Kaninchenplage

Kaninchenplage

Bei meinen Spaziergängen durch Wald und Feld
merkte ich irgendwann, dass hier etwas fehlt.
Auch in Grünanlage, Friedhof und Garten
muss ich zuletzt meistens sehr lange warten,
bis ich ein Kaninchen am Boden hoppeln sehe.
Das war anders, wenn ich in die Jugendzeit drehe.
Allerorten waren Karnickelspuren unübersehbar.
In jedem Sandhaufen im Neubaugebiet waren sie da.
In jeder Rasenfläche, in den Parks neu angelegt,
wurde von den kleinen Hasen viel Erde bewegt.
Alle die geselligen Gruppen bei Dämmerung fraßen
und dann auch ihre Verdauung keineswegs vergaßen.
Wohlgeformte Kaninchenköttel lagen weit verstreut.
Das hat vor allem Gartenfreunde weniger erfreut. Weiterlesen

Leinkraut

Leinkraut

Spät im Sommer, im Herbst aber früh
treffe ich Löwenmäulchen – ich kenne sie
schon aus den ersten Kinderjahren.
Von diesen Blüten ja da waren
schnell kleine Sträußchen zusammen gepflückt.
Schon war die Mutter wieder etwas beglückt.
Überall an Wegrändern
standen sie oft dicht gedrängt,
aus steinigem Schutt heraus gezwängt,
suchten die Blumen gern das wärmste Licht.
Schattiges Dasein das mochten sie nicht.

Gestern fand ich auf einiger sonnigen Brache
dieses echte Leinkraut in üppigster Sprache.
Zwei große Kreise zwar nicht zirkelrund
machten die Wiese vieltausendfach bunt.
In ein helles Zitronengelb sind die Blüten getaucht.
Ein orangeroter Fleck wird scheinbar gebraucht,
um wilde Bienen und Hummeln anzulocken,
die zahlreich nun an den Mäulchen hocken.
Der Nektar und Pollen ist in der Tiefe verborgen.
Den kann man sich so einfach nicht besorgen.
Das Maul muss geöffnet werden
und zwar mit viel Kraft. Weiterlesen

Uralt Verdörrtes

Uralt Verdörrtes

Im Küchenkeller gut versteckt
ziemlich spinnwebenstaubverdreckt
da stand ein Glas, das war randvoll
und Trockenobst wohl speichern soll.
Es waren Äpfel, die vor Jahren
als Scheibchen heiße Luft erfahren.
Trocken verdörrt wurden Apfelsorten,
die lecker waren auf Sonntagstorten,
die gelagert zahlreich kühl in Kisten
im Winter kaum Geschmack vermissten.
Ein Teil vom Boskoop, Gravensteiner
wurde getrocknet klein und kleiner.
Am Ende blieben dünne Scheiben,
die runzlig dann in Gläsern bleiben. Weiterlesen

In den Teich gesetzt

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In den Teich gesetzt

Sag mir, wo die Teiche sind?
Wo sind sie geblieben?
Früher spielte ich als Kind
dort mit alten Sieben.

Sag mir, wo die Tümpel sind?
Wo sind sie geblieben?
Wenn ich heut die Stellen find,
sind Häuser drauf geschrieben.

Sag mir, wo die Weiher sind?
Wo sind sie geblieben?
Grast seitdem so manches Rind
auf drainierten Wiesen. Weiterlesen

Briefmarkenmelancholie

Briefmarkenmelancholie

Es war das Jahr des Wunders von Bern.
Ich erinnere mich an das Jahr noch gern.
Nicht wegen des Fußballs
sondern wegen meiner Tante Hety;
denn gerade sie
schenkte mir zu meinem Schulbeginn
ein Briefmarkenalbum – wohl mit dem Sinn,
diese zu sammeln und zu vermehren.
Nach immer den Neuen zu begehren.
Eine Lupe, eine Pinzette gehörten dazu.
Jetzt ließen mich die Marken nicht mehr in Ruh.
Von jedem Brief, jeder Karte, selbst vom Paket
wurden die Wertzeichen wieder abgeklebt.
Wasserdampf half bei der Prozedur. Weiterlesen

Die Kuhle

Die Kuhle

Meine erste Umweltschule
war beim Opa eine Kuhle.
So als Dötz von zehn, elf Jahren
konnte ich dort viel erfahren.
Vor dem Hof fast an der Straße
lag dies kleine Wasserloch.
Ziemlich winzig waren die Maße.
Doch zum Tümpeln reicht es noch.
Mit dem Sieb als kleinem Kescher
wühlte ich im braunen Sud.
Wurde bald zum Faulschlammwäscher
alt Versenktes fand ich gut.
In dem breiigen Gerümpel
zappelte ein buntes Tier
Freudenfest am faulen Tümpel
denn ein Bergmolch der war hier. Weiterlesen

Späte Blüte

Späte Blüte

Von manchen Dingen
wird es mir wohl immer gelingen,
ihre Herkunft aufzudecken:
denn sehr tief stecken
die Eindrücke davon, wie alles begann.
Deshalb weiß ich auch und kann
von einem Kaktus hier berichten
in langen seltsamen Geschichten.
Ich war zwölf oder dreizehn Jahre alt.
Es war Mai und Muttertag halt.
Meiner Mutter standen Blumen immer sehr nah.
Da ich damals noch ein dankbarer Sohn war,
wollte ich ihr etwas gern schenken.
Sie sollte immer wieder daran denken,
was sie zum Muttertag einst bekam.
Dass ich Schnittblumen dafür nicht nahm,
das war klar, weil sie bald welk und trist –
nur Abfall für Kompost und Mist.
Eine Topfblume die musste her,
nicht zu groß, zu teuer und schwer.
Im Blumengeschäft stand mein Objekt.
Ein kleiner Kaktus hat mein Interesse geweckt.
Er war vielleicht fünf Zentimeter groß.
Man sah stachelige Haare bloß.
Eine oder zwei Mark musste ich zahlen –
Ich brauchte dafür kein Bild mehr zu malen.
Am Muttertag überreichte ich ihn stolz.
Das Herz meiner Mutter schnell schmolz. Weiterlesen