Ein Bach in buntem Farbenkleid

Ein Bach im bunten Farbenkleid

Viele Bachläufe habe ich bisher schon betrachtet –
was der Mensch ihnen oft angetan hat, verachtet.
In Betonbett gezwängt, im Freilauf eingeengt
oder sogar ins Abwassersystem zugemengt:
manchem urbanen Fließgewässer
ging es ursprünglich bei Leibe viel besser.
In meiner Nähe wird zur Zeit die Emscher renaturiert,
auf dass sich die hässliche Sünde
eines Abwasservorfluters wieder verliert.
Der Wasserkörper ist fast wieder rein
und auch die Flussgestalt darf wieder etwas krummer sein.
Der Mensch modelliert sich den Fluss wieder neu.
Ein wenig Eigenleben ist auch wohl dabei. Weiterlesen

In memoriam Lithax obscurus

In Memoriam Lithax obscurus
Zum Gedenken an eine kleine Köcherfliegenart

Seit ein paar Wochen steht Aufräumen im täglichen Programm. Das frühere Arbeitsleben verschwindet nach mehr als sechs Jahren beruflicher Tatenlosigkeit immer stärker im Nebel der Vergessenheit. Um Kinder und Kindeskinder vom Ballast des spätreifen Lebens zu befreien, muss ich mich in einem weiteren Schritt von Dingen lösen, die mir vor zwanzig Jahren noch enorm viel bedeutet haben. Als Biologe in der Naturschutzbildungsarbeit lange aktiv besitze ich im Kellergeschoss einen Arbeitsraum für besondere Tätigkeiten. Hier stehen
Mikroskope, Lupen, Aufzeichnungsgeräte, Beleuchtungsapparaturen bereit, um kleinere und winzige Tiere filmisch zu portraitieren und ihr Verhalten zu dokumentieren. Der Arbeitsraum ist vollgestopft mit fachlichen Büchern, immensen Diasammlungen, hunderten von alten Filmbändern, konservierten Tieren und jede Menge an handwerklichen Hilfsmitteln, die zur Präsentation der tierischen Filmschauspieler benötigt wurden. Was sonst noch alles hier eingelagert wurde, wäre zu ermüdend hier an dieser Stelle nachzulesen. Doch nun geht es um die Trennung: Aus vormals Wertvollem wird durch Neubeurteilung nun komplizierter Abfall, der nicht nur einfach in der Restmüll landet.
Von den abertausend Diapositiven sind bei einer vorherigen Bestandsaufnahme bereits etwa die Hälfte kommentarlos in die graue Tonne gewandert. Für die verbliebenen 20 000 Bildträger wartet das nächste Exekutionsgericht. Vielleicht wird ein Prozent davon zu meinen Lebzeiten noch Duldung erfahren. Nach mir haben diese Bilder kaum noch irgendeine Daseinsberechtigung. Was sich dann endgültig in den Müll verabschiedet, sind u.a. Bilder, die in Ausstellungen, Büchern, Broschüren und Zeitschriften unterschiedlichster Art publiziert wurden. Mit manchen Bildern wurde sogar richtig Geld verdient, andere konnten sogar Wettbewerbe gewinnen. Doch die Zeit duldet kaum vergangene Dokumente, die die Welt nicht richtig bewegt haben. Die Tage vieler Diasammlungen sind längst gezählt – zumal die Qualität aktueller Aufnahmen fast alles Alte in den Schatten stellt.
Langsam komme ich dem oben angekündigten Nachruf etwas näher. Neben den vielen Dias habe ich als Zoologe über mehr als zwanzig Jahre lang hauptsächlich die Tierwelt unter dem Mikroskop aufgenommen. Besonders das Leben mit einer Körpergröße von unter einem Zentimeter bis in den kleinsten Millimeterbereich hat mich fasziniert und hier sind etwa 200 oder mehr Aufnahmestunden zusammen gekommen, über deren künftigen Verbleib ich mir nicht nur Gedanken machen muss. Einige der alten Bänder sind noch auf VHS-Bändern aufgezeichnet, deren Farbe und Brillanz in den Lagerjahren sukzessiv verloren gegangen ist. Die späteren SVHS-Bänder behalten die Qualität erheblich besser und sind auch heute noch recht ansehnlich.
Aufgenommen habe ich damals nahezu das komplette Bodenleben auf der einen Seite – dann aber auch das Leben im Wasser. Vom Wasserleben bearbeitete ich drei Stränge besonders intensiv: die Kleintierwelt der Quellen, der Bäche und der Kleingewässer. Zu Großem fühlte ich mich filmisch nicht berufen. Aufnahmen aus großen Seen und Meeren und Ozeanen blieben seltenste Ausnahmen.
Die alten VHS/ SVHS- Bänder haben ich- was die wichtigsten Szenen betrifft- vor Jahren schon auf DVD-Träger kopiert. Dieses Format lässt sich auf Rechnern und Rekordern noch abspielen, so dass mein Filmschatz nicht ganz in der Versenkung veralteter Filmträger verschwindet.
Manche meiner tierischen Filmaufnahmen haben es damals weit gebracht: aus ihnen wurden Lehrfilme zusammen gestellt, manche sind auch heute noch in diversen Welt/Ausstellungen zu sehen, andere flimmerten im Fernsehprogramm, einige schafften es in mehrere Sendungen mit der Maus. Der allergrößte Teil meiner Filmaufnahmen sah natürlich nicht das Licht der Öffentlichkeit. Ich blieb bislang der einzige Betrachter meiner Aufnahmen. Mein Filmfriedhof bedarf nun ebenfalls einer Trennungsphase. Bei der Durchsicht der zahllosen DVDs fielen mir auch wieder die Aufnahmen in die Hand, die ich seinerzeit über Köcherfliegenlarven gemacht hatte, die ich in Aquarien dazu gebracht hatte, mit Halb/Edelsteinen ihre Wohnröhren zu bauen. Über diese edlen oft knallig bunten Tiere wurde dann auch ein hübscher Film für die Sendung mit der Maus gefertigt und ausgestrahlt. In dieses alte Filmmaterial musste ich unweigerlich wieder hineinschauen und ließ mich beim Betrachten in die Zeit dieser Experimente quasi zurückversetzen.
Ende der achtziger Jahre hatte ich im Hellefelder Bach bei einer Seminarvorbereitung in Arnsberg Köcherfliegenlarven angetroffen, die neben den üblichen Sandpartikeln und kleinen Steinchen auch rotes Granulat in ihre Behausungen eingebaut hatten. Nach kurzer Verdutzung über diese abnormen Baustoffe fand ich bald die Lösung für dieses Phänomen. Weiterlesen

