Körnerfresser

Körnerfresser

Jeden Tag meist zur gleichen Zeit
mach ich mich wieder zum Füttern bereit.
Der Hühnerstall liegt ein paar Schritte vom Haus.
Ich laufe zum Stall immer nur geradeaus.
Vom Federvieh werde ich gackernd empfangen
Denn da werd ich ins Kornfass tief hinein langen,
um dann Getreide weit zu verstreuen.
Hastiges Picken wird mich dann wohl erfreuen.
Da kein Mangel herrscht, fehlt jeder Futterneid.
Alle Hühner fressen voller Zufriedenheit.

Doch da sind noch zwei Haustiere der besonderen Art,
ein älterer Ganter, den das Schicksal traf hart.
Vor Jahren verlor er seine Frau durch Fuchsattentat
Eine Virus raubt ihm ein Auge – so dass er eines nur noch hat.
Den Theo füttere ich. Er meldet sich sehr laut.
Er wird erst wieder ruhig, wenn er Körner schnell kaut. Weiterlesen

Das Ende einer Hühnergeschichte

p1150354Das Ende einer Hühnergeschichte

Heute hatten wir in unserem Hühnerstall einen Todesfall. Die seit über drei Monaten erkrankte Lakenfelder-Henne lag tot im Auslauf und hatte ihre Augen verschlossen.
Ihr Ende kam alles andere als unerwartet. Nach wochenlangen operativen Eingriffen in ihren Rachenraum nach Verabreichung von Antibiotika hatten wir lange die Hoffnung, es könnte noch eine Besserung eintreten. Weil aber die Wucherungen immer wieder neu ausgebildet wurden und sich auch an anderen Stellen ausbreiteten, wurde die Skepsis hinsichtlich eines Heilerfolges größer und größer.
Irgendwie hatten wir den Eindruck, als würde sich eine Art Krebsgewebe metastasenhaft vom Hals in Richtung Speiseröhre bewegen. Das leidende Tier konnte in den letzten Wochen kaum noch Körner herunterschlucken. Aufgeweichtes Brot oder ein glitschiger Regenwurm waren nach ein paar anstrengenden Schluckbemühungen dann doch auf dem Weg zum Magen. Trotz intensiver Nahrungsfürsorge magerte das etwa acht Jahre alte Tier zusehend ab. Es war schon bald leichter als jedes ihrer Küken, die vorgestern drei Monate alt wurden und alles Kükenhafte abgelegt haben. Neben der Erkrankung der alten Henne ist sicher das schon hohe Alter des Huhns Ursache für den eingetretenen Tod. Das Tier konnte sich wohl kaum noch wehren gegen die Wucherungen im Halsbereich. So grausam es klingt, unser Huhn ist trotz reichlicher und hochwertiger Nahrung letztlich verhungert. Ich interpretiere diesen Tod als relativ natürlich. Das Tier konnte sich nicht mehr helfen – wir waren am Ende auch machtlos. Wie viele Hühner haben eigentlich mehrfach Küken, leben im Harem eines Hahnes und haben im Laufe ihres Lebens eine bestimmte gesellschaftliche Position im Hühnervolk erreicht? Weiterlesen

Eine kranke Hühnergeschichte

P1150353Eine kranke Hühnergeschichte

Als wir aus dem Urlaub zurückkamen, meinte unser Sohn, ein Huhn würde seit etwa zwei Wochen glucken. Wir dachten sofort, das ist eines der Zwerghühner. Die wollen eigentlich immer im Sommer und sitzen ständig auf Nestern, in denen ein paar Eier liegen. Als ich am nächsten Tag mal nachschaute, wer da Nachwuchs ausbrüten wollte, war ich doch ziemlich überrascht. Die letzte der Lakenfelderhennen – schon fortgeschritten alt – saß auf einem Hühnernest fest entschlossen zu brüten. In den nächsten Tagen beobachtete ich sie. Wenn die alte Dame mal kurz zum Fressen ihre Brutstätte verließ, setzen sich Kolleginnen von ihr auf die angebrüteten Eier und fügten ein frisches hinzu. Sowie das Nest besetzt war, setze sich die alte Glucke auf ein benachbarter Nest, einfach um weiter zu brüten. Ihr eigentliches Nest drohte dann auszukühlen. Ich musste dann geschwind die Eier unter ihrem Bauch entfernen und sie aus dem falschen Nest vertreiben. Danach kroch sie wieder auf das richtige Nest und wärmte die wachsenden Embryonen. Ich hatte immer wieder die Sorge, dass die Eier in der wärmelosen Zeit Schaden nehmen und die Entwicklungsstadien absterben. An einigen Tagen musste ich diese Korrekturmaßnahmen durchführen – immer mit dem bösen Gefühl, dass ich zu spät kommen würde und der Bruterfolg längst passe war. Wann der Schlupftag kommen würde, wusste ich nicht genau. Wenn ich über das Gelege so resümierte, kam ich zu folgender Bilanz: Die Eier waren nicht immer bebrütet. Eine ungewisse Zahl an Eiern sind während der Brutphase noch dazu gelegt. Ich hatte das Gefühl, dass einige Eier kaum zum Schlüpfen kommen würden. Waren die anderen überhaupt alle befruchtet? Was passieret mit den später dazu gelegten, wenn die ersten Küken schlüpfen? Weiterlesen

