Eisprimula

p1170571Eisprimula

Der frühlingshafte, irritierende,
Wachstum stimulierende
Spätherbst ließ Primeln Blüten wecken.
In grünen Blätterherzen stecken
vorwitzig Knospenspitzen
lassen bunte Farbsäume blitzen.
Etwas mehr der Frühwintersonne
steigert noch die Öffnungswonne.
Blüten erfreuen zu jeglicher Zeit.
Ihr farbiges Kronenblätterkleid
will zur Liebe verführerisch locken.
Die Primel beginnt zu zocken.
Wenn die Wetterstimmung froh bleibt,
ja dann erlebt diese Pflanze
eine Dezemberblühchance. Weiterlesen

Verrückte Weihnacht

P1130336Verrückte Weihnacht

Dieses Jahr ist alles besonders verrückt.
Wir werden zu Weihnachten mit Frühling beglückt.
Wenn am Heiligen Abend die Knospen aufspringen,
können wir Maienlieder mit Inbrunst singen.
Auf idyllischen Schnee brauchen wir nicht zu verzichten.
Die Werbung lässt schöne Flocken verdichten.
Seit ein paar Tagen ist es am Wegrand blütenweiß
Taubnesseln erstrahlen dort im geselligen Kreis.
Überall leuchten Blumengesichter voller Freude
und lustvolle Vögel suchen Nistgebäude.
Selbst die Bienen als konsequente Winterschläfer
sind wieder munter wie Fliegen und Käfer.
Die Hühner im Stall legen wieder viele Eier.
Wir färben sie bunt zur Weihnachtsfeier.
Ein Dezember so warm wie seit ewigen Zeiten –
wer will, kann über die Ursachen streiten. Weiterlesen

Raumgreifend

P1130234Raumgreifend

Seitdem das Laub völlig losgelöst,
erscheint der Baum als Lichtgestalt.
Das Auge auf Strukturen stößt,
vom schwindend Abendrot ummalt.
Ob Pappel, Erle oder Weide
vom Stamm greift Astwerk in den Raum.
Im abgestreiften Winterkleide
zeigt sich skeletthaft jeder Baum.
Als wär das Fleisch ihm abgefallen –
nur Knochen ragen vorgestreckt –
lässt allen Lärm nun weiter schallen.
Kein Blatt den Tonmüll mehr noch schreckt.
Ein jeder Baum wächst eigene Muster,
um Sonnenstrahlen zu verdauen.
Verzweigt sich somit ganz bewusster
als Sommerkrone anzuschauen. Weiterlesen

Dezemberregen

DezemberregenDezemberregen

Nächte zehren mehr vom Tageslicht.
Kein Blatt dem nackten Zweig noch bricht.
Viel warmer Wind streicht durch die Fluren
nestelt verstreut an Herbstfallspuren.
Die Luft tiefgrau im Regenhemd
bald wieder Wasser nieder schwemmt.
Bis an den Hals ist Boden nass.
Seit Tagen quillt das Speicherfass.
Wohin ich meine Füße lenke,
da füllt sich rasch die Abdrucksenke.
Noch ist kein Ende abzusehen.
Die Wolkenleiber schwanger blähen.
Dezemberregen füllt die Bäche
verschlammt die triste Ackerfläche.
Alte Traktorspuren saufen ab
und Erde wird matschiger Papp.
Das wird wohl nichts mit weißen Flocken.
Wer kann den Winter nur vorlocken? Weiterlesen

Zerrissen

P1130190Zerrissen

Ein alter Weidepfahl in sich zerrissen –
spaltet sich bald wohl selbst entzwei.
Sein Faserwerk so tief gesplissen
Standfestigkeit ist längst vorbei.
Seine Jahresringe arg zerklüftet –
manch Höhle klafft lichtleer zum Grund.
Der Zeitverbund sich spröde lüftet.
Leicht frostig küsst die Morgenstund.
Wie faltig schaut das Holzgesicht
nach vielen rauen Wetterjahren.
Der stärkste Kern inmitten bricht –
wo einst die größten Kräfte waren.
Ein jedes Jahr zeugt neuen Ring
Der Baum fügt Holz zum festen Stamm.
Als dann die Zeit als Pfahl anfing,
Zerrissenheit zum Ende kam.

