Plötzlicher Haustod

P1130580Plötzlicher Haustod

Vor unserer Tür da stirbt ein Haus.
Das Ganze schaut recht traurig aus.
Seit gestern beißt ein Bagger Stücke
und immer größer wird die Lücke.
Das Haus war sicher hochbetagt.
Die Baudemenz hat auch genagt.
Man hat die Pflege lang vergessen.
Wer es zuletzt noch hat besessen,
der lebt im Heim – dort gar nicht schlecht.
Am Haus pickt grob der Mauerspecht.
Was hat das Haus bis heut erlebt –
ein Haus, das morgen nicht mehr steht?
Kurz nach dem Krieg ist es erbaut.
Da hat man auf den Preis geschaut.
Im Wohlstand wuchs das kleine Haus.
Man baute es dann weiter aus.
Lieferte das Haus uns Zeitberichte,
wäre es auch Familiengeschichte.
Was von dem Haus dann übrig blieb,
hatte am Ende kein Mensch lieb. Weiterlesen

Ein Trauer(schnäpper)spiel

TrauerschnäpperFast ein Trauer(schnäpper)fall

Der Mensch liebt sein Haus mit viel Licht.
Das führt gern auch zu Mauerverzicht.
Deckenhohe Fenster, Türen aus Glas
machen beim Bauen mehr Freude und Spaß.
Man schaut panoramaweit ins Grüne
sitzt privilegiert auf einer Tribüne –
erblickt vielleicht direkt Natur.
Es braucht dazu – einen Wintergarten nur.

Heute morgen im grau nassen Septembertag
hörte ich an der Scheibe einen dumpfen Schlag.
Dies war leider nicht das allererste Mal.
Die gläserne Front brachte schon des öfteren Qual.
Am Boden lag wiederholt ein kleines Federtier.
Die Unfallstelle war die Glaswand hier.
Ich nahm das Opfer besorgt in die Hand.
Es war bewusstlos, ganz ohne Verstand.
Ein Trauerschnäpper erst ganz benommen
ist langsam zurück ins Leben gekommen.
Er schaute mich mit seinen schwarzen Augen an.
Gab mir zu verstehen, dass er nichts kann. Weiterlesen