In guten Böden steckt der Wurm!

In guten Böden steckt der Wurm!

In meinem schon weit fortgeschrittenen Leben
sollte es immer wieder Begegnungen geben
mit Regenwürmern – manche davon blieben mir wach.
In meinen Erinnerungen blättere ich nun nach.
Mit vier, fünf Jahren – es kreisen immer noch Bilder in mir-
gab es ein Erlebnis – ich erzähle es hier.
In der Kinderhorde wurden Mutproben gemacht.
Da hat sich einer von uns ausgedacht,
wer einen Regenwurm ungewaschen verschlingt,
es zu einem beträchtlichen Vermögen bringt.
Zehn Pfennige bekam damals, wer als erster schluckt
und den Wurm auch bloß nicht wieder ausspuckt.
Einer tat es geschwind steckte sich das Tier in den Mund.
Er blieb auch die Tage danach weiter gesund.
Vielleicht war ich es selbst, der den Gewinn gemacht.
Doch da herrscht keine Klarheit –
wir haben uns geschüttelt und gelacht.

In der Schule lernte ich den Wurm besser kennen.
Nach dem Studium konnte ich alle Einzelheiten benennen.
Dann lehrte ich Studenten die genaue Anatomie
darüber hinaus auch die Wurmbiologie.
Ich wurde fast zum Spezialisten, kannte mich sehr gut aus,
untersuchte fast jede Zelle seines Körperbaus.
Später wechselte ich zum Naturschutz, sollte helfen Boden zu schützen.
Jetzt konnten mir Regenwürmer schon wieder mal nützen.
Fotos und Filme wurden über den Lumbricus nun gemacht.
Ein Umweltbus im Zeichen des Wurmes schon lange Zeit Dienste macht.
Auf ein Poster: „Wir beleben die Böden in NRW“ gehörte der Wurm –
genauso zwingend wie zu Paris der Eiffelturm.
Ich zeichnete den Regenwurm rötlich bunt, nahm Farbstifte zur Hand.
Das Poster hängt inzwischen fast überall in Deutschland.

Wenn ich im Garten mal was zu graben und die Hühner frei gelassen hab,
dann ist das für alle Würmer ein ziemlich grausamer Tag.
Kaum ist ein Wurm in der Erde zu sehen, wird ein Huhn diese Beute schon erspähen.
Der Wurm wird gepackt und schnellstens verschluckt,
weil sonst jedes andere Huhn mit aller Kraft versucht,
den sich windenden Wurm aus dem Schnabel zu reißen.
Denn jedes möchte gern diesen Leckerbissen verspeisen.
Im Komposthaufen treffe ich auf jemand, der regenwurmverwandt
als Mistwurm Eisenia hier lebt auch Stinkwurm genannt.
Alle Regenwürmer produzieren den allerbesten Kot
Humus vom Feinsten – hier ist alles im Lot.
Tonmineralien mit Humus und Bakterienschleim vereint ,
ist für den Boden so wertvoll, als ob Gold in ihm scheint.

Meine vorerst letzte Begegnung mit dem Wurm war von einer anderen Art.
Unlängst lernte ich in einem Steinmetzkurs und der Anfang war hart.
Ich wollte eine Sandsteinstele irgendwie so behauen,
das ich Teile vom Regenwurm kann später beschauen.
Drei Tage wurde gemeißelt , gehämmert und am Ende geschliffen.
Danach hatte ich die Anfänge dieses Kunstgewerbes begriffen.
Nun windet sich ein Regenwurm ein Stück durch den Stein.
Es sollte ein kleines Denkmal für ein ganz besonderes Tier sein.
Schon Darwin war vom Lumbricus regelrecht fasziniert.
Er hat ihn in der Ackererde jahrelang genau studiert.
Auch ich steh dem Wurm immer noch ziemlich nah,
weil ich so viel aus seinem Leben bisher schon sah.

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Federn lassen

Federn lassen

Frühtau lastet tropfenschwer.
Er kommt aus kalter Nacht daher.
Im Wasserkleid liegt eine Feder da.
Für sie ist auch der Herbst ganz nah.
Die Feder hat nun ausgedient.
Ein neues Kleid gerade beginnt
so manchem Vogel frisch zu sprießen.
Erste Kiele kräftig schießen.
Manches Huhn schaut jetzt fast wie gerupft.
Wenn es dann im Gefieder zupft,
wird Feder um Feder ganz vogelfrei. Weiterlesen

