Pfingstrosenglück

Pfingstrosenglück

Verinnerlichte Schönheit zu beschreiben
und dabei in Worten zu bleiben,
fällt bisweilen recht schwer:
denn das Anmutige ist des Geschriebenen mehr.
Zu Pfingsten stehe ich vor einem kleinen Beet,
in dem die Päonie seit Jahren nun steht.
Je länger sie an dieser Stelle wohnt,
die Pfingstrose es mit Blütenreichtum belohnt.
Eher enttäuscht war ich noch vor einigen Jahren,
wenn da zwischen dem Blattwerk nur einzelne Knospen waren,
die sich bald als Rosenschönheiten zeigten
und sich zu Pfingsten so edel verneigten.
In diesem Jahr kann ich die Blüten kaum zählen.
Die Pflanze will mich damit fast schon quälen.
Viel Sonne mit Wärme haben die Pfingstrosen verwöhnt.
Das hat ihre Ausstrahlung nochmals verschönt.
Leider bleibt dieses Meisterwerk nur für kurze Zeit.
Dann welkt alle Pracht durch die Endlichkeit.

Mir fehlen eigentlich die Worte für die Farbeneleganz,
für den edlen Duftstrom und den feinsilbrigen Glanz,
der das Blütengesicht so herrlich verzaubern will
Was bring ich da nur für Worte ins Spiel? Weiterlesen

Schnabulieren

Schnabulieren

Seit drei Jahren kommen sie wieder
mit schwarzweißem Gefieder –
ihre hohen Stelzen wie der Schnabel in rot
ein Anblick, der sich nur kurze Zeit bot.
Kaum hatte der Bauer die Wiese gemäht,
das Schnittgut mit dem Kreisel locker verweht
da landeten drei Adebare im frischen Gras.
Sie kamen nicht nur so zum Spaß.
Die Störche wissen scheinbar genau,
ist der Himmel ein paar Tage himmlisch blau,
dann hofft der Landwirt auf trockenes Heu.
Diese Erfahrung ist keinesfalls neu.
Beim Schnitt wird einiges Getier gestört
Manche Maus trifft dabei das scharfe Schwert.
So ist der Tisch bald reichlich gedeckt.
Das Gute im Schnittgut am Boden versteckt.
So stochert der Schnabel eifrig nach Beute
doch wirklich ausschließlich gerade heute.
Nur der frühe Storch verschlingt die Maus.
Er bringt sie bald danach nach Haus.
Dort betteln im Nest die Storchenkinder
recken hungrig empor die Schnabelmünder. Weiterlesen

Kratzdisteln

P1130267Kratzdisteln

Unsere Schafe machen einen großen Bogen herum.
Denn sie sind im Fressen wirklich nicht dumm.
Kaum lässt eine Kratzdistel ihre ersten Blätter sehen,
ist es um jede nahe Freundschaft auf Dauer geschehen.
Mit spitzen Dornen gänzlich böse übersät
wird jedes Blatt zum perfiden Abwehrgerät.
Sollte ein Wiederkäuer hier gerade fressen,
wird er die schmerzhaften Wunden niemals vergessen.
Die fiesen Dornen stechen und schneiden
alle die, die hier so ahnungslos weiden.
Was können Disteln sich so heftig wehren.
Ihre Stacheligkeit lässt sich stellenweise kaum noch vermehren.
Doch Blattläuse kümmert das wirklich nicht.
Sie saugen an Stängeln – dicht an dicht.
Aus dem Weidegrün ragen Brennnesseln und Disteln empor.
Sie stehen im engen Verbund fast da wie im Chor.
Jetzt zur Sommersonnenwende ein Rotviolett
leuchtet zum Himmel – die Distel wird nett.
Herrliche Blütenköpfe so verlockend wie schön
lässt die Skyline der Wiese nun überall sehen.
Hummeln und Falter, Fliegen und Bienen
sind durch die Reize recht zahlreich erschienen.
Auch einige Käfer sind brummend hinübergeflogen,
sind dem frischen Nektar wohl sehr gewogen.
In der Blüte wird die Distel zum freundlichen Wesen.
Die garstigen Blätter eine andre Botschaft lesen.
Wenn später dann tausende Samen reifen,
Distelfinken über die Wiesen her streifen.
Der Herbstwind fegt die alten Blütenstände dann leer –
sorgt eifrig für die Kratzdistelwiederkehr.

