Das alte Blatt

Ein altes Blatt

Ein altes Blatt wehte der Wind
so ganz geschwind
ins Haus hinein.
Es sollte so sein.
Da lag es nun ganz regungslos
Kein Hauch gab ihm einen weiteren Stoß,
um durch die Welt zu treiben,
mit anderen Blättern sich zu reiben.
Was mach ich mit dem Blatt?
Findet der Abtransport jetzt statt?
Werfe ich das welke, braune Stück
in die Außenwelt einfach zurück?
Es kann so nicht liegen bleiben.
Wir beide müssen voneinander scheiden.
Hier bleibst du einfach unschöner Schmutz.
Der nächste Zimmerputz
wird dich abfällig bald entsorgen.
Dir bleibt kaum Zeit bis morgen.

Wenn ich dich in den Garten bringe,
verändern sich schnell viele Dinge. Weiterlesen

Voller Flecken

p1170323Voller Flecken

Flecken
zu entdecken
bringt oft Schrecken:
denn sie erwecken
den Eindruck fehlender Pflege.
Sind die sichtbaren Belege.
Hier ist nicht mehr alles rein
wie auf diesem Stein.
Orange, schwarz oder fast weiß –
die Sonne strahlt ziemlich heiß –
auf diesen kalkigen Brocken,
auf dem die Flecken hocken.
Es fehlt nicht an Reinlichkeit.
Jeder Flecken lebt Lebendigkeit.
Krustige Flechten wohnen
in eher zufälligen Zonen
auf der Wetterseite im Licht
und regen sich nicht.
Ganz langsam wächst jedes Gebilde.
entbehrt das Wilde,
sein Wachstum irgendwie spontan
fängt im Flecken an. Weiterlesen

Dem Erdboden gleich machen

P1130594Dem Erdboden gleich machen

Alles dem Erdboden gleich machen,
zeugt oft von purer Zerstörungswut.
Leider sind es nicht immer nur leblose Sachen.
Zwischen den Trümmern fließt manchmal auch Blut.
Hier wird nur ein altes Haus abgebrochen.
Es stand längst leer und war lange verwaist.
Das Steinwerk liegt da wie tote Knochen.
Der Bagger am Ende alles niederreißt.
Ein Haufen Schutt den Boden bedeckt.
Er bleibt dort kaum länger liegen.
Der Schaufelmund sich zum Kipper reckt.
Der wird bald tonnenschwer wiegen.
Dem Erdboden gleich – das ist bald geschafft.
Nichts bleibt von dem Bau noch bestehen.
Im Boden eine tiefe Lücke klafft.
Heut Frühlingswinde hier wehen.

Dem Erdboden gleich machen – ist eigentlich so gut.
Schaue ich tief in den wilden Wald hinein –
was sich dort alles in der dünnen Erdenhaut tut,
bewegt 4,6,8 ja tausendfach das Bein.
Dem Erdboden gleich machen –
das ist eine unendliche Humusgeschichte. Weiterlesen

Lithographie

FlechtenLithographie

Überall, wo Felsen brechen,
wo Gestein in Stücke reißt,
zeigen sich erst raue Flächen.
Leben auf Granit hier beißt.
Endlos Jahre müssen streichen –
Wind und Wetter helfen mit –
Bis Gestein lässt sich erweichen.
Das ist irgendwann der Schritt
Hin zu der Lebendigkeit.
Auf den Felsen wachsen Flecken –
Erst nur eine Winzigkeit –
Bis sie sichtbar Flächen decken,
da vergeht noch ewig Zeit.
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