Digitale Pracht

Digitale Pracht

Auf der Hut sein das sollten wir vor dem Fingerhut,
warnten die Eltern: Die Pflanze sei nicht so gut.
Sie stecke im Inneren voll von einem starken Gift.
Wer viel davon bekommt, auf den Tod sogar trifft.
So war diese Blume für den Strauß dann passe.
Keine pflückende Kinderhand tat den Blüten noch weh.
Später lernte ich mehr und sollte mir dabei merken:
Der hübsche Fingerhut hilft, schwache Herzen zu stärken.
Richtig dosiert wird Digitalis purpurea zur Medizin.
Die Pflanze ist sonst auch für die Natur ein Gewinn. Weiterlesen

Schillernde Erstbegegnung

Schillernde Erstbegegnung

Wirklich nichts deutete darauf hin,
dass dieser Tag ein besonderer werden könnte.
Haustierversorgung – wie jeden Morgen – stand mir im Sinn,
Ein Tag, der Hühnern frisches Gras und Kohlblätter gönnte.
Die Federtragenden erwartungsvoll mir entgegenrannten,
weil sie ihren Fütterer wirklich gut kannten.
Dann wollte ich auch den Schafen was Gutes geben,
da sah ich an der Stallaußenwand einen großen Falter mal eben.
Er hielt seine Flügel über dem Hinterleib geschlossen
und hat sanft mit seinem Rüssel immer auf den Stein gestoßen.
Später hab ich gelernt, er hat an dieser Stelle geleckt.
Hier reiben sich die Schafe und das hat gut ihm geschmeckt.
Dann kam der Augenblick, den werde ich nie vergessen
Die Flügel gingen auf – ich hab mich hingesessen
und schaute auf ein Blau in der schillerndsten Farbe –
etwas, das ich zuvor niemals im Garten so gesehen habe. Weiterlesen

Grün nachgedacht

Grün nachgedacht

Fünfundzwanzig Jahre ist es nun schon her –
die Familie war gewachsen – Raum musste her.
Das Haus stieg in die Höhe –
auch drum herum gab es Not.
Dort entstanden überdachte Flächen
als mehr Wohnungsangebot.
Die Dächer der Nebengebäude blieben beide flach.
Da wurde der Wunsch nach Begrünung bald wach.
Schweißbahn, sandbeschichtet wollten wir so nicht sehen.
Es sollte mit dieser Fläche etwas besseres geschehen.
Ein Wachstumssubstrat mit recyceltem Schutt
war für die kleinen Pflanzen ausreichend und gut. Weiterlesen

Der Weg ins Leben

Ein Weg ins Leben

Über den Flächenverbrauch will z. Z. keiner sprechen.
In der grassierenden Wohnungsnot brechen
Ziele des Bodenfreiflächenschutzes wie ein
Kartenhaus in sich zusammen.
Denn viel zu wenige Schaufelbagger rammen
ihre Zähne in noch intakte Bodenökosysteme hinein.
Wohnungsbau muss in Wirtschaftswachstumszeiten einfach nur sein.

Es gibt Orte, da rudert die Natur ein wenig zurück –
so wie bei diesem ungepflegten Wegesstück.
Die Betonplatten sind vom hohen Alter gegerbt.
Das freudlose Grau durch Moose und Pflanzen gefärbt.
Der anfangs leblose Weg bekommt eine atmende Haut,
die für die meisten Menschen unordentlich ausschaut.
Wie viele Arten sind hier bereits wieder angekommen? Weiterlesen

Tierausstellung

Tierausstellung

Man macht eine Reise in die Ferne
und besucht am Urlaubsort gerne
ein Aquarium oder einen Zoo –
Botanische Gärten sowieso.
Ich war in einem Nationalaquarium.
Lauter Meerestiere waren um mich herum.
Doch nicht nur aus dem nahen Mittelmeer.
Die Tiere kamen aus fast allen Ozeanen her.
Viel gab es zu sehen, darunter marine Leckerbissen
seltsame Tiere, von denen wir wenig wissen.
Auch Insekten und Reptilien waren ausgestellt.
Auch die kamen wohl aus der ganzen Welt.

Alle waren in kleinen Becken eingesperrt –
ein Leben in Freiheit für immer verwehrt.
Ob die Tiere unglücklich im Gefängnis leben,
dazu lässt sich schwerlich eine Antwort geben.
An Futter und Hygiene fehlt es kaum.
Doch ihr elendig kleiner Lebensraum
nimmt ihnen die grenzenlose Freiheit.
Alles ist hier menschengesteuert. Weiterlesen

Der Mais ist weg!

Der Mais ist weg!

