Der Boden isst

Der Boden isst!

Am Ende stürzt die Frucht vom Baum.
Auch endet nun der Blätter Traum,
sich endlos weich im Wind zu wiegen.
Vom Zweig gebrochen viele liegen
als Gefallene im gemeinsamen Verbund.
Boden nimmt alles in seinen Mund.
Diese Streuschicht die verschlingt er bald.
Alles Abfällige lässt ihn nicht kalt.
Was hier die Erde reichlich bedeckt,
verschiedenen Essern richtig gut schmeckt.
Zwar holen Vögel sich noch von den Früchten,
die schimmelnd schon ins Jenseits flüchten.
Auch Ratten wittern ein Abendessen,
haben nagend vor den Quitten gesessen.
Doch nun kommt das Zersetzerkollektiv –
so mancher hat seinen Gesellenbrief
im Shreddern, Raspeln oder Schneiden. Weiterlesen

Das alte Blatt

Ein altes Blatt

Ein altes Blatt wehte der Wind
so ganz geschwind
ins Haus hinein.
Es sollte so sein.
Da lag es nun ganz regungslos
Kein Hauch gab ihm einen weiteren Stoß,
um durch die Welt zu treiben,
mit anderen Blättern sich zu reiben.
Was mach ich mit dem Blatt?
Findet der Abtransport jetzt statt?
Werfe ich das welke, braune Stück
in die Außenwelt einfach zurück?
Es kann so nicht liegen bleiben.
Wir beide müssen voneinander scheiden.
Hier bleibst du einfach unschöner Schmutz.
Der nächste Zimmerputz
wird dich abfällig bald entsorgen.
Dir bleibt kaum Zeit bis morgen.

Wenn ich dich in den Garten bringe,
verändern sich schnell viele Dinge. Weiterlesen

Rotes Kraut im Dünensand

Rotes Kraut im Dünensand

Wer seine Augen neugierig gebraucht,
seine Blicke bis aufs kleinere Erdreich taucht,
der findet auch im späten Lebenssegment
noch viele neue Dinge,
die der Sinn noch nicht kennt.
Auf Texel sind viele Wanderwege aus hellem Dünensand.
Nährstoffe im Boden sind nahezu unbekannt.
Der Regen wäscht den Humus in tiefe Bodenschichten.
Da kann er für viele Pflanzen nur wenig verrichten.
Wo Sand sich ziemlich verhärtet, fest verdichtet,
ein rotes Kraut von seiner Existenz zart berichtet.
Es wächst ultraflach, Stiele wagen sich nicht in die Höhen.
Von Blüten kann ich bislang leider nichts hier sehen. Weiterlesen

Tote Blüten

Tote Blüten

Unterm Birnbaum regnet es beträchtlich.
Ein schwacher Windhauch wirkt so mächtig,
dass tote Blütenstiele brechen –
wie brauner Schnee sind all die Flächen,
wo tagelang hier Leichen fallen.
Doch dieses Schicksal droht nicht allen.
Vielleicht eine aus tausend ist befruchtet
Ihr Blütenbauch scheint rund gebuchtet.
Da wächst nun eine kleine Frucht.
Die Biene hat sie gut besucht.
Was hat der Birnbaum toll geblüht!
Die ganze Krone grell geglüht
vor lauter Weiß wie lang nicht mehr.
Sah ich je zuvor solch ein Blütenmeer?
Doch diese Pracht ist nicht von Dauer.
Ich fühlte fast ein wenig Trauer,
als runter fiel viel weißer Schnee.
Die Kronenblätter sagten ade. Weiterlesen

Fruchtkörperlose Zeiten

p1150857Fruchtkörperlose Zeiten

So trocken war der Boden lange nicht,
dass lehmige Erde rissig zerbricht.
Was wir bis dato Rasen nannten,
zeigt sich als Wüste der Verbrannten.
Das Gras liegt welk und braun dazu.
Auf Weiden hungert manche Kuh.
September ist sonst Sammelzeit
für Pilze, die als Köstlichkeit
mit ganz besonderen Aromen
manchem Gericht schmackhaft beiwohnen.
Doch Sammelkörbe bleiben leer
Nichts wird es aus dem Pilzverzehr.
Suchen ist keinen Pfifferling wert –
auch wenn dies Schwammerl so begehrt.
Nicht mal Boviste, braune Kappen
können die Erntehände schnappen.
Geklagt wird, dass die Pilze fehlen.
Was nicht da ist, kann keiner stehlen. Weiterlesen

Auf der Straße gelandet

P1120835Auf der Straße gelandet

Über Nacht lag es da.
Keiner weiß, wo es vorher war
Novemberfrost hat es vereist
kurz, nachdem es verreist.
Es hat nicht mehr viel vor,
seitdem es jeglichen Halt verlor
Vom Winde orientierungslos verweht
das Schicksal hier weiter geht.
Vielleicht, um in der Gosse landen?
Auch andere Blätter fanden
ihre verletzte Ruhe dort,
fuhren gemeinsam zu einem Ort,
wo sie all ihre Strukturen verlieren
beim kommunalen Kompostieren.
Vielleicht ,wenn der Wind günstig weht,
auch noch etwas anderes geht. Weiterlesen

Krebse auf dem Holzweg

KellerasselnKrebse auf dem Holzweg

Was machen Krebse nur im Wald?
Sie lieben Wasser warm und kalt.
Ich finde sie an allen Küsten,
wo sie mit Scheren arg sich brüsten.
Auch Tümpel, Weiher das sind Stellen,
da schweben Krebse durch die Wellen.
Ob Hüpferling, ob Wasserfloh
sie schwimmen dort und sind sehr froh.
Doch auch im Wald am Fuß von Buchen
kann ich sehr viele Krebse suchen.
Dem Meer kehrten sie einst den Rücken
wollten an Land die Welt beglücken.
Sie wohnen gern in feuchter Erde
im Falllaub, Totholz hockt die Herde
von Kellerasseln dicht an dicht.
Sie scheuen nur das grelle Licht.
Morsches ist ihre Lieblingsspeise.
Im Asselmagen beginnt die Reise
vom Pflanzenrest zum Humus hin. Weiterlesen

Hochstapler

WurmkotHochstapler

Die Höhe von dem Eifelturm
Erreicht beileibe nie ein Wurm.
Er kann sich noch so kräftig regen –
Den Kot in tollste Schleifen legen –
So hoch hinaus da kommt er nicht.
Sein Haufen ist aus seiner Sicht
dennoch ein kleines Meisterwerk –
Steilwändig als Verdauungsberg.
Wurm hat am Humus wohl entdeckt,
dass nur das Beste in ihm steckt.
Zu allem, was den Darm verlässt,
er feinen Schleim dazu verpresst.
So bleibt sein Kot stets gut in Form –
Ein Wahrzeichen für den earthworm.
Hat es geregnet über Nacht,
der Lumbricus dann Dienste macht.
Gestapelt wird ums Röhrenende.
Der Wurm hat dazu wenig Hände.
Sein Anus ist enorm geschickt – Weiterlesen