Der Frühling lutscht

p1190005Der Frühling lutscht

Der Frühling lutscht
am Eis vom Teich
Seine Zunge leckt
und löst es weich.
Die klare Nacht
lässt Wasser frieren.
Kristalle gläsern
schön verzieren
mit neuen Mustern
Eiseshaut.
Bis alles
zauberhaft ausschaut.
Zum Mittag hin
schmilzt etwas Eis.
Das Sonnenlicht
kaum richtig heiß
doch es besiegt
auf Zeit den Frost.
Vom Frühling kommt
nun täglich Post.
Was nächtens noch
so grad erfror,
im Tageslauf
Gestalt verlor,
das ist ein Kampf
mit kalten Waffen.
Stundenweise
ja da schaffen
sie Gestalten –
bringen dem Wasser
tausend Falten.
Zufall wird hier
zum Konstrukteur
Schaffenslust
ist so gar nicht schwer.
Doch der Frühling
der lutscht weiter.
Wärme schmilzt die
kalte Kunst.
Blumen stimmen
mich bald heiter.
Meisenlied
singt erste Brunst.
Heute wird wohl
Eis noch häuten.
Denn die Nacht
wird sternenkalt.
Schneeglöckchen
im Hauche läuten
öffnen ihre
Blüten bald.

Zwölf Jahresringe

P1130806Zwölf Jahresringe

Heut hat der Reif
mit Eis schön eingedeckt
Neugierde wird kalt geweckt.
Der feine Frost
zeichnet perfekt,
hebt zart hervor,
was sonst versteckt.
Bei jedem Reif kristallisieren
die kleinsten Tröpfchen
sie verlieren
die Formarmseligkeiten
von Flüssigkeiten.
Durch das Erstarren
verharren
winterkühle
Moleküle
in gläsernen Gebilden –
manchmal mit wilden
Architekturen.
Frostspuren,
die meist nur –
so will es die Natur –
bald vergehen.
Wir sehen
schon ihr Ende bald.
Es bleibt ja nicht kalt.

Heut hat der Reif
zwölf Jahresringe ausgeschmückt. Weiterlesen

Fastenzeit

P1120376Fastenzeit

Die Zeitung voll mit Foodgenüssen
Schokoladenhasen Ostern grüßen.
Die Einkaufkörbe berstend voll,
wo Fastenzeit doch seien soll.
Sehr lang muss ich nach hinten denken,
als Kind galt es, sich zu beschränken.
Süßigkeiten wanderten direkt
wurden ins Sammelglas gesteckt.
Solch Gefäß war Ostern gut bestückt
hat Kindermünder lang beglückt.
Auch heute will mancher verzichten.
Gute Vorsätze davon berichten.
Die Kirchen liefern kaum noch Grund.
Oft wölbt der Bauch einfach zu rund.
Der eine lässt Alkohol mal weg.
Der andre meidet fetten Speck.
Der dritte nährt sich ganz vegan,
fasst totes Fleisch vorerst nicht an.
Jegliches Naschwerk scheint verpönt,
obwohl manch Süßer dran gewöhnt. Weiterlesen

Es nieselt

WassertropfenEs nieselt

Heute haben sich die Regentropfen
in feinste Tupfer aufgeteilt.
Sie können kaum mehr nieder klopfen.
Viel Niesel in den Lüften weilt.
Es fühlt der Morgenwind sich an,
als ob ein feuchtes, kaltes Tuch
so schaurig streicht durchs Angesicht.
Auch wenn ich voller Sehnsucht hier
nach schönem Blau am Himmel such,
die Wolkenwand gönnt mir kaum Licht.
So frühlingsfrohe Krokusblüten
halten den Kelchmund arg verschlossen.
Die wassersatte Februarluft
klebt triefend nass am Violetten –
bis dann die Last dahin geflossen.
Heut herrscht nur Frühlingsmelancholie.
Von bunterfüllten Farbgesichtern
perlt dann und wann ein Sehwermutstropfen. Weiterlesen

Ephemere Eiskreationen

P1130673Ephemere Eiskreationen

Heute gab es kalte Kunst fast mit Ansage.
Regenwütig waren viele der letzten Tage,
dass überall Pfützen und Lachen
auf Wegentief mich feucht ansprachen.
Dann riss die Wolkenlast, bis Winterhimmel kam.
Die Luft war nicht mehr falsch – so milchig warm.
Ich wusste, heute Nacht beißt wieder einmal Frost.
In winterlosen Zeiten schon ein kleiner Trost.
Der Morgen zeigt sich pudrig voll mit feinstem Reif
Der neue Grashalm glitzert hell und ziemlich steif.
Der Matsch vom Feldweg gibt sich knochenhart.
Die Pfützen schmückt eine Eiseshaut so gläsern zart.
Schon öfter hab ich solche Kunst enorm bestaunt.
Auch heute Nacht war die Natur sehr gut gelaunt.
Ist solche Schöpfung eigentlich kreativ? Weiterlesen

Frühlingsgrüße

KrokusseFrühlingsgrüße

Schneeglöckchen läuten vornehm weiß
gedrängt fast als Orchester.
Die Krokusblüte lodernd heiß
brennt strahlend gelbe Nester.
Im gleichen Ton grüßt Winterling
lässt flattern Fransenblätter.
Vom Schneeglanz strahlt ein Blütenring.
verliebt ins Frühlingswetter.
Auch kühles Blau drängt jetzt ans Licht
gezeigt von Anemonen.
Im Hyazinthen-Traubengesicht
des Himmels Farben wohnen.
Im violetten Februarkleid
zeigt sich das Lungenkraut. Weiterlesen

Vernebelt

NebelgeburtVernebelt

Der Tag wollte nicht wach werden.
Eine Nebellast erdrückt die Erden.
Durch grauen feinsten Tröpfchenstaub
Wird blindes Licht zum Wetterraub.
Am Boden trieft so kalter Schweiß.
Die Welt erscheint heut schmutzig weiß.
Es schwebt viel Wasser durch die Luft –
gar niemand hier nach Morgen ruft.
Mein Sinn verfolgt die trübe Spur
gezwungen durch die Urnatur.
Vorsichtig treten erste Silhouetten
aus trügerischen Schleierbetten.
Ein februarnacktes Baumgerüst
als Scheme von dem Dunste grüßt. Weiterlesen