Letzte Liebe

Letzte Liebe

Gut eine Woche ist es her
da schien des Sommers Wiederkehr.
Flauschig weich die warmen Lüfte
Manch Herz noch einmal kräftig hüpfte,
weil die Sonnenstrahlen Hitze brachten.
Die blutroten Heidelibellen dachten:
Dieses ist die letzte Gelegenheit
für ganz intime Zweisamkeit.
Zu Mittag sah ich Hochzeitsflüge
im Minutentakt – wenn ich nicht lüge.
Die Weibchen tupften dann die Eier
zwischen Seerosenblättern in den Weiher. Weiterlesen

Vom Werden und Vergehen

Vom Werden und Vergehen

Ich hatte Pilze für dieses Jahr längst abgeschrieben.
Bei anhaltender Dürre sind sie ratlos im Boden geblieben.
Verharrten dort sehnsüchtig auf ihr Lebenselixier –
all diese seltsamen Wesen zwischen Pflanzen und Getier.
Endlich lieferten dunkle Wolken ergiebige Güsse
Vertrocknete Bäche flossen wieder hinab in die Flüsse.
In verbrannten Wiesen kehrte saftiges Grün zurück.
Auch der Regenwurm fand im Erdreich sein altes Glück.

Es regnete weiter. Selbst der wasserferne Untergrund wurde nass
und im myzelreichen Bodenhorizont tut sich endlich was.
Pilze erwachen jetzt sehr schnell zur Fortpflanzungslust.
Zu Ende geht nun auch bei den Pilzliebhabern der Sammelfrust. Weiterlesen

Herbstastern

Herbstastern

Als hätte die Flora letzte Farbe bunt aufgemischt,
ehe dem späten Sommer die Strahlkraft erlischt,
da tupfen Astern noch rosa, violette Töne,
erfinden spät im Jahr erneut das Schöne.
Es heißt, Abschied zu nehmen, Ernte einzubringen
Bei soviel Buntheit will das nicht leicht gelingen.
Am Blütentisch verweilen nur noch ein paar Kunden
Schwebfliegen lassen es sich noch einmal munden. Weiterlesen

Herbstschatten

Herbstschatten

Oktobersonnenstrahlen –
ein letztes Mal Sandalen –
goldgelbe Quitten brechen –
Wespen längst nicht mehr stechen.
Späte Libellen tanzen.
Sie haben kaum noch Chancen
für einen Hochzeitsflug.
Natur lebt auf Entzug.
Herbstblutige Blätter fallen
in kürzeren Intervallen.
Sie decken Boden zu.
Auch der kommt nun zur Ruh.

Wolkenbäuche schieben
den Regen, den sie lieben,
von Westen in den Osten
Plusterige Amseln kosten
Fallobst, das Esser braucht,
damit die Zukunft taugt. Weiterlesen

Ein Baum kann ziemlich schnell

Ein Baum kann ziemlich schnell

Ein Baum kann ziemlich schnell
sein Blätterkleid ausziehen.
Gestern war alles Laub noch sonnenhell,
als hätte es wohl lauter Gold geliehen.
Der Gingko steht an unseres Nachbarn Seiten.
Vor kurzem war sein Blattbehang noch grün.
Fast plötzlich änderten sich dann die Zeiten
Der ganze Baum nur noch im gelbsten Gelb erschien.
Was war das jetzt ein spätherbstliches Leuchten.
Von Blatt zu Blatt raschelte leis der Wind .
Nur stramme Windböen die scheuchten
die ersten Blätter von den Zweigen geschwind.
Dann kam zur Nacht nur kurz der Frost vorbei.
Er ließ so feines Eis zu weißer Zuckerhaut hier reifen.
Nun fühlen all die Blätter sich wie Blei
Ein leichter Hauch konnte sie vom Aste streifen. Weiterlesen

Galläpfelchen

Galläpfelchen

Wie Hexenwerk erschien mir das,
was ich als Kind schon oft entdeckte.
Die Unterseite eines Blattes zeigte etwas,
das meine Neugierde ziemlich weckte.
Da klebten Kugeln rund und grün,
wie von Geisterhand dort hin fixiert.
Im Herbst fingen sie sogar an zu glühen.
Ein Scharlachrot die Bäckchen ziert.
Heut nahm ich Herbstlaub in die Hand,
wollte Farbenvielfalt blicken.
Was ich dann plötzlich darin fand,
ließ Inneres bald wieder ticken.
Eine Eichengallwespe war der Grund
für das Kügelchen am Blatte.
Die Kinderstube wuchs ganz rund. Weiterlesen

Herbstliche Blütenquelle

Herbstliche Blütenquelle

Den mörderischen Trockensommer überlebt
hat eine bodendeckende Aster an steiniger Stelle.
Spät im Oktober- wenn das Herbstlaub windgefegt
schäumt diese Pflanze blütenvoll wie eine Quelle.
Blätter sind kaum noch zu erkennen.
Zu dicht ist hier der Blütenfluss.
Man könnte dies fast einen Gletscher nennen.
Vom Stein herab ergießt sich weißer Blumengruß.

Im Blütenmeer sperren sich alte, braune Blätter.
Sie warten nur noch auf den modrigen Zerfall.
Doch heute ist noch sonnig, warm das Wetter.
Kleine Aster lädt ein in einen Blütenwasserfall. Weiterlesen

Tropfenküsse

Tropfenküsse

Ewig und drei Tage her ist der Tag,
an dem am Himmel etwas Graues lag.
Heute am Morgen war es endlich so weit
Feiner Nieselregen beendet die Trockenheit.
Ich spürte den ersten Regenstaub –
Noch raschelte knisternd vergängliches Laub.
Am Tage zuvor hatten die Winden gelacht
In der milden Brise haben sie gedacht,
der Sommer würde wohl nie vergehen.
Sie haben auch muntere Bienen gesehen.
Im Morgengrauen kam die Kaltfront daher
hatte Wolkendickicht gar regenschwer. Weiterlesen

Oktoberlibellen

Oktoberlibellen

Viel Birnenlaub fällt buntgegerbt
Herbstastern lila grüßen
Der wilde Wein heiß durchgefärbt
Walnuss rollt mir zu Füßen.
Die Sonne bricht durch Wolkenspalt
erhellt den müden Garten.
Bald tanzt die erste Lichtgestalt
und kann es kaum abwarten,
bis noch ein Tier hier kurvt und kreist.
Oktoberlibellen balzen spät.
Stare sind noch nicht abgereist
Ein Rabenvolk laut mit sich kräht.
Am Teich ist heute recht viel los. Weiterlesen

Kastanien blühen am 11. September

Kastanien blühen am 11. September

Seit wenigen Tagen
wird es zaghaft wieder grün.
Fast Aufgegebenes fängt noch mal an zu blühn.
Schier endlose Dürre hat die Natur irritiert,
dass sie ihre eigene Ordnung verliert.
Der fehlwüchsige Mais, längst siliert,
ist verschwunden.
Nun klaffen am Boden landwirtschaftliche Wunden.
Vorgestern radelte ich in die Stadt.
Die Langsamkeit der Bewegung hat
mir schon oft den Blick
für Randständiges geweitet,
so dass mich vieles im Kopf länger begleitet.
An diesem Tag sah ich plötzlich
einen schneeweißen Baum.
Erst dachte ich, das wäre nur ein Traum.
In Gedanken tief versunken
tauchen Bilder oft auf –
jenseits vom aktuellen Zeitverlauf. Weiterlesen