Winterblues

Maisfeld

Winterblues

Kaum toter könnt
Ein Acker blicken –
Maistorsen mehr
Und mehr ersticken.
Im schneegeweissten Tuch –
Da liegt ein Schöpfungsfluch
Über abgeschnittenen Stümpfen
Gleichwie entlebten Rümpfen.
So wie sie kurz nur ragen,
So wollen sie uns sagen,
Dass nur noch Faserreste
Sind stumme Bodengäste.
Endlos erscheinen Reihen
Maisreste sie verleihen
Ein Bild vom Massengrab,
Weil hier so manches starb. Weiterlesen

Bodenentwertungen

Waldbodennatur

Bodenentwertung

Was war früher in manchem Boden doch los?
Das Gewimmel darin einfach famos.
Was geschah denn dann bloß –
Wenn der Schaden so groß?
Ganz üppig reiches Bodenleben
Hat es früher überall gegeben.
In der Streuschicht vom uralten Wald
Da wurde das Falllaub selten sehr alt.
Unzählig wuselte das Geziefer
Im Boden – mal flach und auch mal tiefer.
Springschwanz, Milbe, Käfer und Schnecke
Hausten gemein in der Bodendecke.
Kleine wie große Würmerleiber
Fehlen jetzt nur noch dem Verseschreiber.
Im Grunde war Boden Lebendigkeit
Humus lieferte Fruchtbarkeit. Weiterlesen

Vom Acker

Vom Acker

Frisch gepflügt liegt hier ein Acker
Boden gleichsam fein geeggt
So ein Traktor schafft das wacker –
Zeigt weithin, was in ihm steckt.
Wunderschöne zarte Rillen
Schmücken grad die Erdenhaut –
Nach des Landwirts besten Willen
Bodenpflege so ausschaut.
In die lockre Bodenkrume
wurde Gerstenkorn gesät.
Auf dem Feld wächst keine Blume,
Weil nur der Ertrag hier zählt.
Überall ruht glatt die Erde.
Kultiviert erscheint uns schön.
Dass das Korn erhaben werde,
wirkt pervers und sehr obszön.
Wo blieb nur die Erdenhaut,
in der reichlich Leben wohnte?
Ackerkrume tot ausschaut,
Seit sie Edaphon entthronte.
Böden sind nur noch Substrate –
Ganz entleibt und einsam leer.
Keiner wird für sie mehr Pate –
Kümmerer gibt es nicht mehr.
Zurück bleibt hier die Ackerfläche,
die fachlich gute Praxis zeigt.
Wenn ich erzürnt
Ins  Erdreich steche,
Keines Wurmes Seel
gen Himmel steigt.

…hat Boden gut gemacht …

….konnte wieder Boden gut machen!

In den Abendnachrichten hörte ich es:

Im letzten Fernsehduell konnte Obama
Wieder etwas an Boden gut machen.
Das Aufeinandertreffen wurde fast Drama
Der Punktsieger konnte gut lachen.
Leider hat gestern Mister Präsident
Dabei kein bisschen Boden gut gemacht.
Denn, was das Sprichwort so benennt,
hat für die Erde wenig Glück gebracht.
Wenn Obama weiter so an Boden gewinnt,
Kann er im Präsidentenamt bleiben.
Zur Zeit lässt er sich nicht mehr vom Wind
Der Opposition in die Enge treiben.
Boden gut machen – das ist so schwer.
Wir verbrauchen ihn für unsre Zwecke.
Wir nehmen Beton und reichlich Teer
Und versiegeln die vorletzte Ecke.
Boden gut machen – wie soll das gehen?
Können wir ihm Leben schenken?
Wenn wir solch Bodenelend sehen,
müssen wir auch gegenlenken.
Wer kann schon sagen, dass er ganz viel
an Erdenboden hat gut gemacht.
Die Menschheit führt ein Räuberspiel
Hat dem Boden Not und Leid gebracht.
Welcher Schöpfer einst erschuf die Welt?-
Der war – gottlob – dem Boden immer gut.
Doch dass der Mensch Boden erhält,
liegt scheinbar kaum in seinem Blut.
So bleibt am Ende dass Sprichwort nur:
„Er machte wieder Boden gut“
Von Bodenschutz fehlt jede Spur –
Das macht der Erde wenig Mut.

