Entfaltung

Entfaltung

Frühlingszeit
ist nicht mehr weit.
Bald geht es ans Entfalten.
Dieses Farnkrautblatt
noch eingerollt
wird sich
von Tag zu Tag
allmählich erst gestalten.
Schneckenhausähnlich
spiralisiert
sind zunächst die Blattanlagen.
Was wachsend später daraus wird,
zeigen tiefere Etagen.
Hier sind die Spreiten ausgestreckt
zeigen zarte Fiederreihen.
Jedes Blatt sich hin zum Lichte reckt.
So kann der Farn gedeihen.

Entfalten möchten sich
auch Menschen gern.
In ihnen schlummern Talente.
Dem kleinen Kind sind Zeiten fern –
unnahbar scheint die Rente.
Was jeder kann,
wie er sich zeigt,
entwickelt sich beständig.
Wozu der Mensch im Innern neigt,
wird mehr und mehr lebendig.

Entfalten möchte die Industrie
dem Gesicht die Altersfalten.
Hyaluronsäure
die bietet sie
gern weiblichen Gestalten.
Die Haut wird straff,
Jugend ewig bleibt.
So kauft man sich die Schönheit.
Kosmetikwerbung
täglich schreibt,
wie sich die schnöde Eitelkeit
mit Salben lässt entfalten.
Früher gab es echte Alte noch,
für die Naturgesetze galten.
Die Entfalteten aber
zeigen mir doch:
Mancher Mensch
fühlt sich bestraft
im Alter durch die Falten.
Kosmetik ihn dabei entlarvt –
will uns den Spiegel halten.

Im Palmenherzen

Im Palmenherzen

Im Palmenherzen brodelt ein Vulkan.
Aus der Tiefe schießt die Lava hoch.
Da hab ich mich doch glatt vertan.
Am Ende sind es Blätter doch.
Was ich dort seh, macht mich perplex.
Verworren sieht das Chaos aus.
Aus diesem bräunlichen Komplex,
da wachsen glatte Blätter raus.
Zusammengerollt, vielfach gedreht
sind sie am Anfang wie verhext.
Wenn die Entwicklung weiter geht,
aus diesem Wust dann Klarheit wächst. Weiterlesen

Ein Baum kann ziemlich schnell

Ein Baum kann ziemlich schnell

Ein Baum kann ziemlich schnell
sein Blätterkleid ausziehen.
Gestern war alles Laub noch sonnenhell,
als hätte es wohl lauter Gold geliehen.
Der Gingko steht an unseres Nachbarn Seiten.
Vor kurzem war sein Blattbehang noch grün.
Fast plötzlich änderten sich dann die Zeiten
Der ganze Baum nur noch im gelbsten Gelb erschien.
Was war das jetzt ein spätherbstliches Leuchten.
Von Blatt zu Blatt raschelte leis der Wind .
Nur stramme Windböen die scheuchten
die ersten Blätter von den Zweigen geschwind.
Dann kam zur Nacht nur kurz der Frost vorbei.
Er ließ so feines Eis zu weißer Zuckerhaut hier reifen.
Nun fühlen all die Blätter sich wie Blei
Ein leichter Hauch konnte sie vom Aste streifen. Weiterlesen

Zwei (bis drei) Welten

Zwei (bis drei) Welten

Die Sonne lacht warm in den Teich.
Es blinken Wasserlichter.
Seerosenblätter tellergleich
verschwimmen immer dichter
Die Oberfläche von dem Blatt
wird strahlend hell bebrütet.
Sie lockt den Frosch zum Sonnenbad,
der so den Tag vergütet.
Libellen himmlischblau geschmückt
verkrümmen ihre Bäuche,
bis dass das letzte Ei entrückt
gebären ihre Schläuche. Weiterlesen

Am Boden

Am Boden

Rot, gelb, grün mit schwarz vereint –
das ist gar nicht politisch gemeint.
Am Boden liegt dies Farbenspiel
als Quittenblatt mit kurzem Stiel.
Sondieren kann ich bunte Töne,
das späte Jahr kreiert das Schöne.
An die Tür klopft baldig der Advent.
Im alten Laub viel Feuer brennt.
Parteienfarben werden nicht vermischt.
Vertrauen mehr und mehr erlischt,
als dass Gemeinsames verbindet –
Erreichbares schlussendlich schwindet.
Das Blatt am Boden hat es eher leicht.
Alle Verhärtungen werden aufgeweicht.
Windbeschwingtes Leben vor dem Fall.
Vorm Tode geht`s zum Faschingsball. Weiterlesen

