Auflösungserscheinungen

Auflösungserscheinungen

Aus Sediment am Meeresgrund entstanden
als Gestein aus Muschelkalk und Sanden.
Dann hob sich später dieser Fels ans Sonnenlicht.
Eine Insel tauchte auf, die langsam wieder zerbricht.
Was vor mir ragt, ist ein kleiner Natursteinbrocken.
Die meiste Zeit sonnt er sich, bleibt monatelang trocken.
Vom Ozean weht meist ein frischer Wind, der reibt ihn mild.
Doch gibt es Tage, da sind alle Lüfte mehr als wild.
Im Winter wird das Felsenmeer schon öfter nass.
Auch diesem zerfetzten Stein passierte das
wohl über unendlich lange Zeiten. Weiterlesen

Ende einer Zitrone

Ende einer Zitrone

Was da heute vor mir liegt
wenige Gramm gerade noch wiegt,
ist ein Zitronenkadaverrest,
der so nicht mehr vermuten lässt,
dass diese Frucht fast vor einem Jahr
ein Inbegriff von Frische war.
Neben Malta ist Gozo gelegen.
Eines Verwandtschaftsbesuches wegen
verweilte ich auf diesem Inselort,
war ein paar Tage gerne dort.
Gozo war damals ziemlich grün.
Nach Herbstregen begann es zu blühn.
Zitrusfrüchte leuchteten weit
waren zum Ernten reif bereit. Weiterlesen

Einbruch eines Fensters

Einbruch eines Fensters

Vor wenigen Monaten noch solch ein Bild:
ein Felsdurchbruch atemberaubend und wild
Das blaue Fenster auf Gozo fast weltberühmt
hat großen Filmen als Bühne gedient.
Doch dann kam der achte des Monats März
Stürmische See brach dem Torbogen das Herz.
Über Nacht tief versunken in den Meeresschoß
war die Trauer auf der Insel riesengroß.
Azur Window – das war ein faszinierendes Ziel.
Was die Natur geschaffen hatte, das gefiel
vielen Touristen aus nah und fern.
Bei Sonnenuntergang hier ein Foto – das machte man gern.
Immer gieriger nagte das Wasser am riesigen Loch.
Wie lange hält der Sandsteinbogen am Ende noch?
Länger schon war das Betreten amtlich untersagt.
Doch wer von den Neugierigen hat danach gefragt.
Seit Anfang des Jahres wurden Geldstrafen verhängt,
wer auf die Brüstung des Naturdenkmals seine Füße lenkt.
Wie von Geisterhand ist das blaue Fenster verschwunden. Weiterlesen

Eidechsenrendezvous

p1170214Eidechsenrendezvous

Fast schon wieder zwei Wochen her
mein Eidechsenbegegnungsverkehr.
Der Dezembermittag war sonnig und warm
fast gänzlich wolkenarm.
Hin und wieder huschte ein Cirruswölkchen vorbei.
Dann war der Himmel fürs Blaue nur frei.
Unten an der verlassenen Ramla-Bay
rauscht dieser unendliche See.
Die Küste hinauf will es bald überall blühen.
Leuchtende Farben sprühen
aus frischem Pflanzengrün.
Nur leichte Winde ziehn
vom rollenden Meer auf das versteinerte Land.
Ich nehme eine frische Blüte zur Hand
und denke: bald ist der zweite Advent
und die flach stehende Sonne brennt. Weiterlesen

Unbekannte Blume

p1160470Unbekannte Blume

Unbekannte Blume
im mediterranen Morgenlicht
dein zartblaues Blütengesicht
kenne ich noch nicht.
Im Vorbeigehen
bleibe ich fast andächtig
vor dir stehen.
Ich muss zur dir hochblicken
doch voller Entzücken.
Eine solche Anmut
tut jedem Auge gut.
Du schwelgst nicht im Ultramarinblau
bist aber auch keine blässliche Frau.
Eher vornehm im Farbenniveau
machst du die Szene froh. Weiterlesen

Voller Flecken

p1170323Voller Flecken

Flecken
zu entdecken
bringt oft Schrecken:
denn sie erwecken
den Eindruck fehlender Pflege.
Sind die sichtbaren Belege.
Hier ist nicht mehr alles rein
wie auf diesem Stein.
Orange, schwarz oder fast weiß –
die Sonne strahlt ziemlich heiß –
auf diesen kalkigen Brocken,
auf dem die Flecken hocken.
Es fehlt nicht an Reinlichkeit.
Jeder Flecken lebt Lebendigkeit.
Krustige Flechten wohnen
in eher zufälligen Zonen
auf der Wetterseite im Licht
und regen sich nicht.
Ganz langsam wächst jedes Gebilde.
entbehrt das Wilde,
sein Wachstum irgendwie spontan
fängt im Flecken an. Weiterlesen

Wie aus dem Nichts

p1160803Wie aus dem Nichts

Eine kleine Insel mir zu Füßen
will mich zum ersten Mal begrüßen.
In der zweiten Woche vom Advent
auf Comino Wundersames brennt.
Das Eiland ist fast gänzlich hart.
Die Welt hat nicht am Stein gespart.
Ein Felsenmeer mit steilen Riffen
und viel Geröll mit inbegriffen.
Ganz zwergenhaft gedeiht Bewuchs.
Kaninchen gibt’s – doch keinen Fuchs.
Soweit das Auge Blicke lenkt,
kein Baum hier wohl ans Wachsen denkt.
Obwohl auch hier der Winter weilt,
finde ich bunte Heiterkeit. Weiterlesen