Oktoberlibellen

Oktoberlibellen

Viel Birnenlaub fällt buntgegerbt
Herbstastern lila grüßen
Der wilde Wein heiß durchgefärbt
Walnuss rollt mir zu Füßen.
Die Sonne bricht durch Wolkenspalt
erhellt den müden Garten.
Bald tanzt die erste Lichtgestalt
und kann es kaum abwarten,
bis noch ein Tier hier kurvt und kreist.
Oktoberlibellen balzen spät.
Stare sind noch nicht abgereist
Ein Rabenvolk laut mit sich kräht.
Am Teich ist heute recht viel los. Weiterlesen

Kastanien blühen am 11. September

Kastanien blühen am 11. September

Seit wenigen Tagen
wird es zaghaft wieder grün.
Fast Aufgegebenes fängt noch mal an zu blühn.
Schier endlose Dürre hat die Natur irritiert,
dass sie ihre eigene Ordnung verliert.
Der fehlwüchsige Mais, längst siliert,
ist verschwunden.
Nun klaffen am Boden landwirtschaftliche Wunden.
Vorgestern radelte ich in die Stadt.
Die Langsamkeit der Bewegung hat
mir schon oft den Blick
für Randständiges geweitet,
so dass mich vieles im Kopf länger begleitet.
An diesem Tag sah ich plötzlich
einen schneeweißen Baum.
Erst dachte ich, das wäre nur ein Traum.
In Gedanken tief versunken
tauchen Bilder oft auf –
jenseits vom aktuellen Zeitverlauf. Weiterlesen

Am Boden

Am Boden

Rot, gelb, grün mit schwarz vereint –
das ist gar nicht politisch gemeint.
Am Boden liegt dies Farbenspiel
als Quittenblatt mit kurzem Stiel.
Sondieren kann ich bunte Töne,
das späte Jahr kreiert das Schöne.
An die Tür klopft baldig der Advent.
Im alten Laub viel Feuer brennt.
Parteienfarben werden nicht vermischt.
Vertrauen mehr und mehr erlischt,
als dass Gemeinsames verbindet –
Erreichbares schlussendlich schwindet.
Das Blatt am Boden hat es eher leicht.
Alle Verhärtungen werden aufgeweicht.
Windbeschwingtes Leben vor dem Fall.
Vorm Tode geht`s zum Faschingsball. Weiterlesen

Vor dem Fall

Vor dem Fall

Das meiste ist längst weggefegt.
An manchem Ast wird noch bewegt,
was lang den Baum in Grün bekleidet,
sich mehr und mehr nun unterscheidet
von einstiger, frischer Jugendzeit.
Zum Fallen ist das Blatt bereit.
Das Sonnenlicht dunstweich getönt
den Abschied heute sehr verschönt.
Blätterleiber sanft durchstrahlt
werden im Leuchten bunt durchmalt.
Ob Orangengelb oder lichtes Braun
die Blätter sind hübsch anzuschauen. Weiterlesen

Blattblut

Blattblut

Die süßen Trauben sind schon längst verspeist,
Drosselmitesser ebenfalls verreist.
Doch kann der Rebstock noch einmal verschenken,
wenn wir dabei an seine Herbstblätter nur denken.
Was im Oktober mittendrin im Blatt passiert,
wie sich das Bild von Tag zu Tag noch mehr verziert,
das ist schon einer Betrachtung wert –
Schönheit sich schwelgerisch vermehrt.
Ich halte Rebblätter so ganz direkt ins Sonnenlicht,
bis sich Gestrahle in den Zellen bricht.
Grüne Gewebeteile springen urplötzlich grell ins Rot.
So fröhlich bunt färbt selten sich sonst Tod.
Die alten Blätter scheinen innerlich zu bluten.
An vielen Stellen will hier Rot breit fluten.
Aus einem winzig kleinen ersten Areal
schießt bald das Feuer wild als heißer Strahl.
Zwischen Grün und Rot scheint es an Farben nichts zu geben. Weiterlesen