Zuwachs

Zuwachs

Wer jetzt gerade im April
Besonderes erleben will,
der sollte seine Augen lenken
und dem Geäst die Blicke schenken.
Im Märzen waren Bäume leer
Die Knospen drückten zwar schon schwer.
Manch Strauch, manch Busch wollte erst blühn,
vergaß zunächst noch jedes Grün.
Nur ein paar Wochen frühlingsspäter
sprießen hervor die neuen Blätter.
War Baumgestalt kalt transparent,
so wuchs ihr nun sein grünes Hemd.
Der Zuwachs war richtig enorm.
Die Sonne steigert noch die Form,
wie Blätter sich ganz rasch entfalten,
zeugt irgendwie von Urgewalten.
Denn jedem Baum tickt seine Uhr.
So klingelt pünktlich die Natur.
Sie lässt die Blätter herrlich sprießen
und neue Zweige heftig schießen.
Nicht alle blättern zur gleichen Zeit.
Manche sind februarbereit.
Letzte brauchen sogar den Mai,
bis blätterlos ist dann vorbei. Weiterlesen

Raumgreifend

P1130234Raumgreifend

Seitdem das Laub völlig losgelöst,
erscheint der Baum als Lichtgestalt.
Das Auge auf Strukturen stößt,
vom schwindend Abendrot ummalt.
Ob Pappel, Erle oder Weide
vom Stamm greift Astwerk in den Raum.
Im abgestreiften Winterkleide
zeigt sich skeletthaft jeder Baum.
Als wär das Fleisch ihm abgefallen –
nur Knochen ragen vorgestreckt –
lässt allen Lärm nun weiter schallen.
Kein Blatt den Tonmüll mehr noch schreckt.
Ein jeder Baum wächst eigene Muster,
um Sonnenstrahlen zu verdauen.
Verzweigt sich somit ganz bewusster
als Sommerkrone anzuschauen. Weiterlesen

Vergilbt

P1120658Vergilbt

Ihr Grün ist überall ihr Stolz.
Das Gemüt ist weich ohn jedes Holz.
Weil sie so hübsche Blätter spreiten,
im Leben lieben Schattenseiten,
sind sie im Garten sehr begehrt
in vielen Sorten gut vermehrt.
Ihre Heimat liegt östlich weit weg
Sie reiste einst im Handelsgepäck.
In unserer Flora kam sie an.
Die Erfolgsgeschichte dann begann.
Der Funkiensammler gibt es viele.
In der Züchtung liegen neue Ziele.
Ich finde keinen Garten mehr,
der heute noch ganz hostaleer.
Im Herbst da weicht das satte Grün.
Die Pflanze will sich nicht mehr mühen.
Sie stellt das Wachstum schließlich ein –
lässt Blätter gelb und gelber sein. Weiterlesen

Auf der Straße gelandet

P1120835Auf der Straße gelandet

Über Nacht lag es da.
Keiner weiß, wo es vorher war
Novemberfrost hat es vereist
kurz, nachdem es verreist.
Es hat nicht mehr viel vor,
seitdem es jeglichen Halt verlor
Vom Winde orientierungslos verweht
das Schicksal hier weiter geht.
Vielleicht, um in der Gosse landen?
Auch andere Blätter fanden
ihre verletzte Ruhe dort,
fuhren gemeinsam zu einem Ort,
wo sie all ihre Strukturen verlieren
beim kommunalen Kompostieren.
Vielleicht ,wenn der Wind günstig weht,
auch noch etwas anderes geht. Weiterlesen

Das letzte Blatt

BlattDas letzte Blatt

Ein Blätterjahrgang löst sich auf.
Am Boden liegt Falllaub zuhauf.
Im letzten Blatt glänzt Sonnengold,
bis es der Wind vom Aste holt.
Ist dieses Blatt hier denn ein Sieger?
Andre sind längst ja Untenlieger.
Es hat jetzt einzig überlebt –
bis eine Böe kommt und es geht.
Letzter zu sein ist oft nicht schön –
Wenn alle andren vorher gehn.
Beim Baum trauert niemand ums Blatt,
das seinen Platz verloren hat.
Das letzte Blatt sinkt ganz allein.
Das sollte vorher so nicht sein.
Als dieser Baum noch gut belaubt,
hat Windesstoß vielfach geraubt.
Da trudelten Blätter fast wie Regen.
Man konnte jeden Tag neu fegen. Weiterlesen