Gerbera

Gerbera

Früher fand ich diese Blumen fast zu schön,
um wahr zu sein.
Ihr Aussehen war einfach zu edel, zu fein.
Gerberen wurden gern zu Anlässen verschenkt –
oft mit Glückwunschzeilen drangehängt.
Ich liebte eher die wilden Blumen am Wiesenrain –
die sollten, frisch gepflückt, in die Vasen hinein.

Später erfuhr ich noch mehr über Gerberenpflanzen.
Das schliff noch weiter die scharfen Lanzen,
die ich gegen käuflichen Blumenschmuck trieb.
Etwas von alldem bis heute noch blieb.
Gerberen wird oft der Boden entzogen.
Aus Nährlösungen wird ihr Wachstum gesogen.
Erdiger Kontakt wird peinlichst vermieden –
aus hygienischen Gründen wohl entschieden.
Da der Stängel zu schwach, die Blüten zu halten,
muss ein starker Draht seines Amtes walten. Weiterlesen

Streifenwanze mit Langeweile

Streifenwanze mit Langeweile

Jeden Tag kann ich sie wiedersehen
bleib ich am Engelwurz nur stehen.
Auf dem längst verblühten Doldenteller
da geht die Zeit nur langsam schneller.
Schon in der zweiten Woche da sitzt
eine Streifenwanze – vielleicht ritzt
sie an jungen Samenstielen,
um süßen Saft dort zu erzielen.
Warum bleibt sie dem Ort so treu?
Die Welt ist anderswo doch neu.
Sie braucht nur ihre Flügel schlagen.
Dann könnte sie woanders nagen.
Doch diese Wanze die bleibt stur –
bewegt sich gerade eben nur
auf ein paar dieser alten Blüten.
Will sie Geheimnisse wohl hüten? Weiterlesen

Der Mais ist weg!

Der Mais ist weg!

Der Mais ist weg.
Er erfüllt bald seinen Zweck.
Wird von Rindviechern verdaut –
dann erneut angebaut
für möglichst hohen Biomassengewinn.
So macht Landwirtschaft wohl Sinn.
Mais ist ein erwünschter Migrant –
seine Wertschätzung längst anerkannt.
Er verwandelt Gülle in Kolben voller Korn
Höchsterträge sind unersättlicher Ansporn.
Auf dem Feld herrscht er für sich allein.
Andere Pflanzen sollten hier nicht sein.
Dafür sorgt ganz sicher Glyphosat –
ein erfolgreiches Herbizid in der Tat.
Der Boden ist lange schon artenentleert.
Milben wie Springschwänze entbehrt
die Ackererde ist wurm- und assellos
nur Bakterien, die gibt es hier bloß.
Der Humusgehalt wurde stark reduziert,
so dass die Wasserspeicherung enorm hier verliert.
Wenn dann Dürrezeiten nicht weichen,
gibt es bald schon pflanzliche Leichen.
Sollen wir den massenhaften zu frühen Maistod betrauern?
Sollen wir landwirtschaftliche Dummheit bedauern?
Mit Steuergeldern werden Betriebe erhalten,
die anschließend kaum einen Hebel umschalten.
So tot war schon lange kein Maisacker mehr.
Das macht mir so nicht das Leben schwer.
Viel schlimmer ist, dass wir keinen Weg dahin finden,
wie wir wieder Natur in unsere Böden einbinden.
Zwei Riesenhalme hat der Maissilierer vergessen.
Auch wenn die Pflanzen drei Meter fast messen,
sind sie für mich wie ein mahnendes Denkmal:
Haben wir für die Zukunft noch eine bessere Wahl?

In der Westruper Heide

In der Westruper Heide

Morgenröte deutet lieblich sich an.
Vorm Horizont erhellen flache Dünste.
Als meine Wanderung heut früh begann,
erlebte ich einsam verwunschene Künste.
Vor mir hauchte die Westruper Heide.
Ihr Nebelhemd deckte sie blößend zu.
An tausend Netzfäden allerfeinster Seide
baumelt der Morgentau in stillster Ruh.
Die Heide blüht noch an den meisten Stellen.
Wo Schatten fehlt, sind Blütenköpfe herbstlich braun.
An Wachholderbeeren Tropfen glitzernd quellen.
Die Sonnenstirn beendet lugend Morgengrauen.
Mein Weg steigt sanft zum schlanken Birkenbaum.
Tropfnass lädt eine Ruhebank zum Pausen ein.
Vor mir liegt lila blühend ein Landschaftstraum –
gerade geadelt durch den ersten Sonnenschein. Weiterlesen

