Kreuzausverkauf

Kreuzausverkauf

Kirchen werden nun entsegnet.
Das Gottesvolk sich eher begegnet
in immer kleiner werdenden Kreisen,
die zunehmend noch stark vergreisen.
Kirchen werden sogar abgerissen
Nur sehr wenige die vermissen
den lang geschätzten würdigen Bau
Bald stirbt auch noch die alte Frau,
die jeden Tag noch treu her kam –
sich Zeit zum Beten reichlich nahm.
Friedhöfe müssen gleichsam weichen.
Manch braucht ja heute für die Leichen
kaum mehr ein großes Reihengrab –
wird doch verbrannt der ganze Sarg.
Die Asche findet künftig Stellen
manchmal in kühlen Meereswellen. Weiterlesen

Himmellos

p1170602Himmellos

Kaum ein Tag – schwer oder leicht –
der verstreicht,
ohne zum Himmel aufzublicken.
Manchmal da verstricken
sich Gedanken
zu illusionären Ranken.
Schöne und grausame Wolken ziehen vorbei –
dann räumt sich alles frei.
Was macht den Himmel so blau?
Sicher weiß das jemand genau.
In der Nacht bestaune ich das Firmament.
Ein Sternenmeer uraltes Licht verbrennt.
Hier erlebe ich endlose Weiten,
die meinem Verstehen Grenzen bereiten.
Gibt es einen Anfang oder ein Ende im System?
Ungewissheit bleibt unangenehm.

Aber war da nicht noch ein Himmel-
jenseits vom Sternengewimmel?
Im kindlichen Kopf sprühten Fantasien.
In schönsten Träumen erblühen
prachtvolle Säle randvoll mit Glück
Wer dort einmal schwebte,
brauchte nie mehr zurück.
Ewiges Leben und alles wird gut
beruhigte damals das ängstliche Blut.
Der Sinn alles Lebens hieß,
in den Himmel kommen.
Doch dort treffen sich leider nur die Frommen.
In der Jugend kamen die ersten Zweifel
vor allem am Fegefeuer samt dem Teufel. Weiterlesen

Mein erster Ball – vor 60 Jahren

P1140055Mein erster Ball – vor 60 Jahren

Damals musste ich noch streng katholisch sein.
Die Erstkommunion besaß fast einen Heiligenschein.
Als kleiner Knirps fieberte ich hin zu diesem Tag –
Ungeheures, Aufregendes in der Maienluft lag.
Die kirchliche Prozedur war sorgfältigst einstudiert
Der tiefblaue Anzug saß gut, am Revers war Schmuck drapiert.
Nach eineinhalb Stunden gab es den befreienden Segen.
Es ging schnell nach Hause – der vielen Gäste wegen.
Eine Kochfrau sorgte für ein reichgutes Festtagsessen.
Jede Familie musste sich da mit den anderen messen.
Und dann gab es für das Kommunionkind ja noch die Geschenke:
Wenn ich mich so erinnere und sorgfältig denke,
habe ich wohl über 20 Topfblumen entgegengenommen
meist mit einem Brief mit besten Wünschen, meist überfrommen.
Dass ich mit acht Jahren schon solch ein Zimmerpflanzenfreund war,
das wurde mir an dem Feiertag eigentlich immer noch nicht klar. Weiterlesen

Losing my religion

P1130946Losing my religion

Als wehrloses Kind
legte man mir allzu früh
den lieben Gott
ins unreife Hirn.
Schablonenhaft
wurde um mich herum gebetet
insbesondere zur guten Nacht
dann gab es meist noch
ein Kreuzzeichen auf die Stirn.
In der Volkschule regierte Religion
als ein ernstes Unterrichtsfach.
Schlechte Noten in der Glaubenslehre
brachten unweigerlich Ungemach.
Als Höhepunkt der frühen Jugendzeit
galt der Empfang der heiligen Kommunion –
gleichzeitig ein pompöses Familienfest:
religiöser Gehorsam schenkte mir reichlichen Lohn.
Damit der Glaube noch mehr gefestigt,
spendete man mir
später noch ein Firmungssakrament.
Manch junger Mensch bekleidete da
bereits ein empfohlenes Kirchenamt.
Jeder demütige Messdiener kannte
bald die gesamte Liturgie.
Messlatein wurde auswendig gelernt -.
am Altar synchron gemurmelt irgendwie. Weiterlesen

