Gestatten: meine Name ist Tettigonia vieidissima

Gestatten:
Mein Name ist Tettigonia viridissima

Besser kennt man mich als grünes Heupferd.
Gestern war ein heuschrecklich schlechter Tag,
weil ich als Sonnenliebhaber nun mal keinen Regen mag.
Doch am Nachmittag da tropfte es nicht mehr.
Da kam ich dann kurz auf den Sprung zu euch her.

Auch die großen Heupferde bekomme ich seltener zu Gesicht.
Wenn ich daran denke, was inzwischen alles nicht
mehr in meinen Umkreisen wuselt, krabbelt, kriecht oder fliegt – Weiterlesen

Zehn Sonnenhüte

Zehn Sonnenhüte

Diese Blume steht in vollster Blüte
zeigt heute mir zehn Sonnenhüte.
Sie recken sich ins volle Licht
Ein Schattendasein heißt Verzicht.
Ein Sonnenhut verwehrt die Strahlen,
für die wir mit Gesundheit zahlen.
Wenn uns die Sonne hell bescheint,
wird sie der Haut schon oft zum Feind.
So viel an hellstem Sonnenlicht
verträgt der bleiche Mensch oft nicht.
Solche Sorgen sind den Pflanzen fremd.
Sie strecken gern ihr buntes Hemd
ganz offen hin zum Sonnengesicht –
selbst wenn die Mittagshitze sticht. Weiterlesen

Im Regen

Im Regen

Ich steh vor einem Erdbeerblatt,
das gerade Wasser aufgefangen hat.
Der Juli war so lang tropfenleer
Nun klebt der Regen nass und schwer.
Nach all dem Staub im Sommerwind
erscheint dies Blatt fast wie ein Kind,
das eben frisch ins Bad getaucht,
weil es das reine Wasser braucht.

Nach der Entbehrung ohne Regen
will sich Erlösung endlich legen
auf das gestresste Erdbeerblatt –
ob es überhaupt Gefühle hat?
Kann eine Pflanze dankbar sein?
Wir glauben das wohl so zum Schein.
Wir projizieren Emotionen,
die bei uns tief im Innern wohnen
auch sogar in Pflanzen, nicht nur in Tiere,
in Kletterrose, Vogelmiere.
Die Pflanze selbst reagiert plausibel
auf Trockenheit oft sehr sensibel.
Wird jedoch ihr Durst genug gestillt,
zeigt sie zufrieden uns ihr Bild.

Campanula

Campanula

Sie blüht mal hier und dann mal da:
die sonnenhungrige Campanula.
Als wir vor über dreißig Jahren
erstmals Besitzer damals waren
von unserem Haus mit großem Garten,
da blühten um die Mittsommernacht
überall Glockenblumen in blauer Pracht.
Dass im Garten schönste Blumen gedeihen,
an denen sich grüne Daumen erfreuen,
ist sicherlich kein besonders aufregender Akt –
so lange der Gärtner
diese Pflanzen in den Boden packt. Weiterlesen

Zum Läusemelken

Zum Läusemelken

Der Honigtau ist sehr begehrt.
Wenn eine Laus sich grad entleert,
da gibt es viele, die sich freuen
und solch Kontakte gar nicht scheuen.
Zuckersüß ist Läusekot.
Solch ein leckeres Pausenbrot
lassen Ameisen sich gut schmecken.
Wenn sie Läuse irgendwo entdecken,
kommt bald das ganze Ameisenheer
aus dem Nest heraus schleunigst hierher.
Jede Laus wird gründlich kontrolliert,
ob sie nicht hinten was verliert.
Quillt am Anus dann ein Tröpfchen,
lauert schon ein schwarzes Köpfchen
auf das süße Exkrement,
das den Meltau längst schon kennt.
Nähert man sich diesen Pfründen,
aus bestimmten, eignen Gründen,
werden die Emsen höchst aktiv. Weiterlesen

Blütenfeuerwerk

Blütenfeuerwerk

Im Juligarten ist viel schon verblüht.
Doch eine neue Welle feurig glüht,
wenn der Sommer gibt die Hitze frei –
lachen bunte Blumengrüße täglich neu.
Hortensien in vielen Tönen
für Wochen uns den Blick verwöhnen.
In diesem Jahr bleibt kleiner die Pracht.
Zu später Frost hat Unheil gebracht.
Kokardenblumen und Sonnenhüte
öffnen täglich Blüte für Blüte.
Taglilien wetteifern im Sonnenlicht,
wer die anderen an Grazie aussticht. Weiterlesen

Der Alant lockt!

Der Alant lockt!

Der Alant lockt am Juli, zwei
Wildbienen an und davon drei.
Sie sitzen mitten auf der Blüte
saugen vom Nektar bester Güte.
Wie Alant in den Garten kam,
und seinen großen Platz einnahm,
das lässt sich kaum noch heut klären
nur noch Verdachtideen mehren.
Vor langer Zeit hat das Helenenkraut
von Osten her hier reingeschaut.
Als es hier wuchs, wurd es bekannt –
denn Volksmedizin nahm es zur Hand. Weiterlesen

Vom Winde verweht

P1150063Vom Winde verweht

Wie oft habe ich mich sommertags gebückt
und eine reife Pusteblume mir gepflückt.
Dabei halte ich meine Atemluft zurück.
Sonst geschieht zu früh ein kleines Missgeschick.
Ich schau auf einen zarten Samenkugelball –
Haarschirmchen aufgestellt in großer Zahl.
Am Blütengrund stecken Nüsschen widerhakenbewehrt –
was am Boden ihr Herumtreiben doch sehr erschwert.
Doch nun erwartet der Löwenzahn den frischen Wind.
Den bringt nicht selten auch ein kleines Kind.
Das pumpt die Backen voll und pustet los.
Die Augen werden dabei richtig groß.
Der Luftstoß bringt die Schirmchen schnell ans Fliegen.
Doch bis die letzten auch den Anstoß endlich kriegen,
bläst manches Kind noch ein paar Mal mehr. Weiterlesen

Links herum

P1140408Links herum

Wenn Pflanzen in die Höhe klettern,
werden sie geliebt gerad von Städtern.
Oft ist ihr Garten nur ein Balkon –
ein grünes Seelchen im Meer von Beton.
In Balkonien nutzt man Kästen und Kübel.
Die Bepflanzung gelingt oft gar nicht so übel.
Die einen hängen von der Brüstung hinab.
Die anderen winden sich in die Höhe am Stab.
Ein guter Kletterer ist hier die Susanne.
Schwarzäugig zieht sie die Gärtner im Banne.
Sie windet sich stets immer links herum.
Die Rankenspitze macht sich dabei ständig krumm.
Aus dem Süden von Afrika stammt sie her.
Ein bisschen Frost der schadet ihr schwer.
Doch es reifen ja Samen in kleinen Massen –
die kann man im Frühjahr dann keimen lassen.
Meine Susanne steht am sonnigsten Ort .
Dort windet sie sich in einem fort.
Zwei Höhenmeter sind eigentlich ihr Ziel.
Doch meine Susanne will mehr als viel. Weiterlesen