Dezemberregen

DezemberregenDezemberregen

Nächte zehren mehr vom Tageslicht.
Kein Blatt dem nackten Zweig noch bricht.
Viel warmer Wind streicht durch die Fluren
nestelt verstreut an Herbstfallspuren.
Die Luft tiefgrau im Regenhemd
bald wieder Wasser nieder schwemmt.
Bis an den Hals ist Boden nass.
Seit Tagen quillt das Speicherfass.
Wohin ich meine Füße lenke,
da füllt sich rasch die Abdrucksenke.
Noch ist kein Ende abzusehen.
Die Wolkenleiber schwanger blähen.
Dezemberregen füllt die Bäche
verschlammt die triste Ackerfläche.
Alte Traktorspuren saufen ab
und Erde wird matschiger Papp.
Das wird wohl nichts mit weißen Flocken.
Wer kann den Winter nur vorlocken? Weiterlesen

Auf der Straße gelandet

P1120835Auf der Straße gelandet

Über Nacht lag es da.
Keiner weiß, wo es vorher war
Novemberfrost hat es vereist
kurz, nachdem es verreist.
Es hat nicht mehr viel vor,
seitdem es jeglichen Halt verlor
Vom Winde orientierungslos verweht
das Schicksal hier weiter geht.
Vielleicht, um in der Gosse landen?
Auch andere Blätter fanden
ihre verletzte Ruhe dort,
fuhren gemeinsam zu einem Ort,
wo sie all ihre Strukturen verlieren
beim kommunalen Kompostieren.
Vielleicht ,wenn der Wind günstig weht,
auch noch etwas anderes geht. Weiterlesen

Vom Maise befreit…

P1030882Vom Maise befreit…

Vom Maise befreit sind Ackerflächen,
des Häckslers Maul wollte sie alle.
Scharfe Zähne reife Kolben zerbrechen
Es kaut die Ernte bald das Vieh im Stalle.
Der Mais stand einsam oft mit sich geklont.
Kein Gesellschaftspflänzchen fand bei ihm Asyl.
Vorm Herbizid blieb keines hier verschont –
Die brachte Bauer mehrfach fies ins Spiel.
Der heiße Sommer stieß die geilen Pflanzen
in neue Höhen – düngerhochgedopt.
Am Acker selten Mücken glücklich tanzen.
Der Wertschöpfer nur gern den Zuwachs lobt.
Vom Pflanzenleib bleiben nur Strünke stehen –
multipel zerfetzt durch kalten Messerschnitt .
Oh Wunder –
jetzt kann man wieder die Landschaft sehen! Weiterlesen

Milbenrätsel

BodenmilbeMilbenrätsel

Heute stöber ich mal wieder im Filmarchiv.
Die Lebensgeister, die ich damals aus dem Boden rief,
kehren augenblicklich wie frisch zurück –
Ich hatte so viel Sammlerglück.
Bodenproben aus Wald, Wiese und Feld
habe ich unter die Berlese-Apparatur gestellt.
Wärme wie Trockenheit zwingen die Tiere zur Flucht.
Jeder sein Glück in der Auswanderung sucht.
Sie plumpsten allesamt in die Auffangbehälter.
Da war es schön feucht und auch etwas kälter.
Anschließend wurden die Akteure im Film dokumentiert,
damit man ihre Spuren bloß nicht verliert.
Was ich seit vielen Jahren vergrößert sehe,
was ich an neuen Arten mir erspähe,
hat mich oft vor große Rätsel gesetzt:
mein Unwissen hat immer wieder verletzt.
Vor allem die klitzekleinen Milbengesellen
wollten mich immer stets auf die Probe stellen.
Hatte ich irgendeine Ahnung, wer sie wohl sind?
War ich – wie sie selbst – mit beiden Augen nur blind? Weiterlesen

Krebse auf dem Holzweg

KellerasselnKrebse auf dem Holzweg

Was machen Krebse nur im Wald?
Sie lieben Wasser warm und kalt.
Ich finde sie an allen Küsten,
wo sie mit Scheren arg sich brüsten.
Auch Tümpel, Weiher das sind Stellen,
da schweben Krebse durch die Wellen.
Ob Hüpferling, ob Wasserfloh
sie schwimmen dort und sind sehr froh.
Doch auch im Wald am Fuß von Buchen
kann ich sehr viele Krebse suchen.
Dem Meer kehrten sie einst den Rücken
wollten an Land die Welt beglücken.
Sie wohnen gern in feuchter Erde
im Falllaub, Totholz hockt die Herde
von Kellerasseln dicht an dicht.
Sie scheuen nur das grelle Licht.
Morsches ist ihre Lieblingsspeise.
Im Asselmagen beginnt die Reise
vom Pflanzenrest zum Humus hin. Weiterlesen

Ein Haufen Holz

HolzhaufenEin Haufen Holz

Im Wald da liegt ein Haufen Holz.
Der Besitzer ist wohl mächtig stolz.
Als Nutzholz war es ohne Wert,
weil krummes Wachstum es entehrt.
Kein Mensch wollte es warm verbrennen.
Es lernte keine Spaltaxt kennen.
Mann schob es einfach hoch zum Haufen
und ließ das Schicksal beißend laufen.
Am toten Holz klebt grünstes Moos.
Die Rinde bröckelt sterbend bloß.
Wer hier sein Auge offen hält,
sich diesem Haufen näher stellt,
der wird letztendlich nur noch staunen
über den Boden beglückende Faunen.
Da ist der an sich morbide Ast
alles andere als eine Last
für diesen schönen Buchenwald.
Im toten Holz explodiert recht bald
ein wirres Leben – unbemerkt,
das alles fördert und bestärkt. Weiterlesen

Bodenzersetzungsorchester

Ringelwürmer 098Bodenzersetzungsorchester

Damit unsere Erde immer fruchtbar sei –
Ein Wonnemonat erblühet im Mai,
damit uns der Herbst mit Früchten beschenkt,
muss Boden zersetzen – uneingeschränkt.
Was das Erdreich in dunkler Stille vollbringt,
bleibt nahezu unfassbar, weshalb es uns zwingt,
diese unglaubliche Leistung erdlich zu begreifen,
damit späte Einsichten hoffentlich noch reifen,
wie wir mit diesem so perfektem System
zukünftig nachhaltig sorgsam umgehn.
Ein Bodenorchester spielt das Lied vom Leben.
Alle Zersetzer wollen ihren Beitrag geben.
Sie spielen die Ode ohne Pause synchron.
Die Melodie der Zersetzung die kennen sie schon:
von den Anfängen der Erde, von der Bodengeburt –
das Orchester auf allen Erdteilen tourt.
Wer macht die Musik im dunklen Milieu? –
Akteure, die ich erdhaftig kaum seh.
Da sind die Bakterien in unglaublicher Zahl.
Ihrer Gesichter sind oft mikroskopisch egal.
Doch im Wirken sind sie fein ausdifferenziert.
Ein jedes hat seine Rolle studiert.
Sie bringen Moleküle zu Nährstoffen zurück –
sind für den Boden wohl das größte Glück. Weiterlesen