Mein erster Ball – vor 60 Jahren

P1140055Mein erster Ball – vor 60 Jahren

Damals musste ich noch streng katholisch sein.
Die Erstkommunion besaß fast einen Heiligenschein.
Als kleiner Knirps fieberte ich hin zu diesem Tag –
Ungeheures, Aufregendes in der Maienluft lag.
Die kirchliche Prozedur war sorgfältigst einstudiert
Der tiefblaue Anzug saß gut, am Revers war Schmuck drapiert.
Nach eineinhalb Stunden gab es den befreienden Segen.
Es ging schnell nach Hause – der vielen Gäste wegen.
Eine Kochfrau sorgte für ein reichgutes Festtagsessen.
Jede Familie musste sich da mit den anderen messen.
Und dann gab es für das Kommunionkind ja noch die Geschenke:
Wenn ich mich so erinnere und sorgfältig denke,
habe ich wohl über 20 Topfblumen entgegengenommen
meist mit einem Brief mit besten Wünschen, meist überfrommen.
Dass ich mit acht Jahren schon solch ein Zimmerpflanzenfreund war,
das wurde mir an dem Feiertag eigentlich immer noch nicht klar. Weiterlesen

Heimweh

Dunkles Licht

Heimweh

„Und alle haben geschwiegen“
Düstere Zeiten fliegen
als Film uns im TV zurück –
Böse Schatten auf kindlichem Glück.
Als kleiner Junge spielte ich
In Trümmern abenteuerlich.
Für Spielzeug fehlte oft das Geld
Erlebnisreich war für mich Welt.
Mit vier ging es zum Kindergarten –
Wo meine Freunde auf mich warteten.
Die Kindheit blieb für mich recht froh –
Denn Eltern waren selten roh.
Gelegentlich konnt ich vernehmen,
dass Kinder, die sich nicht benehmen,
in Erziehungsheime kamen
oft mit christlich frommen Namen.
Wer ins Heim kam, der verschwand
Aus dem Familienverband.
Was an Schlimmen dort geschehen,
konnte man im Filme sehen.
Seelen wurden hart geschlagen –
Jede Woche an sieben Tagen.
Erziehung war nur bloße Macht
In Gottes Namen ausgedacht.
Was dort passierte hinter Mauern,
das lässt zu spät uns noch erschauern.
So viele Heime taten weh
Wenn ich auf Menschenrechte seh,
sind Kinderleben so zerstört,
dass Ängstlichsein wohl nie aufhört.
Wie sollen solche Menschen lieben,
denen Gefühle ausgetrieben?
Wenn wir als Kinder ungezogen
Frech antworteten, dabei noch logen,
dann drohten Eltern in der Not
mit Kinderheim bei kargem Brot.
Doch Schläge im Namen des Herrn –
Das war für sie unendlich fern.
Das Leid in Heimen
tat vielen so weh.
Manch Schicksal lebt
heut in der Näh.