Immer im Fluss

Immer im Fluss

Zaghaft tröpfeln, schüchtern fließen
Quellgeburt oft ärmlich klein,
aus der Tiefe kühl ergießen
Wasser will so flüchtig sein.
Kaum aus Finsternis entlassen
wird der Born im Stürzen schnell.
All die frischen Wassermassen
blinken jugendlich ganz hell.
Aus der Quelle wird der Quellbach
Sein Geschütt rinnt weiter kühl.
Leidenschaft wird langsam wach.
In den Wassern tanzt mehr Spiel.
Steine rollen, Blätter treiben
übern Ast die Welle springt.
Wasser will sich innig reiben,
wogenhaft es gerne singt.
Aus den engen Nachbarschluchten
gießt sich ein so mancher Bach. Weiterlesen

Jeder Bach sucht seinen Weg

P1140268Jeder Bach sucht seinen Weg

Das Wandern ist des Menschen Lust
über Stock und Stein mit forscher Brust.
Der Wege gibt es ohne Zahl –
sich zu entscheiden bleibt die Qual.
Wer seine Schritte fleißig macht,
hat es im Leben weit gebracht.
Der Wandergeist wird frisch und wach,
begegnet er dem hellen Bach.
Das Wasser reist auf krummen Touren
und wo es war, hinterlässt es Spuren.
Jeder Bach der sucht sich seinen Weg.
Das Wasserband ist Spülbeleg.
Ein Bächlein startet mit der Quelle –
oft als sehr zarte Flüsterstelle.
Dann rinnt der Strahl im engsten Bett.
Mooskissen schmücken es oft nett.
Liegt grobes Holz, dicker Stein ihm quer,
dann fließt die Welle ganz umher.
Wie kleine Bäche sich vereinen,
sind sie mit sich meist noch im Reinen. Weiterlesen

Ein Bach

Werther QuelleEin Bach

Ein Bach
wird aus der Tiefe wach.
Aus irdenem Schoß
Wasser abfloss –
die offene Stelle
eine Quelle.
Kalt und klar
seit 10 000 Jahr
rinnt ein magerer Strahl
stetig ins Tal.
Aus der Unterwelt
da hält
sich kaum ein Tier
im ersten Lichte hier.
Wer hier lebt
am Moos oder Steine klebt,
ist mit Wenigem zufrieden.
Kieselalgen werden abgerieben.
Ein morsches Blatt wird verdaut,
Totholz zerkaut.
Die Lebensraumstube
ist oft eine kühle Wassergrube
ausgewaschen aus dem Stein
aber ungemein rein. Weiterlesen

Überflüssig

P1130411Überflüssig

Überflüssig erscheint der warme Januarregen.
Seit Tagen Wolkenfetzen über das Land her fegen
Regenrinnen die Fluten oft nicht mehr schlürfen.
Unzählige Tropfen nicht mehr in das Erdreich dürfen.
Der Ackerboden mag gar kein Wasser mehr trinken
Mit jedem Schritt beginne ich, tiefer im Schlamm zu versinken.
Im Boden herrscht überall große Überschwemmungsnot
Überflüssiges Wasser bringt manchem Bodentier den sicheren Tod.
Sind alle Porenkanäle restlos gefüllt und getränkt,
ist bald aller Sauerstoff, jede Luftblase verschenkt.
Wer aus kalten Bodenwassersein O2- Bedarf bezieht,
so vor dem Erstickungstode entflieht.

