Gerhard Laukötter's Blog

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Eisprimula Der frühlingshafte, irritierende, Wachstum stimulierende Spätherbst ließ Primeln Blüten wecken. In grünen Blätterherzen stecken vorwitzig Knospenspitzen lassen bunte Farbsäume blitzen. Etwas mehr der Frühwintersonne steigert noch die Öffnungswonne. Blüten erfreuen zu jeglicher Zeit. Ihr farbiges Kronenblätterkleid will zur Liebe verführerisch locken. Die Primel beginnt zu zocken. Wenn die Wetterstimmung froh bleibt, ja dann erlebt diese Pflanze eine Dezemberblühchance.

Verrückte Weihnacht Dieses Jahr ist alles besonders verrückt. Wir werden zu Weihnachten mit Frühling beglückt. Wenn am Heiligen Abend die Knospen aufspringen, können wir Maienlieder mit Inbrunst singen. Auf idyllischen Schnee brauchen wir nicht zu verzichten. Die Werbung lässt schöne Flocken verdichten. Seit ein paar Tagen ist es am Wegrand blütenweiß Taubnesseln erstrahlen dort im geselligen Kreis. Überall leuchten Blumengesichter voller Freude und lustvolle Vögel suchen Nistgebäude. Selbst die Bienen als konsequente… Weiterlesen

Raumgreifend Seitdem das Laub völlig losgelöst, erscheint der Baum als Lichtgestalt. Das Auge auf Strukturen stößt, vom schwindend Abendrot ummalt. Ob Pappel, Erle oder Weide vom Stamm greift Astwerk in den Raum. Im abgestreiften Winterkleide zeigt sich skeletthaft jeder Baum. Als wär das Fleisch ihm abgefallen – nur Knochen ragen vorgestreckt – lässt allen Lärm nun weiter schallen. Kein Blatt den Tonmüll mehr noch schreckt. Ein jeder Baum wächst eigene Muster, um… Weiterlesen

Dezemberregen Nächte zehren mehr vom Tageslicht. Kein Blatt dem nackten Zweig noch bricht. Viel warmer Wind streicht durch die Fluren nestelt verstreut an Herbstfallspuren. Die Luft tiefgrau im Regenhemd bald wieder Wasser nieder schwemmt. Bis an den Hals ist Boden nass. Seit Tagen quillt das Speicherfass. Wohin ich meine Füße lenke, da füllt sich rasch die Abdrucksenke. Noch ist kein Ende abzusehen. Die Wolkenleiber schwanger blähen. Dezemberregen füllt die Bäche verschlammt die… Weiterlesen

Zerrissen Ein alter Weidepfahl in sich zerrissen – spaltet sich bald wohl selbst entzwei. Sein Faserwerk so tief gesplissen Standfestigkeit ist längst vorbei. Seine Jahresringe arg zerklüftet – manch Höhle klafft lichtleer zum Grund. Der Zeitverbund sich spröde lüftet. Leicht frostig küsst die Morgenstund. Wie faltig schaut das Holzgesicht nach vielen rauen Wetterjahren. Der stärkste Kern inmitten bricht – wo einst die größten Kräfte waren. Ein jedes Jahr zeugt neuen Ring Der… Weiterlesen

Zwischen den Jahren Weihnachten hat seinen Scheitelpunkt verlassen. Das nervöse Geleut an den Ladenkassen Beginnt zu verstummen. Die Kunden sind wie immer die Dummen. Erneut wieder mal hereingefallen – Penetrante Werbung erzeugt Besitztumsgefallen. Über Nacht wird Weihnachtsgebäck zum Ladenhüter. Die zu früh strapazierten Magengemüter Beschweren sich seit vielen Wochen mit Frust über Spekulatius, Printen und Stollenfresslust. Vieles zum Ende verschleudert im Preis, weil jeder Billigkunde längst weiß: der Gewinn ist schon früh… Weiterlesen

Candel in the night Im Kerzenlicht Es ist schon eine wunderbare Gabe, dass durch die Kunst der Bienenwabe das Wachs kam in die dunkle Welt. Es hat fortan die Nacht erhellt. Die Biene schuf für ihre Brut Einen Baustoff – der unendlich gut. Das Wachs hat beste Eigenschaften Lässt Wassertropfen nicht mal haften. Dazu entströmt ihm feinster Duft, der wohlig würzt in Räumen Luft. Der Mensch nahm dieses Wachs zur Hand. Die… Weiterlesen

Drei Spatzen Drei Spatzen sitzen hoch im Baum Schauen von dort in meinen Raum. Sie hüpfen schnell von Ast zu Ast Der Ginkgo bietet kurze Rast. Als sie mich dann entdecken, ereilt sie Furcht und Schrecken. Im Augenblick, vielleicht im Nu Da hat der Baum wieder die Ruh. Die Spatzen sind rasch weggeflogen. Ein neues Ziel hat sie bewogen, den Platz hier plötzlich auszutauschen. Die Flügelfedern dabei rauschen. Drei Spatzen flattern im… Weiterlesen

Ein kalter Wind So grauenvoll dies Wolkenmeer Am Himmel jagt es wasserschwer. Ein kalter Wind fegt mein Gesicht Dezembermorgen ohne Licht. Wohin ich blicke, wirkt es Leer Das nasse Laub am Straßenteer Hat seine Ruhe dort gefunden. Brennnesselruten rau zerschunden Das letzte Blattgrün angefroren Zeigt hässlich welke schwarze Ohren Ein gräsern Kraut ganz ausgebleicht Nur Lebensferne aus sich zeigt. Der Wind bringt Wasser wilde Wellen Die Wegespfützen werden Stellen, Wo Springfluten im… Weiterlesen

Zwei Früchte im Gefängnis Zwei Früchte im Gefängnis Leuchten dort kirschenrot. Ich bring sie in Bedrängnis Durch meine Naschsuchtnot. Wie Lampions umkleiden Hüllen die süße Frucht. Sollen Genuss vermeiden Für den, der es versucht. Das Ziel doch zu erreichen, fällt später sichtbar leicht. Natur setzt bald ein Zeichen. Der Mantel zart erweicht. Die Haut beginnt zu schwinden Zurück bleibt nur Gerüst