Hühnerkükenglücksgefühle

P1100665Hühnerkükenglück

Irgendwann im Sommer ist es soweit:
eine Henne wird gluckig, ist zum Brüten bereit.
Sie wärmt das Gelege nun über Tag und bei Nacht
Nach drei Wochen langer Sitzung ist es dann vollbracht.
Mit dem Eizahn wird von innen die Schale gesprengt.
Das Küken lebte dort ziemlich eingeengt.
Aus flauschigen Federn piept es sogleich.
Sie erkunden sofort schon das Erdenreich.
Die Mutter ist besorgt macht die Flügel breit.
Die Küken schlüpfen drunter unters Flügelkleid.
Die Henne hat als Mutter ihre Sprache moderiert –
ganz neue Töne für die Kinder werden ausprobiert.
Da ist eine helles Locken, damit zeigt sie an,
dass sie einen leckeren Fund hat getan.
Den legt sie den Kleinen vor den Schnabel hin.
Selbst ihn zu fressen, kommt ihr nicht in den Sinn.
Die Küken wachsen schnell – denn ihre Mutter sorgt gut.
Sie hat von der Kinderliebe reichlich im Blut. Weiterlesen

Wolle kriegen

P1120447Wolle kriegen

Ein Schaf erfreut im Mai nichts mehr
als ein Besuch beim Wollfrisör.
Ein ganzes Jahr schwoll ihm sein Fell
bei wenigen schwarz, den meisten hell.
Wenn bald die Sommersonne brät,
manch Schaf in Hitzestau gerät.
Da helfen nur noch scharfe Messer –
ist Wolle ab, dann geht´s sich besser.
Solch Schaf ist plötzlich nicht mehr rund.
Das kommt vom Haarescherenschwund.
Danach sind sich die Tiere fremd.
Sie kennen sich so ganz enthemd
auf einmal überhaupt nicht mehr.
Da boxt es Kämpfe kreuz und quer.
Man stößt den unbekannten Feind –
war vorhin friedlich noch vereint –
erst mal so richtig vor den Kopf.
Zwischen den Bösen passt kein Knopf. Weiterlesen

Die schmucke Schildkröte

SchildkröteDie schmucke Schildkröte

Mitten im Park an einem algigen Teich
lag sie in der Sonne wie in der Wüste der Scheich.
Der Körper im Panzer aus einem Guss.
So knackt wohl keiner die harte Nuss.
Die gelbbauchige Schmuckschildkröte
entledigt sich so aller Nöte.
In Mailands Park da geht sie fremd.
Trug früher sie ihr Kinderhemd,
da trieb sie sich noch anders rum
zum Beispiel im Aquarium.
Als Kind war sie im Zoogeschäft,
wo Katz miaut und Welpe kläfft.
Dort kaufte sie bald irgendwer.
Das Krötchen klein noch gar nicht schwer.
Im Wohnzimmer im kleinen Becken
ließ es sich Trockenfutter schmecken.
Auch gab es sonntags Mückenlarven,
die den Geschmack der Kröte trafen. Weiterlesen

Schäbige Zeiten für Kakerlaken

SchabeSchäbige Zeiten für
Kakerlaken

So ein schäbiges Dasein
ist schon gemein,
grübelte das braune Insekt.
Was eigentlich in mir steckt,
will keiner wissen.
Nicht die kleinsten Bissen
in den Küchenecken
sollen mir schmecken.
Nur in dunkler Nacht –
hab ich gedacht,
wag ich mich raus.
Alles schläft im Haus.
Meine langen Antennen
erkennen,
den kleinsten Futterrest,
den man mir lässt.
Etwas staubiges Mehl
macht mich fidel.
Ein Krümel vom Brot
bringt den Magen ins Lot. Weiterlesen

Der Brummer

BrummerDer Brummer

Er kann gar nichts dafür –
Zu offen steht die Küchentür.
Der Braten kühlt grad auf dem Tisch,
Ist knusprig, lecker, noch ganz frisch.
Es strömt herum der Fleischesduft
Zu denen, die man lockend ruft.
Der Brummer lässt sich nicht lang bitten,
Sitzt bald ganz tief und zwar inmitten
Der eng verschmorten Bratenspalten,
die langsam immer mehr erkalten.
Der Brummer versteckt dort die Eier.
Die Maden sind demnächst die Geier
Von diesem guten Bratenstück
Das wär des Brummers höchstes Glück.
Kulinarisch schlimmes Missgeschick
Für den, der dieses hat gekocht –
Auf Sauberkeit er stets gepocht. Weiterlesen

Fleischfresser

FiletstückeFleischfresser

Mehr als
60 Kilo Fleisch pro Jahr
hat jeder Deutsche just zerkaut.
Ohne Knochen, Haut und Haar
Wird Qualität oft gern verdaut.
Für gutes Eiweiß gibt es Spender –
Mal Rind, mal Schwein oder ein Hahn.
Rollen die über Schlachthausbänder,
Ist Tötung sicher schnell getan.
Vom Tier kommt wirklich nur das Beste,
das Auserwählte zum Genuss.
Leben war lang nur ein Gemäste,
weil das Gewicht stets stimmen muss.
Hinterm Steak steckt kaum noch Wesen
Tierperson mit Seelenteil. Weiterlesen

Federn lassen

Federn lassen

Noch ganz früh zu grauer Stund,
bellt im Umkreis noch kein Hund.
Ein Hahnenschrei aus unsrem Stall
Bekommt von fern den Echohall.
Ein dritter, vierter kräht im Chor
Den Morgengruß mir tief ins Ohr.
Kaum hat der eine ausgeschmettert,
da wird von drüben her gewettert.
Die Hennen singen gurgelnd leise
Ein Zeterlied auf ihre Weise.
Jetzt im August kommt Mauserzeit
Da gibt’s ein neues Federkleid.
Der stolze Hahn schaut bös gerupft.
Hat loses Zeug schon selbst gezupft.
Die Hennen wollen nicht mehr legen,
weil sie ihr Outfit stärker pflegen. Weiterlesen