Sieben auf einen Streich

Sieben auf einen Streich

Auf einmal eine flatterige Kinderstube –
ohne zu wissen, was Mädchen oder Bube –
sechs Hühnerküken und ein Dohlenkind
bringen Leben in die Bude und ganz neuen Wind.
Allen diesen Vögeln fehlen die Elternteile.
Uns stehlen sie jegliche Langeweile.
Wir haben das junge Federvieh adoptiert.
Mal abwarten, was aus allem mal wird.
Bei den Hühnchen da kenne ich vielleicht die Prognose.
Bei den Hähnchen ist das weitere Schicksal
wohl noch ziemlich lose.
Der Chef im Ring, der Vater der Kleinen
wird männlichen Zuwachs im Stall nur verneinen. Weiterlesen

Ei – gentlich…

Ei – gentlich

Eigentlich habe ich darüber nie näher nachgedacht.
Seit nunmehr 33 Jahren habe ich frische Eier ins Haus gebracht.
Die hatten meine Hühner immer ohne Murren gelegt.
Dafür bekamen sie gutes Futter und ein Hahn war öfter aufgeregt.
In all den Jahren hat auch schon mal eine Henne gegluckt.
Sie hat sich dann drei Wochen über die Eier geduckt.
Dann gab es Küken, die haben Freude ins Leben gebracht.
Der Stall wurde voller. Für Habicht und Fuchs hat das Interesse entfacht.

In diesem so anderen Jahr hatten wir für den Garten mehr Zeit.
Da waren wir für eine Brutzeit im Mai auf einmal bereit.
Ein Nachbar brauchte seine kleine Brutmaschine nicht mehr.
Die Anleitung zur Bebrütung las sich nicht besonders schwer.
Bald waren neun Eier in den Brutkasten vorsichtig deponiert.
Wir warteten 20 Tage, was dann am 21. Tag wohl passiert. Weiterlesen

Hühneraugen

Hühneraugen

Wer an Hühneraugen denkt,
meist seine Blicke auf die Zehen senkt.
Hier entstehen böse Reibungsflächen,
rote Beulen, die nur so vor Schmerzen stechen.
Ich denke an alte Zeitungsreklame
vom Hühneraugenpflaster stand da der Name.
Auch gab es Tropfen zur Linderung
Die gab es aufs Auge zur Besserung.
Nach ein paar Tagen löste sich dann die tote Haut.
Das Hühnerauge war pellig abgebaut.

Eigentlich sind Hühneraugen doch recht munter.
Tausende Male geht der Kopf tagsüber runter,
weil der Vogel etwas Interessantes sieht
und mit dem Schnabel bald etwas geschieht. Weiterlesen

Körnerfresser

Körnerfresser

Jeden Tag meist zur gleichen Zeit
mach ich mich wieder zum Füttern bereit.
Der Hühnerstall liegt ein paar Schritte vom Haus.
Ich laufe zum Stall immer nur geradeaus.
Vom Federvieh werde ich gackernd empfangen
Denn da werd ich ins Kornfass tief hinein langen,
um dann Getreide weit zu verstreuen.
Hastiges Picken wird mich dann wohl erfreuen.
Da kein Mangel herrscht, fehlt jeder Futterneid.
Alle Hühner fressen voller Zufriedenheit.

Doch da sind noch zwei Haustiere der besonderen Art,
ein älterer Ganter, den das Schicksal traf hart.
Vor Jahren verlor er seine Frau durch Fuchsattentat
Eine Virus raubt ihm ein Auge – so dass er eines nur noch hat.
Den Theo füttere ich. Er meldet sich sehr laut.
Er wird erst wieder ruhig, wenn er Körner schnell kaut. Weiterlesen

Drei Minorkas

Drei Minorkas

Vorgestern wusste ich wirklich noch nicht,
dass ich seit gestern drei Minorkas besitze.
Der Züchter sagte mir, dass er wohl bricht
den unverkäuflichen Hühnern das Genick – doch so beschützte
ich die Tiere vor einem allzu frühen Tod.
Diese Minorkas waren ein wenig weg vom Ideal.
Was jedes Huhn den unbarmherzigen Preisrichtern bot,
war nur zweite Wahl mit zu niedriger Punktezahl.
Für solche Hühner gibt es keinen Pokal, keinen Preis.
Sie sind zwar blutjung, gesund und ziemlich schön.
Doch wohin mit dem Ausschuss, niemand recht weiß.
Um ein Hühnerleben ist es eben schnell geschehn.