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Im Schneckentempo

P1130567Im Schneckentempo

Zwei Weinbergschnecken zeigen mir,
wie Tempo schleicht gerade hier.
Fast jedes Foto macht sich scharf
bei solchem Schnelligkeitsbedarf.
Die Schalentiere schleimen sanft
sind an der Sohle kaum verkrampft.
Ganz lautlos ohne jeden Schritt
hält Langsamkeit und Ruhe fit.
Die Fühler sind weit vorgestreckt,
damit die Schnecke früh entdeckt,
was ihrem Weg sich quergestellt
so hat sie alle Zeit der Welt,
auf nichts zu spät zu reagieren,
um Gelassenheit so zu verlieren.
Die Wege kreuzten sich momentan.
Jetzt schleicht wohl jede seine Bahn.
Die Ziele dieser beiden Schnecken
sich vorschleichlich wohl nicht mehr decken. Weiterlesen

Orchideenversammlung

P1130171Orchideenversammlung

Ich hatte diese Insel früher schon gebucht –
den Tulpen- und Lilienfrühling dort gesucht.
Amsterdam lag dabei gar nicht so fern
Doch auf dem Texel-Eiland da war ich gern.
In diesem Jahr reiste ich später dorthin.
Soeben von dem Juni war der Anbeginn.
Die Osterblüher standen welk, im Lichte tot –
die großen Felder ohne jedes Gelb und Rot.
Dieses Mal sah ich ganz andere Pflanzen.
Die Neugierde groß, ließ die Blicke tanzen.
Direkt vor dem Schlafort lag ein anmooriger Rest,
der mich die ganze Zeit nicht in Ruhe lässt.
Diverse Gräser wogten im zügigen Wind,
goldbraune Moose im Blütenrausch sind.
Fast wie Raketen doch im zartrosa Kleid
schossen Orchideen gerade zu der Zeit.
Ihre Blüten öffneten sich Kranz für Kranz
Nach zwei Wochen strahlten die Blumen dann ganz. Weiterlesen

Im Fenster vom Ufer

TeichuferIm Fenster vom Ufer

Ein kleines Uferfenster
nicht einen Meter groß
was ich darin erblicke,
das ist schon fast famos.
Ein Grashalm lautlos zittert.
Die Samen sind bald frei.
Ein Seggenblatt zerknittert
daneben klingensteif
schießen die Irisblätter
gehörig aus dem Sumpf.
Fettglänzende Samenleiber
sind prall und gänzlich stumpf.
Die Lotuslippenblüten
verstreuen ihr Buttergelb.
Auch ihnen reifen Tüten,
die Zukunft für sie hält.
Das Mädesüß ist aufgestiegen.
Noch knospen Blüten rund.
Drei Tage noch dann werden fliegen
Insekten ohne Stund.
Am Boden reizen Tupfer rot.
Fruchtig sind Walderdbeeren.
Was sich mir an Aroma bot,
lässt sich wohl kaum noch mehren. Weiterlesen

Giftpflanze des Jahres

RitterspornGiftpflanze des Jahres

Seit Tagen blüht der Rittersporn
als hätt der Himmel Blau verlorn.
Sein Blütentrieb steil hochgeschossen
hat Sonnenlicht ganz früh genossen.
Wie Trauben schmiegen Blüten dicht
keine aus dem Verbunde bricht.
Die unteren sind aufgerissen,
eh letzte ihre Fahnen hissen.
Gebündelt scheint jetzt alles Blau
Delphinum reizt zur Narbenschau.
Der Rittersporn ist gar nichts Rares
und trotzdem Giftpflanze des Jahres.
Ist solche Ehre doch mehr Last?
Wenn du ein Gift so in dir hast,
dann wirst du schneller doch gemieden –
da endet manchmal Glück und Frieden.
Was ist denn Gift in dieser Welt?
Richtig dosiert ja dann gefällt
es ewig schon wohl den Doktoren.
Aus Gift wird Medizin geboren. Weiterlesen