Alles Möhre – oder was?

Alles Möhre – oder was?

Jetzt, wo der Winter spät und kalt
braucht man was Warmes ziemlich bald.
Heut möchte ich mir Möhren kochen.
Es gab sie nicht die letzten Wochen.
Ein Sack voll Wurzeln stand im Keller,
die kamen sonst nicht auf den Teller;
denn unsere Schafe kriegten sie:
was Gutes braucht das arme Vieh.
Futtermöhren sind die gewesen,
die als unschön waren ausgelesen.
Zu groß, zu klein, zu krumm, zu dünn
damit macht Handel kaum Gewinn.
Doch unsere Schafe ja die schwören
im Winter sehr auf solche Möhren.
Heut nehme ich mir Prachtexemplare
einfach als prima Handelsware.
Die schäl ich mir in kleine Stücke,
dass mich Gemüse bald entzücke.
Die dickste Rübe, die ich schneide,
zeigt mir ganz harte Eingeweide.<!–more–
Ich betrachte ihre inneren Werte,
die mir der Anblick so bescherte.
Der harte Kern – Zentralzylinder genannt –
lag bald als Scheibe in der Hand.
Von unten beleuchtet strahlt die Möhre
so als ob sie eine Sonne wäre.
Gelbe Flammen schießen durch Karottenrot.
Der Anblick, der sich mir hier bot,
erschien mir fast mysterienhaft –
wie eine Möhre das nur schafft.
Wenn ich dann mein Gemüse kaue
und diese Strukturen bald verdaue,
da bleibt mir dennoch diese Bild.
Meine Fantasie noch länger spielt
mit diesem Eindruck aus der Mitte
von einer Möhre nach dem Schnitte.

Möhren

P1110643Möhren

Von Möhren
ja da hören
wir, sie seien gesund.
Aus diesem Grund
macht das kleine Kind
z. B. mit Karotten und Rind
frühe Kunde
im Munde.
Das Carotin – wie man weiß –
löst sich am besten heiß
in goldiger Butter.
Meine Mutter
das erlernte sie:
mit Petersilie
können die Möhren
geschmacklich betören.
Für unterwegs –
viel besser als ein Keks –
werden Möhren geschält.
Das Knabbern das zählt
zu den Genüssen.
Doch das müssen
unsere Kinder erst lernen. Weiterlesen

Paprika

P1120810Paprika

Wie ich anfing, Mittagsgerichte zu studieren,
und in der Rinderbouillon zerschnittene Nieren
fand –
im Rindsgulasch kleine rote Granaten entdeckte,
deren gewaltige Schärfe mein Zünglein erschreckte,
stand
ich unwissend vor einer seltsamen Gemüsefrucht,
die auf dieser Welt wohl ihresgleichen sucht.
Dann –
es war wohl um das siebte, achte Lebensjahr,
da begegnete ich erstmals der großen roten Paprika.
Wann
mir später die fleischigen unreif grünen Schoten
als Mahlzeit testweise wurden angeboten,
kann
ich kaum noch alterszeitmäßig richtig taxieren.
Damals sollte ich das neue Gericht unbedingt probieren.
Voll
gestopft waren die ausgehöhlten Paprika mit Hackbraten.
Danach durfte das genussbringende Garschmoren starten.
Toll
schmeckte die gefüllte Schote – zugleich saftig und fest
ziemlich milde die Paprikahülle – um so würziger der Rest. Weiterlesen

Rettichrosen

GemüseblumenRettichrosen

Man glaubt es erst, wenn man es sieht.
Gestaltungsfantasie scheint grenzenlos.
Was da so zart zu Markte blüht,
ist blumenschön doch rosenlos.
Ein alter Mann weit aus Fernost,
den sah ich hockend sitzen.
In seiner Hand Gemüsekost
tat er kunstvoll beschnitzen.
Mit exaktem Maß und sicherem Schnitt
wird rote Beete fein seziert.
Die neue Form teilt sich bald mit,
weil sich das Knollige verliert.

Aus klobigem Rübengesicht
ganz plötzlich eine Rose bricht.
Im tiefstem Rot vom besten Wein
soll Blütenblatt voll Farbe sein. Weiterlesen

Blumenkohl

BlumenkohlbildBlumenkohl

Der Blumenkohl
Der wächst sehr wohl
Im Garten wie im Feld
Im ersteren fast ganz umsonst –
Im zweiten eher für Geld.
Nach außen spreizt er große Blätter.
Im Inneren entwickeln später
Sich unendlich viel an kleinen Blüten,
die sich vor Sonne müssen hüten.
Die Knospenkugel jung und zart
Ist fleischig dick – und weich gegart
Ein Hochgenuss als Kohlgemüs
Schmeckt vornehm mild und etwas süß.
Geb ich Zitronensaft hinzu –
Oder Gemolknes von der Kuh,
dann bleibt der Kohl schön cremig weiß. Weiterlesen