Immer früher Frühling

Immer früher Frühling

Als der warme Dauerregen mal Pause machte,
die letzte Januarsonne zur Mittagszeit lachte,
da öffneten sich endlich die Winterlingsblüten,
die tagelang verschlossen ihr Geheimnis noch hüteten.
Die Luft war schon seit langem fast unheimlich mild.
Vordrängende Frühlingsblüher bestimmten das Bild.
Schneeglöckchen, Schneeglanz und Krokusse zeigten
erste Blüten. Sie eröffneten winterlos nun den Reigen
der ganzen bunten Frühlingsblumenschar
in einem vom Klima so desorientierten Jahr.
Um prächtige sattgelbe Blüten tanzen gerade beschwingt
einige Zuckmücken, die fröhlich hüpfend zwischen den Lüften sind. Weiterlesen

Herbstschatten

Herbstschatten

Oktobersonnenstrahlen –
ein letztes Mal Sandalen –
goldgelbe Quitten brechen –
Wespen längst nicht mehr stechen.
Späte Libellen tanzen.
Sie haben kaum noch Chancen
für einen Hochzeitsflug.
Natur lebt auf Entzug.
Herbstblutige Blätter fallen
in kürzeren Intervallen.
Sie decken Boden zu.
Auch der kommt nun zur Ruh.

Wolkenbäuche schieben
den Regen, den sie lieben,
von Westen in den Osten
Plusterige Amseln kosten
Fallobst, das Esser braucht,
damit die Zukunft taugt. Weiterlesen

Oktoberlibellen

Oktoberlibellen

Viel Birnenlaub fällt buntgegerbt
Herbstastern lila grüßen
Der wilde Wein heiß durchgefärbt
Walnuss rollt mir zu Füßen.
Die Sonne bricht durch Wolkenspalt
erhellt den müden Garten.
Bald tanzt die erste Lichtgestalt
und kann es kaum abwarten,
bis noch ein Tier hier kurvt und kreist.
Oktoberlibellen balzen spät.
Stare sind noch nicht abgereist
Ein Rabenvolk laut mit sich kräht.
Am Teich ist heute recht viel los. Weiterlesen

Septemberfrühling

Septemberfrühling

Der Tag, als endlich doch der Regen kam –
nachdem die Dürre fast schon alles Leben nahm –
liegt nun gut drei, vier Wochen wohl zurück.
Das ersehnte Wasser war wie purstes Glück.
Auch Tage später fielen noch etliche Tropfen
Sie konnten den Mangel zwar nicht richtig stopfen.
Doch eine Handbreit Tiefe wurde vom Boden wassergetränkt
Das hat uns danach wieder Schöpfung neu geschenkt.
Der Weg zum Wäldchen hin schien längst nur tot zu sein.
Die Gräser strohtrocken, superwelk der Brennnesselrain.
So schlimm hab ich Natur verdurstet nicht gesehen.
Doch sollte hier fast Wundersames dann geschehen. Weiterlesen

Oktobermohn

Oktobermohn

Was blüht denn da so feuerrot –
der Anblick, der sich mir heut bot,
gaukelt zurück mich in den Mai,
der hatte soviel Mohn dabei.
Vom Oktober sind zwei Wochen passe.
Seit Tagen Weinlaub ich anseh,
wie es vom Grünen springt ins Rot.
Das Blattwerk ist dabei fast tot.
Doch hier wird Leben explodiert.
Die Blüte spät noch triumphiert
und wird belohnt vom schönsten Tag,
den dieser Herbst uns schenken mag.
Auch Bienen freuen sich noch spät.
Vom Efeu schwerer Duft her schwebt,
der meldet gar ein Blütenmeer.
Das lockt von nah und fern daher.
Oktobermohn er leuchtet weit.
Das Sonnenlicht in dieser Zeit
erreicht längst nicht mehr den Zenit,
den sommertags die Kugel ritt. Weiterlesen