Auch Mohrrüben gibt es auf diesem Felde im Überfluss.
Die Erntemaschine war wohl nicht richtig in Schuss.
Der Regen hat die Rüben seit Wochen fein sauber gewaschen.
Doch keiner will dieses Gemüse essen – nicht einmal naschen.
So liegen diese leckeren bunten Erntegaben
Überflüssig herum – denn niemand möchte sie haben.

Überflüssig wird, wenn es weiter vom Himmel schüttet, der kleine Bach.
Im Sommer fließt er als Rinnsal – seine Wassertiefe handflach. Weiterlesen

reNATURierungen

BachsündenreNATURierungen

Was gerade war,
wird wieder krumm gemacht –
ein Witzbold ist, wer dabei lacht.
Wasser sollte schnell weg nur fließen –
nun soll Natur hier wieder sprießen.
Einst gab’s ein Bett aus Stein-Beton.
Jetzt startet die Rückbauaktion.
Mann baute Wehre, um zu stauen –
nun muss man Fischtreppen rum bauen.
Was Aue war, das wurde drainiert.
Landwirtschaft war etabliert.
Jetzt fehlen Überflutungsflächen.
Sie gehörten einst dem Fluss, den Bächen.
Fließwasserkörper lag stramm im Bett
Der Zuschnitt war überall komplett
im Einheitsmaß, Trapezprofil
dem Wasserabfluss half das viel.
Die Ufer waren gut zu mähen
und Pflege ließ sich gut ansehen.
War irgendetwas krumm und wild,
das passte nicht ins Strömungsbild.
Das Wasserleben voll Depressionen
denn keiner wollte hier mehr wohnen. Weiterlesen

Doppelschwänzige Aderhafte

EpeorusDoppelschwänzige Aderhafte

Der starke Bach, der flotte Berglandfluss
Wasserbewegung hält sie gut in Schuss.
Die kühle Welle sauerstofferfüllt
den schweren Stein ständig umspült.
Unter diesem lebt eng angeschmiegt
was später einen Sommertag nur fliegt.
Die doppelschwänzige Aderhafte
sich diesen Lebensraum verschaffte.
Ganz flach gedrückt so eng am Stein
da will die Strömung einmal gnädig sein.
Der wilde Wasserstrom am frischen Ort
reißt sonst Getier, treibt pausenlos es fort.
Die Aderhafte passte sich hier an.
Machte alles flach, so weit sie es nur kann.
Die Augen liegen auf dem Rücken
Die Kiemen an den Stein fast drücken.
Haarsäume lassen Wellen sanfter gleiten,
so wie sie auf den langen Beinen reiten. Weiterlesen

Schweinische Träume

SchweinSchweinische Träume

Im zweiten Schlaf hat ich den Traum,
dass mir im Bach – man glaubt es kaum –
ein rosarotes Ferkelkind
im Wellentempo sehr geschwind
ganz munter in die Arme schwamm –
triefnass ich in Empfang es nahm.
Es äugelte mich freundlich an.
Ein helles Grunzen ich vernahm.
Da war es schon um mich geschehn –
Wie sollte das nur weitergehn?
Sollt ich jetzt Schweinchenmutter werden?
Das Ferkelwohl nur nicht gefährden,
das war Devise für die Zeit,
Zur Flüchtlingshilfe war ich bereit.
Ich dachte erst: Was trinkt es nur?
H-Milch verdünnt oder doch pur? Weiterlesen

Der Freund des süßen Wassers

Wasserfreund, LimnephilusDer Freund des süßen Wassers
(Limnephilus)

Er ist der Freund vom süßen Wasser
Stammt aus der Zunft der Köcherfliegen
So beschrieb ihn einst der Artverfasser
Genauso trefflich wie gediegen.
Geschlüpft gleicht er den Schmetterlingen
Eher mottengleich mit braunem Kleid.
Doch Haare auf den Flügelschwingen
Bringen schnell Unterscheidbarkeit.
Nur ein paar Wochen währt das Leben
Des Vollinsekts im Ufersaum.
Wenn Eier unter Wasser kleben,
endet schon früh der Hochzeitstraum.

Die Larven brauchen frisches Wasser
Sind darin echte Tausendsassa.
Sie bauen gleich ein eignes Haus
Und schauen oben gern heraus.
Zum Bauen nehmen sie gern Blätter,
Machen aus Totholz alte Bretter.
Auch leere Schalen von den Schnecken
Können in Köchern kunstvoll stecken. Weiterlesen