Im Frühtau

Im Frühtau

Im Frühtau funkeln tausend Tropfen.
Feinnebel haucht durchs Spinnennetz.
Wenn Winde an die Perlen klopfen,
da bangt die Schönheit hier und jetzt.
Die erste Sonne lässt brillieren
so wundervoll die Kugelzahl.
Das Kunstwerk wird schon bald verlieren
Jed Spinnennetz hängt wieder kahl.
Um diesen Moment hier zu gewinnen,
muss aus dem Bett ich zeitig fliehn.
Da schlafen noch wohl alle Spinnen,
die aufgewärmt die Fäden ziehn. Weiterlesen

Kornblumenblau

Kornblumenblau

Kornblumenblau,
wohin ich auch schau,
sind die Feldraine geschmückt,
wenn es mir glückt,
sie noch zu finden.
Denn Blühsäume schwinden
schnell wie das Gletschereis –
denn das Klima bleibt heiß.
Als kleiner Knirps waren die Felder noch bunt.
Schnell hielten meine Hände einen Bund
aus Kornblumen, Kamille und Mohn.
Er war als kindlicher Lohn
für die liebe Mutter gedacht.
Sie hat so dankbar gelacht.
Heute finde ich das Kornblumenblau
umglitzert vom Morgentau
leider nur noch sehr selten
in den Agrarwelten. Weiterlesen

Erröten

P1150316Erröten

Die Weichen der Zeit sind herbstgestellt.
Erstes Laub zu Boden fällt.
Noch hat die Sonne stärkste Kraft,
obwohl Zenit schon längst geschafft.
Mit jedem späten Sonnenstrahl
erhöht sich nun die Öchslezahl.
Trauben gibt es mal wieder viele.
Sie warten aufgereiht am Stiele.
Noch ist die Erntezeit nicht nah.
Doch was ich heut so richtig sah,
das waren erste lila Zeichen:
Unreifes Grün will endlich weichen.
Jeden Tag erröten neue Trauben.
Sie lassen mich an Süßes glauben.
Erst wenn der Wein purpurgetönt,
ist Hochgenuss uns dann gegönnt.

Dasselbe Farbspiel sehe ich auch
ringsum am Apfelspindelstrauch.
Auf der Sonnenseite erröten nun
Äpfel – was sie im Schatten nicht tun. Weiterlesen

Birnenregen

P1150308Birnenregen

Im Garten ragt ein Birnenbaum.
Er ist sehr alt, verschafft sich Raum.
Zeigt seine Krone voller Stolz.
Im Stamme ruht viel Jahresholz.
Weil er in diesem frühen Jahr
vom Blütenmeer geflutet war
und auch die Bienen, Hummeln summten,
die Früchtemengen nur so brummten.
Der ganze Baum hing brechend voll –
die Ernte mehr als übertoll.
Gegen Ende August begann der Regen.
Das war nicht nur der reinste Segen.
Wie eine Bombe schlug manche Frucht,
die im Bodenkampf ihr Ziel gesucht.
Auf den Beeten fielen Birnen weich.
Trotzdem platzen sie alle gleich.
Ihr Früchtefleisch so saftig süß
sofort auf Gegenliebe stieß. Weiterlesen

Vom Fleische befreit

P1150227Vom Fleische befreit

Vom Fleische befreit
sind die Kirschen und Pflaumen.
Ihr Süßes Gewebe
erfreute die Gaumen.
Zurück blieben nur noch
Stiele und Steine.
Der traurige Rest am Boden
findet Freunde wohl keine.
Manch Kirsche
landete im Drosselrachen
auch Starensemble machen
aus jeder roten Kirschenfrucht
mit ihrer Schnabelwucht
ein Schlachtfeld
unterm Kirschenbaum.
Zum Albtraum
wird das Vogelpack
aus Kirschen bald nur Früchtehack
Der nackte Stein bleibt unverdaut.
Ein wenig blässlich er ausschaut.
Vom Sonnenstrahl geblichen
ist Farbe ganz gewichen.
Der Stein scheint ohne Wert.
Doch es ist umgekehrt.
Im Innern ruht sein Keim.
Die Schale ist sein Heim.
In den Boden muss er rein.
Wer wird sein Gräber sein? Weiterlesen