Der Mais ist weg.
Er erfüllt bald seinen Zweck.
Wird von Rindviechern verdaut –
dann erneut angebaut
für möglichst hohen Biomassengewinn.
So macht Landwirtschaft wohl Sinn.
Mais ist ein erwünschter Migrant –
seine Wertschätzung längst anerkannt.
Er verwandelt Gülle in Kolben voller Korn
Höchsterträge sind unersättlicher Ansporn.
Auf dem Feld herrscht er für sich allein.
Andere Pflanzen sollten hier nicht sein.
Dafür sorgt ganz sicher Glyphosat –
ein erfolgreiches Herbizid in der Tat.
Der Boden ist lange schon artenentleert.
Milben wie Springschwänze entbehrt
die Ackererde ist wurm- und assellos
nur Bakterien, die gibt es hier bloß.
Der Humusgehalt wurde stark reduziert,
so dass die Wasserspeicherung enorm hier verliert.
Wenn dann Dürrezeiten nicht weichen,
gibt es bald schon pflanzliche Leichen.
Sollen wir den massenhaften zu frühen Maistod betrauern?
Sollen wir landwirtschaftliche Dummheit bedauern?
Mit Steuergeldern werden Betriebe erhalten,
die anschließend kaum einen Hebel umschalten.
So tot war schon lange kein Maisacker mehr.
Das macht mir so nicht das Leben schwer.
Viel schlimmer ist, dass wir keinen Weg dahin finden,
wie wir wieder Natur in unsere Böden einbinden.
Zwei Riesenhalme hat der Maissilierer vergessen.
Auch wenn die Pflanzen drei Meter fast messen,
sind sie für mich wie ein mahnendes Denkmal:
Haben wir für die Zukunft noch eine bessere Wahl?

In memoriam Lithax obscurus

In Memoriam Lithax obscurus
Zum Gedenken an eine kleine Köcherfliegenart

Seit ein paar Wochen steht Aufräumen im täglichen Programm. Das frühere Arbeitsleben verschwindet nach mehr als sechs Jahren beruflicher Tatenlosigkeit immer stärker im Nebel der Vergessenheit. Um Kinder und Kindeskinder vom Ballast des spätreifen Lebens zu befreien, muss ich mich in einem weiteren Schritt von Dingen lösen, die mir vor zwanzig Jahren noch enorm viel bedeutet haben. Als Biologe in der Naturschutzbildungsarbeit lange aktiv besitze ich im Kellergeschoss einen Arbeitsraum für besondere Tätigkeiten. Hier stehen
Mikroskope, Lupen, Aufzeichnungsgeräte, Beleuchtungsapparaturen bereit, um kleinere und winzige Tiere filmisch zu portraitieren und ihr Verhalten zu dokumentieren. Der Arbeitsraum ist vollgestopft mit fachlichen Büchern, immensen Diasammlungen, hunderten von alten Filmbändern, konservierten Tieren und jede Menge an handwerklichen Hilfsmitteln, die zur Präsentation der tierischen Filmschauspieler benötigt wurden. Was sonst noch alles hier eingelagert wurde, wäre zu ermüdend hier an dieser Stelle nachzulesen. Doch nun geht es um die Trennung: Aus vormals Wertvollem wird durch Neubeurteilung nun komplizierter Abfall, der nicht nur einfach in der Restmüll landet.
Von den abertausend Diapositiven sind bei einer vorherigen Bestandsaufnahme bereits etwa die Hälfte kommentarlos in die graue Tonne gewandert. Für die verbliebenen 20 000 Bildträger wartet das nächste Exekutionsgericht. Vielleicht wird ein Prozent davon zu meinen Lebzeiten noch Duldung erfahren. Nach mir haben diese Bilder kaum noch irgendeine Daseinsberechtigung. Was sich dann endgültig in den Müll verabschiedet, sind u.a. Bilder, die in Ausstellungen, Büchern, Broschüren und Zeitschriften unterschiedlichster Art publiziert wurden. Mit manchen Bildern wurde sogar richtig Geld verdient, andere konnten sogar Wettbewerbe gewinnen. Doch die Zeit duldet kaum vergangene Dokumente, die die Welt nicht richtig bewegt haben. Die Tage vieler Diasammlungen sind längst gezählt – zumal die Qualität aktueller Aufnahmen fast alles Alte in den Schatten stellt.
Langsam komme ich dem oben angekündigten Nachruf etwas näher. Neben den vielen Dias habe ich als Zoologe über mehr als zwanzig Jahre lang hauptsächlich die Tierwelt unter dem Mikroskop aufgenommen. Besonders das Leben mit einer Körpergröße von unter einem Zentimeter bis in den kleinsten Millimeterbereich hat mich fasziniert und hier sind etwa 200 oder mehr Aufnahmestunden zusammen gekommen, über deren künftigen Verbleib ich mir nicht nur Gedanken machen muss. Einige der alten Bänder sind noch auf VHS-Bändern aufgezeichnet, deren Farbe und Brillanz in den Lagerjahren sukzessiv verloren gegangen ist. Die späteren SVHS-Bänder behalten die Qualität erheblich besser und sind auch heute noch recht ansehnlich.
Aufgenommen habe ich damals nahezu das komplette Bodenleben auf der einen Seite – dann aber auch das Leben im Wasser. Vom Wasserleben bearbeitete ich drei Stränge besonders intensiv: die Kleintierwelt der Quellen, der Bäche und der Kleingewässer. Zu Großem fühlte ich mich filmisch nicht berufen. Aufnahmen aus großen Seen und Meeren und Ozeanen blieben seltenste Ausnahmen.
Die alten VHS/ SVHS- Bänder haben ich- was die wichtigsten Szenen betrifft- vor Jahren schon auf DVD-Träger kopiert. Dieses Format lässt sich auf Rechnern und Rekordern noch abspielen, so dass mein Filmschatz nicht ganz in der Versenkung veralteter Filmträger verschwindet.
Manche meiner tierischen Filmaufnahmen haben es damals weit gebracht: aus ihnen wurden Lehrfilme zusammen gestellt, manche sind auch heute noch in diversen Welt/Ausstellungen zu sehen, andere flimmerten im Fernsehprogramm, einige schafften es in mehrere Sendungen mit der Maus. Der allergrößte Teil meiner Filmaufnahmen sah natürlich nicht das Licht der Öffentlichkeit. Ich blieb bislang der einzige Betrachter meiner Aufnahmen. Mein Filmfriedhof bedarf nun ebenfalls einer Trennungsphase. Bei der Durchsicht der zahllosen DVDs fielen mir auch wieder die Aufnahmen in die Hand, die ich seinerzeit über Köcherfliegenlarven gemacht hatte, die ich in Aquarien dazu gebracht hatte, mit Halb/Edelsteinen ihre Wohnröhren zu bauen. Über diese edlen oft knallig bunten Tiere wurde dann auch ein hübscher Film für die Sendung mit der Maus gefertigt und ausgestrahlt. In dieses alte Filmmaterial musste ich unweigerlich wieder hineinschauen und ließ mich beim Betrachten in die Zeit dieser Experimente quasi zurückversetzen.
Ende der achtziger Jahre hatte ich im Hellefelder Bach bei einer Seminarvorbereitung in Arnsberg Köcherfliegenlarven angetroffen, die neben den üblichen Sandpartikeln und kleinen Steinchen auch rotes Granulat in ihre Behausungen eingebaut hatten. Nach kurzer Verdutzung über diese abnormen Baustoffe fand ich bald die Lösung für dieses Phänomen. Weiterlesen

