Schöne Scheiße!

Schöne Scheiße!

Diese Redensart hat man schon mal auf der Lippe
und ist meist nicht so ernst gemeint – wie ich tippe.
Solch ein meist selbstironischer Fluch
sagt in seiner Kürze genug.
Spät in der vorletzten Nacht
hat die Himmelklarheit spät noch Frost gebracht.
Bei meinem früh morgendlichen Gang
hier und da etwas Reifzucker sprang
mir in die Augen und zwang
mich, näher hinzusehen,
um genau auszuspähen,
was der Frost so sonderlich schmückt
und meinen Rücken tiefer hinab drückt. Weiterlesen

Sandrosen

Sandrosen

Was die Natur aus sich so schafft,
mein alter Schädel nur wenig rafft.
Das Lebendige etwas näher zu begreifen,
dass kann mein Sinn schon lange schleifen.
Selbst das, in dem kein Leben haucht,
schon mehr als meinen Verstand verbraucht.
Am Ende bleibt einfach nur staunen.
Das begeistert schnell dann meine Launen.

Heut hab ich mir was mitgebracht.
Ein Mineral hat mich angelacht
An einem trüben Januarmorgentag
das gute Stück auf dem Trödel lag.
Spät im Leben steckt man in einem Kampf.
Die Besitzeslust macht immer noch Dampf.
Die Trennung vom materiellen Übergepäck
nimmt wiederum fast die Kauflust weg. Weiterlesen

Klein aber fein

Klein aber fein

Ein kleines Kästchen vier mal drei
Zentimeter darauf zeigt sich Malerei.
Ich nehme eine Lupe schnell zur Hand
für diese Kunst aus dem Russenland.
Unglaublich fein, was hier dargestellt:
Das Bild zwei ältere Menschen enthält.
Zwei Hähne picken vor deren Füßen
und schöne Blumen ringsum grüßen.
Vielleicht kennt ein Märchen diese Szene.
Der Baumstamm besitzt gar keine Lehne
für beide Männer, die hier gern sitzen –
ihre wachen Augen lebhaft sich anblitzen.
Der Maler, der braucht gute Augen
und Pinsel, die fürs Kleinste taugen.
Mit Eichhörnchenhaaren – hab ich gelesen –
schafft man solch winzige Fabelwesen. Weiterlesen

Verborgene Schätze

Verborgene Schätze

Ich lasse mich immer wieder faszinieren
von versteinerten Pflanzen, fossilen Tieren.
An geschichtsglücklichen Fundortstellen
finden wir später so erstarrte Quellen
vom Leben vor einer undenklichen Zeit.
Formen verewigen im mineralischen Kleid.
Ammoniten, Seelilien von anno dazumal
erscheinen in Lagerstätten in großer Zahl.
Fossilien lehren epochal Erdgeschichte.
Die Evolution machte Lebewesen wieder zunichte,
um neue Arten irdisch zu präsentieren.
Tiere mit tausend Füßen – und solche mit vieren.
Versteinertes ist bei Sammlern enorm begehrt.
Manch seltenes Stück erzielt wahnsinnigen Wert.
Fundorte werden bis aufs Letzte geplündert,
wenn kein Gesetz diese Raubritter daran hindert. Weiterlesen

Seeliliensterne

p1160250Seeliliensterne

Ein Kasten voller kleiner Fossilien
darunter auch einige Seelilien
kam unlängst zu mir
als lauter versteinertes Getier.
Irgendwann waren die Stücke wissenschaftlich interessant.
Was man damals an den Fundstätten so fand,
wurde taxonomisch bestimmt und archiviert,
bis sich die Aufmerksamkeit wieder verliert.
Das akribisch Gesammelte erfüllt nun keinen Zweck.
Also können Ammoniten, Brachiopoden und Crinoiden weg.
In der Kiste war weniger Spektakuläres drin.
Doch bei den kleinen Fundstücken machte es Sinn,
diese genauer zu betrachten, Nähe herzustellen.
Es gibt dazu Bücher, die vor Informationen quellen.
Da fand ich auch meine kleinen Sterne wieder.
Es waren zerbröselte Stängelglieder
von Isocriniden einem Seeliliengeschlecht.
Die Abbildungen gaben mir ziemlich recht. Weiterlesen

Von guter Statur

P1150343Von guter Statur

Es gibt Fundstücke im Leben,
die uns Nachhaltiges geben.
Immer wieder kommen wir auf sie zurück
Jede Begegnung bringt neues Glück.
Vor weit mehr als zehn Jahren
auch schon damals waren
meine Füße und Sinne zum Trödel gelenkt.
Wenn einmal das Sammeln anfängt,
ist man für vieles an sich Schöne offen.
Trödeln ist ein Weg zwischen Suchen und Hoffen.
Vor dieser ach so langen Zeit
traf ich auf meine Kostbarkeit.
Inmitten von Hausrat und Werkzeugresten
zwischen verstaubten Spielzeug und Krimskramkästen
hockte dort eine geschnitzte Frau in Holz
demütig kniend ganz ohne Stolz.
In ihrem Rücken klaffte ein tiefer Spalt
Das passiert beim Trocknen von Holzstücken halt. Weiterlesen

Siegelbäume

SiegelbaumSiegelbäume

Irgendwann mal ausgebrochen
liegt das Bruchstück heute hier.
Hat mich früher angesprochen
aus Interesse und Neugier.
Kenne weder Tag noch Stunde,
wo sich kreuzte unser Weg.
Sind seitdem wohl im Verbunde;
denn der Stein bleibt als Beleg.
Was damals so fest erstarrte,
blieb als Teil vom Siegelbaum.
Dieser Abdruck nun verharrte
Änderung erfuhr er kaum.
Lange lag er ganz verborgen.
Niemand sah dies Zeugnis dort.
Irgendwann kam dann ein Morgen,
schob die Dunkelheit mal fort. Weiterlesen