Bodenlose

Bodenlose

Mancher Boden – großer Gott –
liefert nur noch Gnadenbrot.
Mancher Boden, wie man sieht,
verschwindet unterm Baugebiet.
Mancher Boden Regenschauer
macht die Krume ziemlich sauer.
Mancher Boden ist versifft,
steckt bis oben voller Gift.
Mancher Boden ist missglückt
Tonnenschwer fest plattgedrückt.
Mancher Boden wird begast;
Denn Schädlinge sind sehr verhasst.
Mancher Boden wird erhitzt,
Bis jeder Keim zu Tode schwitzt.
Mancher Boden wird gemischt,
bis jede Eigenart erlischt.
Mancher Boden wird verbracht –
Lärmschutzwälle man draus macht.
Mancher Boden wird verziegelt,
asphaltiert, total versiegelt.
Manchen Boden kann man kaufen,
liegt schon lange auf dem Haufen.
Manchen Boden braucht man nicht mehr.
Nährlösungen müssen dann her.
Mancher Boden, den du hast,
ist gefährlich: Alte Last.
Mancher Boden der ist nur
Karussell für Konjunktur.
Mancher Boden wird gepflegt,
bis gar nichts mehr sich in ihm regt.
Mancher Boden wird geklaut
Und anderswo dann eingebaut.
Mancher Boden schluckt mit Fülle
Seit Jahren schon die braune Gülle.
Mancher Boden wird zerpflügt
Und diese Ordnung ziemlich trügt.
Mancher Boden der bleibt nackt,
weil Pflanzenleiber abgehackt.
Mancher Boden gilt als Dreck –
Muss als Abfall einfach weg.
Mancher Boden scheint zu schmächtig.
Aufgeputscht wächst es dann prächtig.
Mancher Boden – welch Ironie –
Funktioniert erst dank Chemie.
Manche Bodenillusionen
Schwimmen fort per Erosionen.
Mancher Boden ist nur Grab,
von allem, was einst oben lag.
Doch mancher Boden zeigt Profil –
Bietet pedologisch viel.
Mancher Boden der lebt munter.
Viel Gewürm kriecht rauf und runter.
Mancher Boden herrlich duftet,
weil Natur im Dunklen schuftet.
Mancher Boden bleibt gesund –
Manch andrer kam längst auf den Hund.
Im Garten blüht die erste Rose
verwurzelt fest im Erdenschoße.

Bodenkämpfe

Bodenkämpfe

Das Schlachtfeld scheint unendlich groß.
Es liegt vor uns am Boden.
Um diesem weiten Erdenschoß
Kämpfen die Antipoden.
Die Wirtschaft fordert Flächen mehr –
kann Wachstum damit kaufen.
Die Landwirtschaft will dem Verzehr
Entrüstet gegen laufen.
Der Bodenfraß setzt sich so fort,
weil Menschheit das verrichtet.
Manch grün vitaler Lebensort
Wird baulich rasch vernichtet.
Bauern beklagen den Verlust
kämpfen für ihre Scholle.
Mit lautem Ton und reichlich Frust
Spielen sie ihre Rolle.
Sie brauchen Boden – mehr denn je:
Denn Mais soll mächtig schießen.
Sie liefern Strom für RWE.
Rendite damit sprießen.
Die Bullen fressen auch nicht schlecht –
Das nötigt reichlich Futter.
Subventioniert nach EU-Recht –
Prämien für Milch und Butter.
So wird der Kampf um Boden hart.
Den treffen nur noch Leiden.
Versiegelung ihm nur erspart
Nitrat und Pfluges Schneiden.
Verloren ist der Bodenkampf
An beiden diesen Fronten.
Die Konjunktur macht weiter Dampf –
Gewinner sind nur Konten.
Der Mensch verliert an Boden sehr.
Er gräbt beide zu Grabe.
Natur zieht er aus dem Verkehr
Schöpfung nimmt er die Farbe.

Eine Hand voll Boden

Eine Hand voll Boden

Eine Hand voll Boden, die ist unendlich alt.
Eine Hand voll Boden ist dunkel, feucht und kalt.

Eine Hand voll Boden fällt selten ins Gewicht.
Eine Hand voll Boden, die interessiert wohl nicht.

Eine Hand voll Boden, die bläst der Wind leicht fort.
Für eine Hand voll Boden gibt es kein liebes Wort.

Eine Hand voll Boden beachten Menschen kaum.
Eine Hand voll Boden ernährt noch keinen Baum.

Eine Hand voll Boden kann so lebendig sein.
Eine Hand voll Boden da blickt kein Mensch hinein.

Eine Hand voll Boden hat Humus in Natur.
Eine Hand voll Boden schenkt Gegenwart und Futur.

Eine Hand voll Boden bleibt Teil von dieser Welt.
In einer Hand voll Boden steckt mehr als Ruhm und Geld.

Eine Hand voll Boden belebt ein Samenkorn.
In einer Hand voll Boden wird vieles noch geborn.

Eine Hand voll Boden gleicht einer Gottes Hand.
In einer Hand voll Boden steckt mehr als Ton und Sand.

Eine Hand voll Boden erzählt von Erdgeschichten.
Eine Hand voll Erde lässt sich so schnell vernichten.

Eine Hand voll Boden nur etwas besser achten –
Wenn das nur alle Menschen ab morgen doch nur machten!

In einer Hand voll Boden haucht nur ein wenig Leben.
Eine Hand voll Boden will das uns aber geben.