Total verwanzt

Zeichnung

Total verwanzt

Auf dem Wasser kreisend tanzen
sehr geschickt die Wasserwanzen.
Teich- und Wasserläufer flitzen,
ohne Wasser zu verspritzen.
Füße sind perfekt gebaut
für des Tümpels Wasserhaut.
Kurz zum Luftholen tauchen immer
oben auf die Rückenschwimmer.
Ihre großen, roten Augen
effektiv zum Jagen taugen.
Manchem wurde zum Verhängnis
Notonectas scharfer Biss.
Schwimmwanzen sind fast noch frecher
Gelten als fiesböse Stecher.
In der Gruppe attackieren,
heißt für Opfer schon verlieren. Weiterlesen

Kinderreich

Kinderreich

Frosch, Libelle, Wasserfloh –
fertig ist der Tümpelzoo.
Nur wenig Wasser reicht schon aus
fürs fröhlich feuchte Freudenhaus.
Mit warmer Sonne reich beschienen
das lockt die Mücken, Wasserbienen.
Bald auf dem Wasser herrlich tanzen
die jungverliebten Wasserwanzen.
Den Grasfrosch drückt schon früh die Lust.
im Februar nimmt er zur Brust
sich seine Fröschin hier am Teich
und flirtet bis zum ersten Laich.
Auch Molche spielen Kavaliere
zur Hochzeit lasterhafte Tiere.
Mit Düften werben sie die Braut,
die so betört, nur ihn anschaut. Weiterlesen

Koifliche Fische

Koifliche Fische

Was hier bunt schwimmt,
gern Futter entgegen nimmt,
sind bunte Kois in einem Teich.
Neugierig kommen sie sogleich,
wenn sich am Rand ein Mensch mal zeigt
den Kopf zum Wasser tiefer neigt.
Japanisch ist der Garten hier
Eleganz und Ordnung zeigen mir,
hier ist der Ort gänzlich verplant.
denn Wildnis wird hier abgemahnt.
Zurück zu buntgescheckten Fischen,
die turbulent das Wasser mischen.
Die Tiere sind bei uns eher fremd.
Zu bunt ist doch ihr Ausgehhemd.
Unser Karpfen trägt ein Silberkleid,
ist auch zu dunklem Braun bereit.
Knallbunt sind Kois erst recht begehrt.
Das steigert mächtig den Marktwert. Weiterlesen