Immer früher Frühling

Immer früher Frühling

Als der warme Dauerregen mal Pause machte,
die letzte Januarsonne zur Mittagszeit lachte,
da öffneten sich endlich die Winterlingsblüten,
die tagelang verschlossen ihr Geheimnis noch hüteten.
Die Luft war schon seit langem fast unheimlich mild.
Vordrängende Frühlingsblüher bestimmten das Bild.
Schneeglöckchen, Schneeglanz und Krokusse zeigten
erste Blüten. Sie eröffneten winterlos nun den Reigen
der ganzen bunten Frühlingsblumenschar
in einem vom Klima so desorientierten Jahr.
Um prächtige sattgelbe Blüten tanzen gerade beschwingt
einige Zuckmücken, die fröhlich hüpfend zwischen den Lüften sind. Weiterlesen

Januarblüten

Januarblüten

Der Januar
ist längst nicht mehr das,
was er früher mal war.
Freute man sich früher
über Frost und Schnee,
ist das, was ich mitten im Winter seh,
fast für diese Zeit viel zu bunt.
Eine zartlila Lenzrose
öffnet gerade ihren Blütenmund.
Andere aus ihrer Verwandtschaft
stehen ebenfalls voll im Saft.
So treffe ich purpurne, violette Blüten,
die mir einen wunderbaren Anblick bieten. Weiterlesen

Herbstastern

Herbstastern

Als hätte die Flora letzte Farbe bunt aufgemischt,
ehe dem späten Sommer die Strahlkraft erlischt,
da tupfen Astern noch rosa, violette Töne,
erfinden spät im Jahr erneut das Schöne.
Es heißt, Abschied zu nehmen, Ernte einzubringen
Bei soviel Buntheit will das nicht leicht gelingen.
Am Blütentisch verweilen nur noch ein paar Kunden
Schwebfliegen lassen es sich noch einmal munden. Weiterlesen

Detailverliebt

Detailverliebt

Wie ich in eine Blüte blicke,
Neugierde in die Tiefe schicke,
erkenne ich oft ein Detail,
an dem betrachtend ich verweil.
Ein Bündel Fäden eng verleibt
sich an dem Blütenboden zeigt.
Kleine Körner kleben dicht gedrängt,
bis Pollen bald ins Freie sprengt.
Alle Falten sind sehr zart behaart,
was keineswegs an Schönheit spart.
Diese Blüte kommt an sich zu spät,
weil sich das Jahr zum Herbste dreht.
Kommt früh der Frost zur klaren Nacht,
wird dann der Kürbis umgebracht.

Neben der Liebe an kleinsten Dingen
muss auch der weite Blick gelingen.
Was nützt hier Freude an Pollenspendern,
wenn Klimafolgen Welten ändern. Weiterlesen

Gerbera

Gerbera

Früher fand ich diese Blumen fast zu schön,
um wahr zu sein.
Ihr Aussehen war einfach zu edel, zu fein.
Gerberen wurden gern zu Anlässen verschenkt –
oft mit Glückwunschzeilen drangehängt.
Ich liebte eher die wilden Blumen am Wiesenrain –
die sollten, frisch gepflückt, in die Vasen hinein.

Später erfuhr ich noch mehr über Gerberenpflanzen.
Das schliff noch weiter die scharfen Lanzen,
die ich gegen käuflichen Blumenschmuck trieb.
Etwas von alldem bis heute noch blieb.
Gerberen wird oft der Boden entzogen.
Aus Nährlösungen wird ihr Wachstum gesogen.
Erdiger Kontakt wird peinlichst vermieden –
aus hygienischen Gründen wohl entschieden.
Da der Stängel zu schwach, die Blüten zu halten,
muss ein starker Draht seines Amtes walten. Weiterlesen