Die Weißmacher

Die Weißmacher

Fassadenpflege ist angesagt
Anstreichermut ist hier gefragt,
die Kuppel soll ganz weiß erstrahlen,
da muss man sehr mutig malen.
Kirchengebäude prägen Städte
Wenn Köln den Dom nicht für sich hätte,
fehlte Identität hier nah am Rhein
Wahrzeichen will manch Kirche sein.
Das Innere vom Gotteshaus
ist selten arm wie Kirchenmaus.
Mit viel Gold und Glanz wird überdeckt,
was an Verdorbenheit dahinter steckt.
Gespalten ist für mich der Blick.
Als Kind wähnte ich mich im Glück,
in dieser Kirche eng zu wohnen. Weiterlesen

Kanonenfutter

KanonenfutterKanonenfutter

Fast wie ein kleines Kunstwerk
liegt dieser Kugelberg
auf der saftig grünen Wiese.
Spielte hier ein Märchenriese
einst mit Murmeln aus Granit?
Wer spielte damals sonst noch mit?
Fünfhundert Jahre sind sie etwa alt.
Die meisten sind an den Mauern zerknallt.
Seit die Kanonen damals erfunden,
begann man Granit hierfür zu runden.
Da es den Steinkugeln an Durchschlagskraft fehlte,
man später gegossene Eisenkugeln wählte.
Diese Kugeln blieben bis heute ungebraucht.
Der Pulverdampf der Kanonen ist längst verraucht.
Keiner wird diese Munition mehr verschießen.
Gänseblümchen in ihrer Nähe jetzt sprießen.

Kanonenfutter einer ganz anderer Art
das waren viele Soldaten in der Tat.
Die ersten Angreifer einer Kriegesfront
blieben von Kugeln selten verschont.
Es waren die einfachen, kaum ausgebildeten Krieger,
die machte der Schusswechsel zuvorderst nieder.
Der Feind sollte sich an ihnen aufreiben.
Da konnten geschulte Experten hinten bleiben. Weiterlesen

Aufblicken

EttalAufblicken

Wenn nach nächtlich tiefem Schlaf
unsere Augen Bilder schenken,
wird der Anblick langsam scharf:
in uns fängt es an zu denken.
Erstes Bild zeigt oft die Decke
leere Fläche ohne Sinn.
Wenn ich dann die Uhr entdecke,
weiß ich, wo ich stündlich bin.
Aufzublicken, Himmel sehen
nach einem kurzen Wiesentraum –
Cirruswölkchen schwebend stehen –
denn Bewegung sieht man kaum.
Zu dem Vater aufzublicken,
dass war kindlich angesagt.
Ein Gebet zum Schöpfer schicken
Nöte wurden so beklagt.
Das Elternbild relativiert
zeigt neben Licht auch alle Schatten.
Der große Gott an Wert verliert.
Ehrfurcht weicht,
wie wir sie hatten. Weiterlesen

Bamberg bei Nacht

BambergnightBamberg bei Nacht

Bamberg bei Nacht
wird zu einer wunderbaren Pracht.
Ich hätte nie gedacht,
wie künstlich Licht so schön entfacht.
Kein Nachtwächter mehr wacht.
Kein Kaiser hat noch Macht.
Die alten Zeiten sind längst vorbei –
Doch vieles ist hier noch nicht neu.
Die mittelalte Stadtgeschichte
machte kein Krieg bisher zunichte.
Bomber sollten bös zerstören-
doch sie waren nur zu hören
aus der Ferne grollte Dröhnen
Bambergs Zukunft blieb im Schönen.
Zeitzeugen dankbar berichten,
konnte man wegen Nebel
die Stadt nicht sichten.
Zerstörung fand so kaum hier statt –
Weltkulturerbe man hat.
Beim Bummel durch die alten Gassen
lässt sich dieses Glück heute anfassen.
Viele Jahrhunderte so verdichten
ganz spannende Stadthausgeschichten. Weiterlesen

Der Zahn der Zeit

SandsteineDer Zahn der Zeit

Ein Mauerwerk einst aufgesetzt
wirkt irgendwie heut zeitverletzt.
Ein Steinmetz schuf exakte Quader
geschliffen wurde manche Ader,
die vom Sediment früher gelegt –
seitdem hat sich wohl viel bewegt.
Der Zahn der Zeit hat am Gemäuer
gefräßig wie ein Ungeheuer
geknabbert hier und dort gefressen.
Den Schaden kann man richtig messen.
Wer hier am Steine hat genagt,
hat mancher Zeuge sich gefragt.
Der Zahn der Zeit das war der Wind.
Der lose Staub wurde sein Kind.
Der Zahn der Zeit war auch der Regen.
Er konnte Körner stets bewegen,
die aus der Oberfläche brachen.
Nur hörte man davon kein Krachen.
Zähne der Zeit waren Frostattacken.
Sie konnten Hartes immer knacken.
Vereinigt man all diese Täter,
bringt Unheil hier das täglich Wetter. Weiterlesen