zu meinen Lebzeiten noch Duldung erfahren. Nach mir haben diese Bilder kaum noch irgendeine Daseinsberechtigung. Was sich dann endgültig in den Müll verabschiedet, sind u.a. Bilder, die in Ausstellungen, Büchern, Broschüren und Zeitschriften unterschiedlichster Art publiziert wurden. Mit manchen Bildern wurde sogar richtig Geld verdient, andere konnten sogar Wettbewerbe gewinnen. Doch die Zeit duldet kaum vergangene Dokumente, die die Welt nicht richtig bewegt haben. Die Tage vieler Diasammlungen sind längst gezählt – zumal die Qualität aktueller Aufnahmen fast alles Alte in den Schatten stellt.
Langsam komme ich dem oben angekündigten Nachruf etwas näher. Neben den vielen Dias habe ich als Zoologe über mehr als zwanzig Jahre lang hauptsächlich die Tierwelt unter dem Mikroskop aufgenommen. Besonders das Leben mit einer Körpergröße von unter einem Zentimeter bis in den kleinsten Millimeterbereich hat mich fasziniert und hier sind etwa 200 oder mehr Aufnahmestunden zusammen gekommen, über deren künftigen Verbleib ich mir nicht nur Gedanken machen muss. Einige der alten Bänder sind noch auf VHS-Bändern aufgezeichnet, deren Farbe und Brillanz in den Lagerjahren sukzessiv verloren gegangen ist. Die späteren SVHS-Bänder behalten die Qualität erheblich besser und sind auch heute noch recht ansehnlich.
Aufgenommen habe ich damals nahezu das komplette Bodenleben auf der einen Seite – dann aber auch das Leben im Wasser. Vom Wasserleben bearbeitete ich drei Stränge besonders intensiv: die Kleintierwelt der Quellen, der Bäche und der Kleingewässer. Zu Großem fühlte ich mich filmisch nicht berufen. Aufnahmen aus großen Seen und Meeren und Ozeanen blieben seltenste Ausnahmen.
Die alten VHS/ SVHS- Bänder haben ich- was die wichtigsten Szenen betrifft- vor Jahren schon auf DVD-Träger kopiert. Dieses Format lässt sich auf Rechnern und Rekordern noch abspielen, so dass mein Filmschatz nicht ganz in der Versenkung veralteter Filmträger verschwindet.
Manche meiner tierischen Filmaufnahmen haben es damals weit gebracht: aus ihnen wurden Lehrfilme zusammen gestellt, manche sind auch heute noch in diversen Welt/Ausstellungen zu sehen, andere flimmerten im Fernsehprogramm, einige schafften es in mehrere Sendungen mit der Maus. Der allergrößte Teil meiner Filmaufnahmen sah natürlich nicht das Licht der Öffentlichkeit. Ich blieb bislang der einzige Betrachter meiner Aufnahmen. Mein Filmfriedhof bedarf nun ebenfalls einer Trennungsphase. Bei der Durchsicht der zahllosen DVDs fielen mir auch wieder die Aufnahmen in die Hand, die ich seinerzeit über Köcherfliegenlarven gemacht hatte, die ich in Aquarien dazu gebracht hatte, mit Halb/Edelsteinen ihre Wohnröhren zu bauen. Über diese edlen oft knallig bunten Tiere wurde dann auch ein hübscher Film für die Sendung mit der Maus gefertigt und ausgestrahlt. In dieses alte Filmmaterial musste ich unweigerlich wieder hineinschauen und ließ mich beim Betrachten in die Zeit dieser Experimente quasi zurückversetzen.
Ende der achtziger Jahre hatte ich im Hellefelder Bach bei einer Seminarvorbereitung in Arnsberg Köcherfliegenlarven angetroffen, die neben den üblichen Sandpartikeln und kleinen Steinchen auch rotes Granulat in ihre Behausungen eingebaut hatten. Nach kurzer Verdutzung über diese abnormen Baustoffe fand ich bald die Lösung für dieses Phänomen. Weiterlesen

Artenerosion

Artenerosion

Die Welt gewinnt täglich an Menschen mehr
verliert aber an Arten dafür um so sehr.
Wenn homo sapiens Milliardenmarken knackt,
die Biodiversität an Arten tief ins Minus sackt.
Zahlt Menschheitswachstum mit neuen Rekorden
mit einem Lebendigkeitsverlust durch Artenermorden?
Ich gebe meinen Enkeln eine Welt in die Hand,
aus der während meiner Zeit so viel Leben verschwand.
Neulich fand ich auf dem Trödel ein schönes Objekt,
in dem ein Stück Trauer der Weltmeere steckt.
Ein Korallenskelett hübsch gewachsen einmal.
Darin lebten einst Polypen in fast unglaublicher Zahl.
Vielleicht wurde das Stück schon tot aus dem Riff gerissen –
doch auch diese Tat beruhigt kaum mein Gewissen.
Diese Korallen wurden fürs Aquarium gehandelt.
So wurde ein Fischgefängnis mit Zauber verwandelt.
Heute sterben oder siechen Korallenriffe dahin –
eine Rettung utopisch, macht scheinbar keinen Sinn.
An toten Korallen werden wir reichlich bald erben.
Dafür musste atemberaubende Vielfalt einfach nur sterben.
Gestern war in den Medien erneut darüber zu lesen,
die Zeit der Insekten ist für die meisten wohl gewesen.
Dreiviertel Sechsbeiner fehlen an gut untersuchten Orten.
Mir fehlt fast die Sprache mit geeigneten Worten. Weiterlesen

Blütenfeuerwerk

Blütenfeuerwerk

Im Juligarten ist viel schon verblüht.
Doch eine neue Welle feurig glüht,
wenn der Sommer gibt die Hitze frei –
lachen bunte Blumengrüße täglich neu.
Hortensien in vielen Tönen
für Wochen uns den Blick verwöhnen.
In diesem Jahr bleibt kleiner die Pracht.
Zu später Frost hat Unheil gebracht.
Kokardenblumen und Sonnenhüte
öffnen täglich Blüte für Blüte.
Taglilien wetteifern im Sonnenlicht,
wer die anderen an Grazie aussticht. Weiterlesen

Eine Maisterleistung

MaisfeldWieder eine Maisterleistung

Im späten April erst gesät –
Das ist eigentlich sehr spät –
Kommt das Maiskorn in die Erde,
Dass kein Frost es mehr gefährde.
Im warmen Mai aufgegangen,
Mit dem Wachsen angefangen
Zunächst noch durchaus mit Maß
Doch dann gibt die Pflanze Gas:
Wenn die Sonne schön scheint,
Der Himmel gut weint,
Will der Mais heftig sprießen,
Fängt bald an zu schießen.
Ist der Sommer schön schwül
Und es regnet sehr viel,
Dann kommt er groß heraus
Der Maister des Ackerbaus. Weiterlesen