Zerrissen sind auch oft Gefühle.
Doch Alter ist hier nicht im Spiel
Verrückt werden im Herzen Stühle
Es ändert sich der Wege Ziel. Weiterlesen

Zwischen den Jahren

WeidepfahlZwischen den Jahren

Weihnachten hat seinen Scheitelpunkt verlassen.
Das nervöse Geleut an den Ladenkassen
Beginnt zu verstummen.
Die Kunden sind wie immer die Dummen.
Erneut wieder mal hereingefallen –
Penetrante Werbung erzeugt Besitztumsgefallen.
Über Nacht wird Weihnachtsgebäck zum Ladenhüter.
Die zu früh strapazierten Magengemüter
Beschweren sich seit vielen Wochen mit Frust
über Spekulatius, Printen und Stollenfresslust.
Vieles zum Ende verschleudert im Preis,
weil jeder Billigkunde längst weiß:
der Gewinn ist schon früh und reichlich gemacht –
Weit bevor die Glocken läuten zur heiligen Nacht.
In nächster Nähe wartet nun ein Neues Jahr.
Dass sich nichts ändert, ist wohl die größte Gefahr. Weiterlesen

Candel in the night – Im Kerzenlicht

KerzenlichtCandel in the night
Im Kerzenlicht

Es ist schon eine wunderbare Gabe,
dass durch die Kunst der Bienenwabe
das Wachs kam in die dunkle Welt.
Es hat fortan die Nacht erhellt.
Die Biene schuf für ihre Brut
Einen Baustoff – der unendlich gut.
Das Wachs hat beste Eigenschaften
Lässt Wassertropfen nicht mal haften.
Dazu entströmt ihm feinster Duft,
der wohlig würzt in Räumen Luft.
Der Mensch nahm dieses Wachs zur Hand.
Die Kerze er damit erfand.
Ein Docht aus festem Fadenbund –
Ein wächsern Körper schlank und rund –
Dann braucht es nur noch Funkenflug,
der Feuer bis zur Kerze trug.
Der Docht brannte schön lichterloh –
Die Flamme flattert bunt und froh.
Bei jedem leichten Atemhauch
Da hüpfte stets das Lichtlein auch. Weiterlesen

Drei Spatzen

SpatzentrioDrei Spatzen

Drei Spatzen sitzen hoch im Baum
Schauen von dort in meinen Raum.
Sie hüpfen schnell von Ast zu Ast
Der Ginkgo bietet kurze Rast.
Als sie mich dann entdecken,
ereilt sie Furcht und Schrecken.
Im Augenblick, vielleicht im Nu
Da hat der Baum wieder die Ruh.
Die Spatzen sind rasch weggeflogen.
Ein neues Ziel hat sie bewogen,
den Platz hier plötzlich auszutauschen.
Die Flügelfedern dabei rauschen.
Drei Spatzen flattern im Advent,
derweil die dritte Kerze brennt. Weiterlesen

Der kalte Wind

DezemberwolkenEin kalter Wind

So grauenvoll dies Wolkenmeer
Am Himmel jagt es wasserschwer.
Ein kalter Wind fegt mein Gesicht
Dezembermorgen ohne Licht.
Wohin ich blicke, wirkt es Leer
Das nasse Laub am Straßenteer
Hat seine Ruhe dort gefunden.
Brennnesselruten rau zerschunden
Das letzte Blattgrün angefroren
Zeigt hässlich welke schwarze Ohren
Ein gräsern Kraut ganz ausgebleicht
Nur Lebensferne aus sich zeigt.
Der Wind bringt Wasser wilde Wellen
Die Wegespfützen werden Stellen,
Wo Springfluten im Nu entstehn
Und in der Flaute schnell vergehn. Weiterlesen

Zwei Früchte im Gefängnis

PhysalisZwei Früchte im Gefängnis

Zwei Früchte im Gefängnis
Leuchten dort kirschenrot.
Ich bring sie in Bedrängnis
Durch meine Naschsuchtnot.
Wie Lampions umkleiden
Hüllen die süße Frucht.
Sollen Genuss vermeiden
Für den, der es versucht.
Das Ziel doch zu erreichen,
fällt später sichtbar leicht.
Natur setzt bald ein Zeichen.
Der Mantel zart erweicht.
Die Haut beginnt zu schwinden
Zurück bleibt nur Gerüst Weiterlesen