Abschlussball

Abschlussball

Der Ballsaal wird prachtvoll erleuchtet.
Vögel musizieren vom Rande her.
Morgendunst hat Schilf befeuchtet.
Die Sonne schlürft die Tropfen leer.
Wo aufgespielt, da will man tanzen
Ein Mückenschwarm hüpft auf und ab.
Auf wenn verwelkt, vergilbt die Pflanzen
kommt jetzt die Laune bald auf Trab.
Die Wasserjungfern, die Libellen
stürmen liebestoll nun das Parkett.
Über den an sich ruhigen Wellen
wird Rendezvous bald ziemlich nett.
In wilden Kurven, steilen Stürzen
jagt Libellenmann die Jungfer heiß. Weiterlesen

Oktobermohn

Oktobermohn

Was blüht denn da so feuerrot –
der Anblick, der sich mir heut bot,
gaukelt zurück mich in den Mai,
der hatte soviel Mohn dabei.
Vom Oktober sind zwei Wochen passe.
Seit Tagen Weinlaub ich anseh,
wie es vom Grünen springt ins Rot.
Das Blattwerk ist dabei fast tot.
Doch hier wird Leben explodiert.
Die Blüte spät noch triumphiert
und wird belohnt vom schönsten Tag,
den dieser Herbst uns schenken mag.
Auch Bienen freuen sich noch spät.
Vom Efeu schwerer Duft her schwebt,
der meldet gar ein Blütenmeer.
Das lockt von nah und fern daher.
Oktobermohn er leuchtet weit.
Das Sonnenlicht in dieser Zeit
erreicht längst nicht mehr den Zenit,
den sommertags die Kugel ritt. Weiterlesen

Feuerwanzen-Tete a Tete

Feuerwanzen-Tete a Tete

Mehr als zwanzig Feuerwanzen
treffen sich zum Tete a Tete.
Wollen heute nicht mehr tanzen
sagen Frischluft bald ade.
In der warmen Mittagssonne
suchen sie die beste Stelle.
Sie erleben letzte Wonne
durch die liebe Hitzequelle.
Ständig gibt es ein Gedränge
um den Platz im Sonnenstrahl.
Körper werden zum Gemenge
Bleiberecht gerät zur Qual.
Ist der Tag vielleicht der letzte,
bevor die Wanzen sich verziehn?
Auch wenn ich die Tiere schätze,
andere ekelnd davor fliehn. Weiterlesen

Das Espenlaub

Das Espenlaub

Das Espenlaub es zittert nicht.
Im warmen Strahl vom Sonnenlicht
liegt es am Boden nach dem Sturm.
Dort wartet stumm der Regenwurm.
Von Rot bis Gelb ja fast in Gold –
ist dieses Färbespiel gewollt? –
zeigt sich ein jedes einzelne Blatt,
das hier der Herbst verzaubert hat.
Was hier am Boden liegt ist tot –
strahlt dennoch wild im Feuerrot.
Nie war das Blatt zuvor so schön.
Sein Farbenkleid will ich ansehen,
bis ich der feinsten Koloratur
mit meinem Sinn komm auf die Spur.
Ein jedes Blatt im Herbstesschmuck
gleicht einem Farbfingerabdruck.
Hunderttausend dieser Espenblätter
gezeichnet bunt durch Wind und Wetter
sind für sich unverwechselbar.
Kein zweites kommt dem ersten nah. Weiterlesen

Bäumemeer

Bäumemeer

Fast wie mit Adleraugen durfte ich sehen
ins Meer von Bäumen aus luftigen Höhen.
Nie zuvor stand ich so hoch über den Kronen,
fühlte mich kreiselnd fast schon so wie Drohnen.
Jeder Baum zeigte mir seinen eigenen Kopf
Zweige umwogten mähnenhaft den Schopf.
Noch ist vom Herbst das Laub kaum koloriert.
Leuchtendes Gelb sich ränderlich verliert.
Bald färben sich synchron unendlich viele Blätter –
warten bunt auf Altweibersonnenwetter. Weiterlesen