Oktoberfest

Oktoberfest

Den Garten im Oktober zu sehen,
ist widersprüchlich hässlich schön.
Hier lacht ein Meer asternviolett –
dort ertrinke ich im Falllaubbett.
Heut zeigt sich bunt ein Schmetterling
rollt aus sein rüsselhaftes Ding,
um letzten Nektar süß zu schlürfen.
Die reifen Äpfel ja sie dürfen
am Zweige nicht mehr länger hängen.
Denn Vogelschnäbel sie bedrängen.
Bald liegt die Frucht fies angepickt.
Wenn sie am Boden reglos liegt,
dann fault der Rest bald über Nacht. Weiterlesen

Etwas Sommer fällt…

P1120500Etwas Sommer fällt…

Etwas Sommer fällt vom Quittenbaum.
So manches Blatt ist rostig braun.
Die süße Kirsche von nebenan
verliert vom Laub auch dann und wann.
Der Birnbaum wirft die Birnen hin,
wo lange schon die Maden drin.
Vom Rosenbusch trudeln pinke Blätter
sind für den Sommer wie Verräter.
Dem Gerstenfeld bleiben nur noch Stoppeln –
da darf der Hase wieder hoppeln.
Erste Weichen sind zum Herbst gestellt.
Manch Morgenblatt zu Boden fällt.

Klaräpfel reifen reichlich nun.
Da gibt es schälend viel zu tun.
Ein Hefeteig mit Apfelscheiben
lässt Kuchenlust kaum noch vertreiben.
Zur gleichen Zeit wollen Mirabellen,
viel Honigsüßes bereitstellen.
Jetzt kommt die große Früchtezeit.
Es wechselt manche Köstlichkeit
schon bald mit immer neuen Sorten.
Das ändert stetig Plan von Torten,
in denen Obst so fruchtig weilt. Weiterlesen

Pusteblumen im Januar

P1130463Pusteblumen im Januar

Pusteblumen im Januar –
ich weiß nicht, wann das schon mal war.
Nicht, dass ich was dagegen hätte.
Aber vor meinem Gedächtnis gilt die Wette:
Löwenzahnblüten mit reifem Silberhaar
gab es noch nie so früh im Jahr.
Mit Verwunderung, fast mit Unbehagen
sehe ich in diesen ersten Jahrestagen,
wie die Natur schon so früh explodiert
und erstes Blühen einfach riskiert.
Zu drei Königen hat das Scharbockskraut
tatsächlich leuchtend gelb ausgeschaut.
Die Osternarzissen sind aus dem Boden geschossen
Ihre Knospen bleiben noch vorerst verschlossen.
Dafür leuchten die Geranien lilarot
fernab von jeglichem Kältetod.
Der Schneeglanz blüht sonst Karneval.
Jetzt steigt täglich die Blütenzahl. Weiterlesen

Endlich!

ChristroseEndlich!

Willkommen erster kalter Frost –
eher weiter Wintersommer sprosst,
räumst du mit deiner Eiseshand
den bunten Unsinn aus dem Land.
Endlich vorbei die falschen Blüten,
die sich zur Unzeit hier bemühten.
Der Blumentisch wird demontiert,
seit Winterhauch mit Nachtfrost schnürt.
Geranien sind im Schock entzaubert.
Die Ringelblume schlapp nun trauert.
Das Rosenherz zerbricht im Eise.
Das letzte Gingkoblatt löst sich leise.
Ein Maisfeld, das ganz welk noch stand,
die späte Ernte endlich fand. Weiterlesen

Der letzte Januar

EispfützeDer letzte Januar

Die Sonne muntert mich zum Laufen.
Die Luft atmet so kühl und rein.
Am Schuhwerk zieh ich fest die Schlaufen.
Mein Hund will mein Begleiter sein.
Die Nacht war völlig sternenklar
brachte uns Frost und etwas Reif.
Und das am letzten Januar
Manch Wegesspuren froren steif.
Ich traf auf hübsches Pfützeneis.
Das schmolz schon leicht am Rand.
Es zeigte Zähne blendend weiß
Fast wie im Märchenland.
Im Schattenreich verblieb es kalt.
Dort traf ich Winterzeichen.
Doch wo die Sonne gütig strahlt,
stellt Frühling seine Weichen. Weiterlesen