Nachtfrostkunst

Nachtfrostkunst

Das erste Eis fror über Nacht
hat Willkürkunst schön mitgebracht:
zwei Millimeter starke Wasserhaut,
die wie ein Zauberwerk ausschaut.
Wo Binsenhalme lustlos ragen,
bekommen sie starrharte Kragen.
Wie Sternenstrahlen blinkt es hell.
Sonnenlicht verspiegelt grell.
Neben all den spitzen Schwertgestalten
möchte auch Zarthäutiges walten. Weiterlesen

Libellenende

Libellenende

Vorige Woche da flogen sie noch
beschwingt voller Lust am Teichhimmel hoch.
Ihre Flugkreise waren voller wildem Elan.
Für Nachkommenschaft wurde reichlich getan.
Als ich diese Tiere in der Luft jagen sah,
da wusste ich gleichwohl: Ihr Ende ist nah.
Auch wenn sie heute vor Leben nur so sprühen,
wird solch ein Tag wohl nicht mehr ihnen blühen.
Das Wetter fand doch dann zu seinem Herbst zurück.
Jäh endet in Kälte Libellenliebesglück. Weiterlesen

Wenn das Hechtkraut blüht

Wenn das Hechtkraut blüht

Wenn das Hechtkraut blüht,
im Gartensommer Herbstliches heranzieht.
Am Teich schwindet die Zahl der Seerosensonnen
Jeden Tag werden immer mehr Netze gesponnen.
Von den Bäumen fällt jetzt schon das erste Laub
Bienen finden immer weniger Blütenstaub.
Johannisbeeren funkeln seit Tagen rot.
Der Amselmagen kennt daher keinerlei Not.
Die Vögel mögen kaum noch Kirschen fressen.
Diese bleiben am Baum fast wie vergessen.
Das tägliche Froschkonzert wird öfter abgesagt.
Das Hochzeitsquaken scheint nicht mehr gefragt.
Den Schnecken ging es mal wochenlang schlecht.
Mit verschwundenem Regen kamen sie nicht zurecht.
Äpfel und Birnen wachsen nun täglich prächtig
Der Junifall war dieses Jahr ziemlich mächtig.
Unzählige Früchte landeten unreif auf der Erde,
damit sinkt die Last und es weicht so die Schwere.
In den Bäumen hängt leider noch immer viel zu viel.
Die traumhafte Blüte führte allzu oft an das Ziel.
Der Sommer ist gerade angefangen – der Juni er endet.
Im Garten sich vieles zum Herbst hin zuwendet.
Ich geh Kirschkerne fegen – der Weg ist versaut.
Nicht einmal die Hälfte vom Fruchtfleisch wurd verdaut.
Danach Klaräpfel sammeln, die die Made besucht.
Bei manch tiefem Bücken hab ich schon geflucht.

Doch wenn ich noch einmal das Hechtkraut betrachte
und nicht penibel auf die Pflanzenanatomie achte,
dann erscheinen mir die Blüten fast wie Orchideen,
die leuchtend am Uferrand so prächtig dort stehen.

Wasserträume

Wasserträume

Glitzernd, spiegelnd wellig kräuselnd
liegt der Teich in grünem Grund.
Warmer Wind an Blättern säuselnd
Wasser riecht aus seinem Mund.
Auf der alten Bank da sitze
ich und träume vor mich her.
Sehe auf der Binsenspitze
der Libellen Wiederkehr.
Runden fliegend, flatternd, kreisend
Flügel blinken sonnig hell –
cyanblau gefärbte Reisen
mal fast schwebend dann sehr schnell.
Aus dem Wasser taucht die Spitze
einer Schnauze etwas auf. Weiterlesen

Zwei (bis drei) Welten

Zwei (bis drei) Welten

Die Sonne lacht warm in den Teich.
Es blinken Wasserlichter.
Seerosenblätter tellergleich
verschwimmen immer dichter
Die Oberfläche von dem Blatt
wird strahlend hell bebrütet.
Sie lockt den Frosch zum Sonnenbad,
der so den Tag vergütet.
Libellen himmlischblau geschmückt
verkrümmen ihre Bäuche,
bis dass das letzte Ei entrückt
gebären ihre Schläuche. Weiterlesen

Total verwanzt

Zeichnung

Total verwanzt

Auf dem Wasser kreisend tanzen
sehr geschickt die Wasserwanzen.
Teich- und Wasserläufer flitzen,
ohne Wasser zu verspritzen.
Füße sind perfekt gebaut
für des Tümpels Wasserhaut.
Kurz zum Luftholen tauchen immer
oben auf die Rückenschwimmer.
Ihre großen, roten Augen
effektiv zum Jagen taugen.
Manchem wurde zum Verhängnis
Notonectas scharfer Biss.
Schwimmwanzen sind fast noch frecher
Gelten als fiesböse Stecher.
In der Gruppe attackieren,
heißt für Opfer schon verlieren. Weiterlesen

Vor dem Abflug

Vor dem Abflug

Ein Maientag der besten Sorte
ich stehe fröhlich an dem Orte,
wo grüne Frösche quaken laut
und ein Insekt steigt aus der Haut.
Als es der Hülle dann entsteigt,
hab ich mich zu ihm hin geneigt.
Ich strecke ihm bald meine Hand.
Die Frischgeschlüpfte darauf fand
für sich einen Platz
schön an der Sonne
Für beide war es eine Wonne.
War es ein Plattbauch oder Vierfleck?
Bestimmungsroutine war leider weg. Weiterlesen

Heimkehrer

Heimkehrer

Herrlich milder Frühlingsabend
kurz nach Ostern im April.
Stundenlang im Garten grabend
Möhren säend und auch Dill.
Gartenarbeit weckt Gefühle,
hebt das Herz in frischem Takt.
Wie ich in der Erde wühle,
hab ich Sorgen abgehakt.

Abends in der Dämmrungs Mitte
kehr ich an den Ort zurück.
Lenke meine müden Schritte
in mein kleines Gartenstück.
An dem Teich da bleib ich stehen.
Dottergelbe Blütenpracht
kann ich in dem Spiegel sehen –
sag den Blumen „Gute Nacht“. Weiterlesen

Bosmina longirostris

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Bosmina longirostris

Nur ein halber Millimeter
misst der Krebs, dies Weihertier.
Winzig größer sind die Väter
Mütter schaffen 0,4. (mm)
Doch sie treiben massenhaft
oben in der Wasserhaut.
Mit der Filterbeine Kraft
wird Geschwebe dort verdaut.
Rüsselartig ausgezogen
wächst der Kopf zur Nase fast.
Diese ist recht krumm gebogen
bis zu dem Antennenast.
Nur ein Auge dient zum Sehen
ist ein großer schwarzer Fleck. Weiterlesen