Aufblicken

EttalAufblicken

Wenn nach nächtlich tiefem Schlaf
unsere Augen Bilder schenken,
wird der Anblick langsam scharf:
in uns fängt es an zu denken.
Erstes Bild zeigt oft die Decke
leere Fläche ohne Sinn.
Wenn ich dann die Uhr entdecke,
weiß ich, wo ich stündlich bin.
Aufzublicken, Himmel sehen
nach einem kurzen Wiesentraum –
Cirruswölkchen schwebend stehen –
denn Bewegung sieht man kaum.
Zu dem Vater aufzublicken,
dass war kindlich angesagt.
Ein Gebet zum Schöpfer schicken
Nöte wurden so beklagt.
Das Elternbild relativiert
zeigt neben Licht auch alle Schatten.
Der große Gott an Wert verliert.
Ehrfurcht weicht,
wie wir sie hatten. Weiterlesen

Heiligabend

Himmlisches

Heiligabend

Vielen ist jeder (Feier-)Abend heilig –
Sie wollen ihn ungestört verleben.
Was ist eigentlich heilig?
Etwa das Motto: „Alles wird gut!“?
Wenn ich in die Welt blicke,
finde ich da überhaupt etwas Heiliges?
Auf Unheiliges, Unseliges stoße ich
mehr als mir lieb ist.
Mein Heil in der Flucht suchen,
macht mich nicht heilig.
Die Heilsarmee verfügt kaum über Heilige.
Heilig, heilig, heilig ….
Stammeln verstaubte Kirchenlieder –
In der Hoffnung , dass Wiederholung
Zur Verstärkung führt.
Heiligenbilder blähten lange Zeit
Gebetbücher auf – wurden ungewollt
Zu behüteten Sammelobjekten.
Zu Heiligen Kriegen
Wird immer noch aufgerufen.

Und dann der Heilige Abend –
Da werden datumsgerecht
Emotionen geöffnet –
Da werden Wünsche wahr gemacht –
Da werden Illusionen bedient –
Und Reste von alten Bräuchen belebt.
Backaromen, Kerzenduft werden
Mit Fichtennadelaetherik vereint –
Weihnachtsmelodien digital eingespeist.
Doch was davon ist das Heilige?
Christlichkeit ist auf dem Rückmarsch –
Auch wenn bald die Heiligen Drei Könige
bettelnd an die Tür klopfen.
Was kann ich in einer weltlichen Welt
Noch mit dem Heiligen verbinden?
Ist Heiligkeit etwas Metaphysisches?
Mir wurden außergewöhnliche Weihnachten
Mit einem leibgewordenen
Enkelchristkind geschenkt.
In der Vertrautheit
Der wachsenden Familie habe ich
Etwas von Heiligkeit verspürt.

Gebetet

Gebetet

Ich hatte es plötzlich in der Hand:
Ein ziemlich altes Betebuch –
Im Haufen voller Trödeltand
Geschmückt mit weichem Sammettuch.
Die Vorderseite reich bestückt
Mit Kreuz und Ornament.
fand ich dies Buch so reich geschmückt,
wie man es kaum noch kennt.
Messing und Bein sind rustikal
Ins Leder eingebunden
1869 ist die Zahl,
da hat einst stattgefunden
der Druck im alten Prag.
Mir kommt tschechisch so böhmisch vor
Was ich darin auch lesen mag.
Hier bin ich dummer Tor.

Wem war dies Buch sein eigen nur?
Wer betete im Wort?
Die alte Religionskultur
Setzt sich nun nimmer fort.
So endet dieses schöne Stück
– An dem hing so viel Glauben –
als alter Ramsch – ich hatte Glück
ich durft es dann entstauben.
Mit Andacht schau ich auf die Kunst,
Die dieses Werk verzieret.
Ich ahne dabei die Inbrunst,
In die sich der verlieret,
wenn er den Weg zu Gott sich sucht –
andächtig werden Träume.
Gebete gehen dann die Flucht
In irreale Räume.