Auf der Straße gelandet

P1120835Auf der Straße gelandet

Über Nacht lag es da.
Keiner weiß, wo es vorher war
Novemberfrost hat es vereist
kurz, nachdem es verreist.
Es hat nicht mehr viel vor,
seitdem es jeglichen Halt verlor
Vom Winde orientierungslos verweht
das Schicksal hier weiter geht.
Vielleicht, um in der Gosse landen?
Auch andere Blätter fanden
ihre verletzte Ruhe dort,
fuhren gemeinsam zu einem Ort,
wo sie all ihre Strukturen verlieren
beim kommunalen Kompostieren.
Vielleicht ,wenn der Wind günstig weht,
auch noch etwas anderes geht. Weiterlesen

Krebse auf dem Holzweg

KellerasselnKrebse auf dem Holzweg

Was machen Krebse nur im Wald?
Sie lieben Wasser warm und kalt.
Ich finde sie an allen Küsten,
wo sie mit Scheren arg sich brüsten.
Auch Tümpel, Weiher das sind Stellen,
da schweben Krebse durch die Wellen.
Ob Hüpferling, ob Wasserfloh
sie schwimmen dort und sind sehr froh.
Doch auch im Wald am Fuß von Buchen
kann ich sehr viele Krebse suchen.
Dem Meer kehrten sie einst den Rücken
wollten an Land die Welt beglücken.
Sie wohnen gern in feuchter Erde
im Falllaub, Totholz hockt die Herde
von Kellerasseln dicht an dicht.
Sie scheuen nur das grelle Licht.
Morsches ist ihre Lieblingsspeise.
Im Asselmagen beginnt die Reise
vom Pflanzenrest zum Humus hin. Weiterlesen

Hochstapler

WurmkotHochstapler

Die Höhe von dem Eifelturm
Erreicht beileibe nie ein Wurm.
Er kann sich noch so kräftig regen –
Den Kot in tollste Schleifen legen –
So hoch hinaus da kommt er nicht.
Sein Haufen ist aus seiner Sicht
dennoch ein kleines Meisterwerk –
Steilwändig als Verdauungsberg.
Wurm hat am Humus wohl entdeckt,
dass nur das Beste in ihm steckt.
Zu allem, was den Darm verlässt,
er feinen Schleim dazu verpresst.
So bleibt sein Kot stets gut in Form –
Ein Wahrzeichen für den earthworm.
Hat es geregnet über Nacht,
der Lumbricus dann Dienste macht.
Gestapelt wird ums Röhrenende.
Der Wurm hat dazu wenig Hände.
Sein Anus ist enorm geschickt – Weiterlesen

Mykokackologie

HundekotMykokackologie

Es ist nicht nach jedermanns Geschmacke
Am Wegesrand einen Haufen Kacke.
Was sich oft unsrem Auge bot,
wird schöner nicht als „Hundekot“.
Nicht jeder Wuffi, der nun mal muss,
bringt seinen Abfall weit vom Schuss.
So wird manch Weg, manch Feldessaum
Durch Hundeschiss gar zum Albtraum.
Doch was geschieht mit solchen Haufen?
Mal grad gelegt – dann eher in Schlaufen.
Wird er zur Sonne hin platziert
Der auch vom Wind umblasen wird,
dann trocknet er als ganzes Stück
klebt nicht mehr unterm Schuh zum Glück.
In späterer Zeit nach Regenschauern
Kann diese Festigkeit nicht dauern.
Das Exkrement zerbröselt dann –
Wird schlechthin Humus irgendwann. Weiterlesen

Baumleichenschau

TotholzkörperBaumleichenschau

Seit Jahren liegt sie hier schon da.
Die Leiche, die ein Baum mal war.
Wie ein Skelett ruhn Stamm und Ast
Entrindet ganz von allem Bast.
Beerdigung währt Ewigkeiten
Totengräber brauchen Zeiten,
als wären sie vom andren Stern
Ihr Humusziel: unendlich fern.
Vom Baum verblieb nur totes Holz
Gebrochen Größe, Wipfelstolz.
Am Boden – fast wie aufgebahrt
Liegt Buchentorso unverscharrt.
Die kleinen Äste fehlen schon
Die haben Assel und ihr Sohn
Mandibelscharf recht gut zerkaut
Ihr Kot wurde noch oft verdaut,
bis dass jedweder Buchenast
in humuskleinste Teilchen passt. Weiterlesen

Humusmonster

HumusmonsterGründepot

In unserer Näh abseits vom Feld
türmt Masse sich, die nicht gefällt.
Aus schönen Gärten hergebracht
stapelt sich dick die Abfallfracht.
Jetzt spät im Herbst wird aufgeräumt –
Manch Blume hat dann ausgeträumt,
Das bunte Laub in großen Säcken
Soll bloß nicht Boden warm zudecken.
Heckenschnitt, Gemüseleichen
Müssen aus dem Hortus weichen.
Schubkarren hoch aufgeschichtet
Sind auf dem Weg, der Grün vernichtet.
Für die kleine Bodensenke
Gibt es abfällig Geschenke.
Der Ort erscheint als Niemandsland –
Wem er gehört, wohl unbekannt. Weiterlesen

Wenn der Wein errötet

Wenn der Wein errötet

Wenn der Wein errötet,
Die Amsel kaum mehr flötet.
Im schönsten hellen Blättergold
Der Ahorn dem Oktober zollt.
Die Kirsche sie vergnügt sich bunt
Oktoberfest ist wohl der Grund.
Die schöne Blätterfarbenpracht
Erlebt die erste Kältenacht.
Ein leichter Wind streift durch die Bäume
Beendet rote, gelbe Träume.
So nach und nach lösen sich Blätter
Bei kühlem klaren Sonnenwetter.
Sie schaukeln langsam auf den Grund.
Dort unten greift sie bald der Mund
Vom Regenwurm. Der zieht das Blatt
Ins Erdenreich – Es macht ihn satt,
wenn es im Boden weich und zart
zu seiner Nahrung später ward.
Aus buntem Laub wird Humus dann,
Damit der Baum gut wachsen kann.
Doch heute freut mich ganz das Rot,
das mir der Wilde Wein so bot.