Als ob vom Himmel Farben regnen

Als ob vom Himmel Farben regnen

Unser Nachbar ist sehr kreativ
Was hier zu sehen – etwas schief
ist ein in den Raum gestelltes Objekt,
das sich befreit zum Himmel reckt.
An sich verkörpert es nur Glas,
hat von der Tür etwa das Maß.
Dann nahm der Künstler Acrylat
ließ Farben fließen bunt und satt.
So stand die Wand auf grüner Au –
wenn dann der Himmel auch mal blau –
dann war der Garten kunstbestückt
etwas aus der Konvention entrückt.
Der letzte Winter war verregnet.
Dem Werk ist da kein Schnee begegnet.
Der Hintergrund blieb herbstlich grau. Weiterlesen

Eisvogel

Eisvogel

Einen Eisvogel wollte ich schon
immer einmal aus der Nähe sehen.
Heute sollte dies geschehen.
Sein stahlblaues Gefieder
zeigt sich leider aus keramischem Ton.
Das wusste ich aber vorher schon.
Doch mit einer Schneekrone geschmückt
war der Anblick irgendwie verrückt.
Am Schnabel hing ein eisiger Ball,
der stand kurz vor seinem Fall –
als sei der komische Vogel auch noch verkühlt.
Die Fantasie wieder mit mir spielt.
Lassen wir diesen Eisvogel einfach zurück. Weiterlesen

Frühlingserwachen

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Frühlingserwachen

Das Wintereis schmilzt weich dahin
an letzten Februartagen.
Jetzt wandelt sich der Vögel Sinn
verliebt beginnt das Jagen.
Schneeglöckchen läuten blütenweiß
schon lang den Frühling ein.
Krokusse sprießen bunt im Kreis.
Ein Käfer sonnt am Stein.
Wenn milder Regen Nächte nässt,
beginnt das große Wandern.
Der Grasfrosch sein Versteck verlässt
stößt hüpfend auf die andern. Weiterlesen

Frostkunstgeometrien

Frostkunstgeometrien

Es sind mal gerade drei Wochen her,
da wollten Seerosenblätter sich entfalten.
Selbst der erste Krötenhochzeitsverkehr
ließ auf Frühlingsgefühle hin schalten.
Doch zu früh gefreut, denn es wurde bitter kalt.
Primeln und Krokusblüten Opfer vom Frost
Narzissenknospen erstarrten, machten halt.
Der Winter schickte ihnen nur eisige Post.

Am Gartenteich wuchsen Kristallkonfigurationen.
In magischen Nächten entstanden gläserne Eisdecken.
Sonnenstrahlenfeuer schmolz diese Kompositionen,
um zur Nacht hin wieder Kreativität neu zu entdecken.
So entstanden stündlich Variationen von Wasserstarrheit.
Auch die Orte stärkster Schöpfung wechselten zwanglos.
Was eben beeindruckte, ist später zerflossene Vergangenheit.
Ist das irgendwie noch Kunst oder Laune der Natur bloß?

Das Potential für die Gestaltung, das Maß an Formenvielfalt
scheint grenzenlos und nicht vorhersehbar für Ort und Zeit.
Nichts zwingt Naturkräfte zum Äußersten. Schönheit bleibt kalt.
Kristalle artikulieren sich zu flüchtiger Endlichkeit.
Jeder Morgen macht neugierig. Wie hat der Zufall Struktur geschaffen?
Was für Assoziationen setzen die Eiskonstrukte bei mir frei?
Die messerscharfen Kristalllanzen werden tauend erschlaffen.
Was macht die bildende Hand des Frostes hier am Teich morgen neu?

Mangoldreif

Mangoldreif

Nicht viel Gemüse überlebt,
wenn Frost sein Eis im Winter webt.
Den Sellerie kneift Kälte kaum.
Für Melde ist längs aus der Traum.
Der Grünkohl zeigt sich frisch im Blatt.
Ihn macht der Winter selten matt.
Was mich schon wundert, ist der Mangold –
eine Pflanze blieb, eher ungewollt,
im Beete stehen einsam verwaist.
Jetzt war ihr Outfit kühl vereist.
Die letzte Nacht brachte viel Reif.
Der Boden fror im Froste steif.
Heut trägt der Mangold zartes Kleid
von eiskristalliner Kostbarkeit. Weiterlesen

Eiskunstwerke

Eiskunstwerke

Den Winter hielt ich für vermisst.
Seit Tagen buntes Blühwerk sprießt,
als ständ der Lenz längst in der Tür
begleitet mit viel Fluggetier.
Doch über Nacht da kam die Kälte,
die plötzlich Eis in Räume stellte.
Die klare sternenreiche Nacht
hat Winterschönheit uns gebracht.
Ich lauf zum Teich hinten im Garten
und kann den Anblick kaum erwarten.
Vorm Jahr stand ich hier höchst verzückt,
war durch den Frost so hochbeglückt.
Ich hielt damals die Eiskunstwerke
als kaum zu toppen – denn die Stärke
und Vielfalt dieser Eisgestalten
wollten an Schönheit das entfalten,
was so nicht steigerungsfähig schien –
doch diesem Trugschluss sei verziehn. Weiterlesen

morning has frozen …

p1190163morning has frozen …

Viel Nebelgrau musste verschwinden.
Das Februarlicht wollte kaum finden
in diesen kaltgeborenen Tag.
Schneegriesel in den Lüften lag.
Dem wintermüden Gartenteich
hatte der Frost im Kältestreich
ein gläsern Gewand dünn aufgelegt.
Dort, wo ein Rest vom Stängel steht,
da schießen Sternenstrahlen weit
schmücken bizarr das Eiseskleid.
All das, was aus dem Wasser schaut,
wird von der Frosthaut zart umbaut.
Das sonst so glatte Teichgesicht
kämpft morgendlich mit Schwerterschicht,
die richtungslos ins Weite stechen,
ohne dabei je zu zerbrechen. Weiterlesen