Manches bleibt

Manches bleibt

Immer wieder gern betrachte ich diesen Fisch
Er ist zwar nicht mehr ganz so frisch.
Er will und wird aber niemals mehr stinken.
Auch kann er tiefer kaum noch sinken.
Meine Gedanken kreisen um das frühere Geschehen
Viele große Fragezeichen ja die stehen
in meinem trüben Erkenntnisraum.
Eine Lösung dieser perfekten Versteinerung finde ich kaum.
Stirbt ein Fisch bei uns in einem Gewässer
und finden ihn keine hungrigen Fischfresser,
dann fault der Fischkadaver in kurzer Zeit.
Nur noch sein Gerippe etwas länger bleibt.
Würde die Zeit noch einmal so lange vergehen,
die damals diesen Fisch ließ entstehen,
fänden wir dann fossile Fische von heute?
Ob ich das Zukünftige irgendwie realnah deute?
Was damals im Meer oder Fluss geschah,
legt wohl eine unheimliche Dramatik nah.
Der Tod für diesen Fisch kam wie ein Blitz auf die Schnelle.
Der Leichnam wurde beerdigt auf der Stelle
mit einer mächtigen Schicht Sediment,
in der man kaum eine Verwesung kennt.
Ohne Sauerstoff, ohne jegliches Bakterium
legte sich der Mantel der Versteinerung.
Meere sind verschwunden, Gesteine wanderten in die Höhe.
Was ich auf dieser Steinplatte heute sehe,
ist ein Kapitel aus der Ozeanographie
eine sehr frühe Erzählung der Fischbiologie.
Beim Betrachten des Fossils schwirren weitere Gedanken,
die sich um den Erhalt älteren Lebens ranken.
Ich war einst in Pompeji in studentischen Jahren
und hab dort in sehr drastischen Bildern erfahren,
was der Vesuv in kürzester Zeit mit Lava und Asche bedeckt
und was fast zweitausend Jahre im Gestein blieb versteckt.
Auch hier ist trotz der Hitze vieles erhalten geblieben
meterdick verschüttet und geschützt vor den Dieben.
Manches bleibt als Zeugnis einer verschollenen Zeit.
Allermeistes verschwindet – untauglich für die Ewigkeit.
Ich blicke noch einmal zurück auf ca. 50 Millionen Jahre
und was ich dabei so ein bisschen erfahre,
ist ein bescheidenes Gefühl von dem Phänomen Zeit –
unbegreiflich bleibt die anfang- und endlose Ewigkeit.

Himmellos

p1170602Himmellos

Kaum ein Tag – schwer oder leicht –
der verstreicht,
ohne zum Himmel aufzublicken.
Manchmal da verstricken
sich Gedanken
zu illusionären Ranken.
Schöne und grausame Wolken ziehen vorbei –
dann räumt sich alles frei.
Was macht den Himmel so blau?
Sicher weiß das jemand genau.
In der Nacht bestaune ich das Firmament.
Ein Sternenmeer uraltes Licht verbrennt.
Hier erlebe ich endlose Weiten,
die meinem Verstehen Grenzen bereiten.
Gibt es einen Anfang oder ein Ende im System?
Ungewissheit bleibt unangenehm.

Aber war da nicht noch ein Himmel-
jenseits vom Sternengewimmel?
Im kindlichen Kopf sprühten Fantasien.
In schönsten Träumen erblühen
prachtvolle Säle randvoll mit Glück
Wer dort einmal schwebte,
brauchte nie mehr zurück.
Ewiges Leben und alles wird gut
beruhigte damals das ängstliche Blut.
Der Sinn alles Lebens hieß,
in den Himmel kommen.
Doch dort treffen sich leider nur die Frommen.
In der Jugend kamen die ersten Zweifel
vor allem am Fegefeuer samt dem Teufel. Weiterlesen

Versteinert

Versteinert

Zwei Ammoniten blicken
Versteinert in die Welt.
Die schönen Schalen schmücken,
Wenn sie zur Schau gestellt.
Ein Brachiopod zur Seiten
Zeigt sich in ganzer Pracht
Kommuniziert aus Zeiten,
Als die Lagune lacht.
Erstarrt sind nur die Schalen –
Dazu fast unversehrt.
Doch wie hier Formen strahlen
Geschichte sich erklärt.
Dies Bild in Stein gegossen
Kam spät ans Licht zurück.
Die Meere sind verflossen –
So Schönes blieb zurück.

Druckfisch

Druckfisch

Uralte Erdgeschichten
Kann manch Gestein berichten.
Im Mineral gebettet
Wurd Lebensform gerettet.
Was früher schwamm in Meeren,
kann als Fossil uns lehren,
wie damals Lebensräume
erfüllten Daseinsträume.
Wie kann es nur gelingen,
Dass ich von vielen Dingen,
die sonst vergänglich sind,
nun alte Spuren find?
Muscheln und schöne Schnecken
Noch ganz im Steine stecken.
Doch manches zeigt sich später
platt wie ein Millimeter. Weiterlesen

Quelliges

Quelliges

Sie murmelt leise
Plätschert und singt,
Wenn sie hüpft und springt.
Ihre Wasserspeise
macht eine Reise
zieht dabei Kreise,
will Kiesel belecken,
sich tosen in Becken,
sich im Moose verstecken
und Tiere frisch wecken.
Aus felsigem Spalt
Noch vom Grunde kalt
Gurgelt sie hervor
Am Wellentor –
Bricht dann ins Licht
Mit Zuversicht.
Aqua perpetua
Ist immer nun da –
Nach der Eiseszeit
Zum Fließen bereit. Weiterlesen

Ins Innerste der Erde

Ins Innerste der Erde

Der Blick im Wald zur Erde hin
Er trifft auf braune Blätter.
Da krabbeln graue Asseln drin.
Ein Wurm schleimt dort, ein netter.
Im Asselkot – ich staune nur
winzige Milben fressen.
Bis ich verfolg die nächste Spur,
muss ich weit feiner messen.
Im Humusreich wird Leben klein
Und ist doch übermächtig.
Bakterien wuseln dort gemein
Und Pilze wuchern prächtig.
Die Mikrowelt kommt mir so vor
wie ewiges Kampfgetümmel.
Doch friedlich lebt dies Riesenkorps.
Ich find dort kein Gestümmel. Weiterlesen

Schöpfung

Schöpfung

Folge ich des Wassers Spur,
Finde ich am Anfang nur
ärmlich eine Stelle:
Des Bächleins kleine Quelle.
Fast schüchtern flüstert sie
Und steckt doch voll Magie.
Feinwellig tanzt ihr Start –
Schwillt an auf seiner Fahrt.
Was aus den Tiefen drängt
wird oben frei verschenkt,
quillt kühl, so blank und rein,
küsst keusch den ersten Stein,
streicht weich durch Moosgestalten,
Kennt auf dem Weg kein Halten. Weiterlesen