Diese Hühner landeten noch auf einem Kürbisfest.
Sie waren von der Prämierung der hässliche Rest.
Die Minorkas gab es heute für sehr kleines Geld.
So entsorgt man Nichtsieger aus dieser Welt.
Welches Huhn am Ende keinen Käufer fand,
das spürte in Kürze des Schlächters Hand.
Ich war begeistert von den hübschen Tieren,
wollte nicht, dass sie ihr Leben verlieren. Weiterlesen

Eine kranke Hühnergeschichte

P1150353Eine kranke Hühnergeschichte

Als wir aus dem Urlaub zurückkamen, meinte unser Sohn, ein Huhn würde seit etwa zwei Wochen glucken. Wir dachten sofort, das ist eines der Zwerghühner. Die wollen eigentlich immer im Sommer und sitzen ständig auf Nestern, in denen ein paar Eier liegen. Als ich am nächsten Tag mal nachschaute, wer da Nachwuchs ausbrüten wollte, war ich doch ziemlich überrascht. Die letzte der Lakenfelderhennen – schon fortgeschritten alt – saß auf einem Hühnernest fest entschlossen zu brüten. In den nächsten Tagen beobachtete ich sie. Wenn die alte Dame mal kurz zum Fressen ihre Brutstätte verließ, setzen sich Kolleginnen von ihr auf die angebrüteten Eier und fügten ein frisches hinzu. Sowie das Nest besetzt war, setze sich die alte Glucke auf ein benachbarter Nest, einfach um weiter zu brüten. Ihr eigentliches Nest drohte dann auszukühlen. Ich musste dann geschwind die Eier unter ihrem Bauch entfernen und sie aus dem falschen Nest vertreiben. Danach kroch sie wieder auf das richtige Nest und wärmte die wachsenden Embryonen. Ich hatte immer wieder die Sorge, dass die Eier in der wärmelosen Zeit Schaden nehmen und die Entwicklungsstadien absterben. An einigen Tagen musste ich diese Korrekturmaßnahmen durchführen – immer mit dem bösen Gefühl, dass ich zu spät kommen würde und der Bruterfolg längst passe war. Wann der Schlupftag kommen würde, wusste ich nicht genau. Wenn ich über das Gelege so resümierte, kam ich zu folgender Bilanz: Die Eier waren nicht immer bebrütet. Eine ungewisse Zahl an Eiern sind während der Brutphase noch dazu gelegt. Ich hatte das Gefühl, dass einige Eier kaum zum Schlüpfen kommen würden. Waren die anderen überhaupt alle befruchtet? Was passieret mit den später dazu gelegten, wenn die ersten Küken schlüpfen? Weiterlesen

Der Hahn ist tot …

Hahn

Der Hahn ist tot …

Vier Hennen trauern um ihren Hahn
Er opferte sich im Fürsorgewahn.
Kurz nach dem Dreikönigstag
Kam der Habicht, der gerne Hühner mag.
Die Eierleger achten sehr die Gefahr –
Der Hahn ist für die Hennen immer ganz nah.
Wenn das Federvieh verlässt den Stall,
dann suchen sie Deckung im Büschewall.
Dort erspäht der hungrige Habicht sie nicht.
Viel dichtes Gestrüpp, das nimmt ihm die Sicht.
Doch der Weg in den sicheren Stall zurück,
der bringt den Hühnern immer wieder Unglück.
Der Hahn geht beim Heimweg mutig voran.
Das wurd ihm zum Schicksal am Ende dann. Weiterlesen

Herzzerreißend

Herzzerreißend

Wie schön ist doch die Autonomie
Für den mit eigenem Federvieh.
Gemütlich klingt die Gackerei
Nur lauter, wenn gelegt ein Ei.
Der stolze Hahn kräht auf dem Mist,
Da weiß Huhn, wer der Herr hier ist.
Das Hühnervolk könnt glücklich sein,
Griff nicht der böse Vogel ein.
Ein Bussard sieht das Hühnerglück
Von oben her mit scharfem Blick.
Schon treibt er eines in die Enge
Und seine scharfen spitzen Fänge
Ergreifen schnell das arme Huhn.
Der Schnabel hat den Rest zu tun.
Die Federn werden rasch gerupft
Und erstes Fleisch dem Bauch entzupft.
Ich komm zu spät – kann nichts mehr retten –
Seh nur noch diese Meuchelstätten.
Vergrab das Huhn und bin so traurig –
Was ich erlebt, war einfach schaurig.
Ich weiß dazu, dass irgendwann
Der Habicht stürzt – ein Huhn ist dran.
Er reißt das Tier und mir das Herz.
Ich bin ganz taub vor lauter Schmerz.
Ein dichtes Gatter muss wohl her.
Den Freilauf gibt es dann nicht mehr.
Das Hühnerleben wird bescheiden –
Dafür braucht keines mehr zu leiden.
Für Freiheit ist der Preis zu hoch.
Das Opferblut das zeigt es doch.
Den Habicht möchte ich nicht mehr füttern –
Den Hühnerfrieden nicht erschüttern.
Manch Huhn entspannt am Boden scharrt
Gesichert gut durch Maschendraht.
Was nützt dem Huhn die große Wiese,
Kommt angeflogen dieser Fiese?