Briefmarkenmelancholie

Briefmarkenmelancholie

Es war das Jahr des Wunders von Bern.
Ich erinnere mich an das Jahr noch gern.
Nicht wegen des Fußballs
sondern wegen meiner Tante Hety;
denn gerade sie
schenkte mir zu meinem Schulbeginn
ein Briefmarkenalbum – wohl mit dem Sinn,
diese zu sammeln und zu vermehren.
Nach immer den Neuen zu begehren.
Eine Lupe, eine Pinzette gehörten dazu.
Jetzt ließen mich die Marken nicht mehr in Ruh.
Von jedem Brief, jeder Karte, selbst vom Paket
wurden die Wertzeichen wieder abgeklebt.
Wasserdampf half bei der Prozedur. Weiterlesen

Mein erster Ball – vor 60 Jahren

P1140055Mein erster Ball – vor 60 Jahren

Damals musste ich noch streng katholisch sein.
Die Erstkommunion besaß fast einen Heiligenschein.
Als kleiner Knirps fieberte ich hin zu diesem Tag –
Ungeheures, Aufregendes in der Maienluft lag.
Die kirchliche Prozedur war sorgfältigst einstudiert
Der tiefblaue Anzug saß gut, am Revers war Schmuck drapiert.
Nach eineinhalb Stunden gab es den befreienden Segen.
Es ging schnell nach Hause – der vielen Gäste wegen.
Eine Kochfrau sorgte für ein reichgutes Festtagsessen.
Jede Familie musste sich da mit den anderen messen.
Und dann gab es für das Kommunionkind ja noch die Geschenke:
Wenn ich mich so erinnere und sorgfältig denke,
habe ich wohl über 20 Topfblumen entgegengenommen
meist mit einem Brief mit besten Wünschen, meist überfrommen.
Dass ich mit acht Jahren schon solch ein Zimmerpflanzenfreund war,
das wurde mir an dem Feiertag eigentlich immer noch nicht klar. Weiterlesen