Losing my religion

P1130946Losing my religion

Als wehrloses Kind
legte man mir allzu früh
den lieben Gott
ins unreife Hirn.
Schablonenhaft
wurde um mich herum gebetet
insbesondere zur guten Nacht
dann gab es meist noch
ein Kreuzzeichen auf die Stirn.
In der Volkschule regierte Religion
als ein ernstes Unterrichtsfach.
Schlechte Noten in der Glaubenslehre
brachten unweigerlich Ungemach.
Als Höhepunkt der frühen Jugendzeit
galt der Empfang der heiligen Kommunion –
gleichzeitig ein pompöses Familienfest:
religiöser Gehorsam schenkte mir reichlichen Lohn.
Damit der Glaube noch mehr gefestigt,
spendete man mir
später noch ein Firmungssakrament.
Manch junger Mensch bekleidete da
bereits ein empfohlenes Kirchenamt.
Jeder demütige Messdiener kannte
bald die gesamte Liturgie.
Messlatein wurde auswendig gelernt -.
am Altar synchron gemurmelt irgendwie. Weiterlesen

Nur ein Schmuckkästchen?

ElfenbeinNur ein Schmuckkästchen?

Seit gestern ist es in meinen Besitz gekommen.
Ich habe es von einem Trödeltisch frühmorgens mitgenommen
Es war feinzierlich und schmeichelnd gelbweiß.
Beim seinem Kauf wurde mir im Innern ein wenig heiß.
Das kleine Kästchen, was mein Interesse so abrupt fand,
war früher Mal ein Teil von einem Zahn vom Elefant.
Durfte ein überzeugter Artenschützer so etwas kaufen,
das sämtliche Prinzipien wirft über den Haufen?
Das Stück war antik, schien auch wohl richtig alt –
da bleiben Schutzgesetze immer ziemlich kalt.
Wie damals dies Elfenbein den Weg zum Schnitzer fand,
das bleibt wohl für immer im Trüben und unbekannt.
Viele der stattlichen und meist so freundlichen Tiere
über deren Erhalt ich als Biologe des öfteren reflektiere,
sind nur wegen dem Elfenbein schändlich erlegt.
Die Zähne waren so wertvoll: das hat zur Untat erregt.
Elfenbeinschmuck gibt es seit mehreren tausend Jahren
bei Kaisern, Königen, Päpsten und russischen Zaren.
Damit wurde kostbarst geschmückt oder edel verziert .
Es kümmerte kaum wenig, wer sein Leben dafür verliert. Weiterlesen

Schwein gehabt …

Schwein gehabt …

Am Montagmorgen um halb acht
Kreuzte ein Viehtransporter mich.
Eine lebendige Schweinefracht
Näherte dem Schlachthof sich.
Eng eingepfercht im Laderaum
Durch Lüftungsschlitze oxidiert
Da endet Schweinchens Lebenstraum
Blassrosa Körper ängstlich friert.
In einer Stunde ist wohl alles vorbei
Elektroschockiert – zu Tode tranchiert
Es hängen die Hälften gedärmefrei
Am Haken – dann wird portioniert
Im Akkord das arme Schwein.
Die Ware sofort gleich etikettiert
Vom Filetstück bis zum Eisbein
In Folie dicht eingeschweißt
Mit Stickstoff noch begast
Wird nun zum Supermarkt gereist,
damit du am Fleische sparst.

Das Schwein als Kreatur betrachtet
Kommt selten vor im Mästungsstall.
Der Landwirt nur auf Zuwachs achtet
Und auf den Seuchenfall.
Wie wird denn hier wohl Glück definiert
Für designierte Schnitzel?
Wer schaut ins Aug dem klugen Tier
Vor seinem Gaumenkitzel?
Wer streichelt Schweinen sanft den Bauch?
Wer redet mit den Wesen?
Wer respektiert Gefühle auch
Kann Schweinewünsche lesen?

Das Schweinefleisch muss billig sein –
Deshalb muss es rasch wachsen.
Der Artenschutz bleibt hier nur Schein.
Oktoberfest mit Haxen
Das ist für uns die Qualität,
die manchem Schwein im Leben fehlt.
„Da hab ich aber Schwein“ gehabt –
Das ist ein furchtbar Leid.
Des Schlachters Blut am Stiefel pappt
Für Trauer fehlt jede Zeit.