Die Kuhle

Die Kuhle

Meine erste Umweltschule
war beim Opa eine Kuhle.
So als Dötz von zehn, elf Jahren
konnte ich dort viel erfahren.
Vor dem Hof fast an der Straße
lag dies kleine Wasserloch.
Ziemlich winzig waren die Maße.
Doch zum Tümpeln reicht es noch.
Mit dem Sieb als kleinem Kescher
wühlte ich im braunen Sud.
Wurde bald zum Faulschlammwäscher
alt Versenktes fand ich gut.
In dem breiigen Gerümpel
zappelte ein buntes Tier
Freudenfest am faulen Tümpel
denn ein Bergmolch der war hier. Weiterlesen

Späte Blüte

Späte Blüte

Von manchen Dingen
wird es mir wohl immer gelingen,
ihre Herkunft aufzudecken:
denn sehr tief stecken
die Eindrücke davon, wie alles begann.
Deshalb weiß ich auch und kann
von einem Kaktus hier berichten
in langen seltsamen Geschichten.
Ich war zwölf oder dreizehn Jahre alt.
Es war Mai und Muttertag halt.
Meiner Mutter standen Blumen immer sehr nah.
Da ich damals noch ein dankbarer Sohn war,
wollte ich ihr etwas gern schenken.
Sie sollte immer wieder daran denken,
was sie zum Muttertag einst bekam.
Dass ich Schnittblumen dafür nicht nahm,
das war klar, weil sie bald welk und trist –
nur Abfall für Kompost und Mist.
Eine Topfblume die musste her,
nicht zu groß, zu teuer und schwer.
Im Blumengeschäft stand mein Objekt.
Ein kleiner Kaktus hat mein Interesse geweckt.
Er war vielleicht fünf Zentimeter groß.
Man sah stachelige Haare bloß.
Eine oder zwei Mark musste ich zahlen –
Ich brauchte dafür kein Bild mehr zu malen.
Am Muttertag überreichte ich ihn stolz.
Das Herz meiner Mutter schnell schmolz. Weiterlesen

Haubenlerchen

Haubenlerchen

Eigentlich war es ein Stück Unland.
Denn niemand zur Zeit wohl fand
eine Nutzung für dieses karge Erdenstück.
Nicht nur ein Vogel fand hier sein Glück.
Weit nach Südeuropa musste ich reisen,
um solch eine Brache ehrlich zu preisen.
Stand an diesem Ort irgendwann ein Haus?
Wann kamen die Planierraupen heraus?
Wurde alles dem Erdboden gleich gemacht –
damit die Natur wieder kommt und langsam lacht?
Spärlich sprießt etwas an Vegetation.
Doch Nacktheit der Erdhaut überwiegt schon.
Solche lückenhaften Bodenstellen
entwickeln sich ähnlich wie Quellen.
Aus der freien Erde quillt Lebensraum –
für manche Arten erfüllt sich ein Traum.

Ein paar Haubenlerchen traf ich an diesem Ort.
In meinen Erinnerungen flogen sie schon lange fort.
Als Kind sah ich sie in unserem Baugebiet –
dort, wo man zu der Zeit noch Häuser vermied. Weiterlesen

Was wird da draus?

Was wird da draus?

Es war wohl bei einem Spaziergang.
Im letzten Urlaub damals zwang
mich irgendein geartetes Gefühl
etwas mitzunehmen – gar nicht viel.
Am Boden lag ein klobiger Samen –
gerade dort, wo wir vorbei kamen.
Ich hob ihn auf, schaute ihn mir an.
Unser gemeinsamer Weg auf einmal begann.
Rätselhaft blieb mir dieser Fund
Meiner Neugierde hatte jeden Grund,
das Geheimnis, was darinnen steckt,
zu lüften, bis es ganz entdeckt.
Ins Erdreich grub ich das Objekt.
Dort wurd es langsam aufgeweckt.
Erst zeigte sich ein Knospenkiel.
Zartes Grün kam auch bald ins Spiel.
Ein Kranz von Warzen stellte sich
um eine Knospe mittiglich. Weiterlesen

Salamanderende

Salamanderende

Welch eine Hiobsbotschaft
unser Feuersalamander schafft
es vielleicht nicht mehr –
und das ist einfach nicht fair –
in unseren feuchten Buchenwäldern zu bleiben;
denn ferne Viruserreger treiben
ihn in den sicheren Tod
Nichts ist mehr im Lot –
seit Krankheiten weltweit verreisen,
die Artenuntergang tödlich verheißen.
Dabei lebt er so gern an den Quellen
Im Wald an den saubersten Stellen,
wo das Wasser oft tröpfelnd nur rinnt,
treffe ich Salamandermutter samt Larvenkind.
Ich kannte ihre liebsten Verstecke.
Eine schwere Totholzdecke
schützte den Lurch mit dem Schwanz
über die Wintermonate ganz.
Salamander lieben die Feuchte.
Wann immer Gelbschwarzes kreuchte,
da schmeckte die Luft reichlich nass.
Das Amphib das hatte dann Spaß. Weiterlesen

Der alte Roller

Der alte Roller

Der greise Roller könnte mein Alter haben.
Vielleicht ist er mir sogar um Jahre voraus.
Sein Äußeres schminkt viele kleine Narben.
Leicht angelehnt am Zaun steht er neben dem Haus.
Der Roller kannte sicher gute, alte Zeiten
Da drehten beide Räder wohl so richtig rund.
Er durfte Kindheiten jahrzehntelang begleiten
Die Straßen damals autoleer –
nicht nur zur Mittagsstund.
Was könnte dieser Roller uns Vergangenes berichten –
als er ganz neu war und so heiß begehrt.
Er rollte wohl nicht in den allerärmsten Schichten.
Denen blieb solch ein Spielzeug meist verwehrt.
Der Lack ist ab, der Name unkenntlich verblichen.
Am Rad hockt pickelhaft der braune Rost.
Mit heute tüv-geprüften Rollern sonst verglichen,
ist dieser alte Roller nur noch Holzwurmkost. Weiterlesen

…gelb die Stoppelfelder

… gelb die Stoppelfelder

In meinen Erinnerungen
ist es mir nicht gelungen,
über ein Stoppelfeld zu gehen,
ohne Ferienkinder zu sehen.
Ende Juni war es an vielen Stellen so weit.
Die frühreife Gerste zeigte sich erntebereit.
Die Halme leuchteten in blondem Gold
Der Mähdrescher sich nur die Körner holt.
Dann wird das Stroh zu Ballen gepresst
Nur wenig später ein Hänger verlässt
ein frei geräumtes wieder offenes Feld.
Dem Taubenschwarm dies so richtig gefällt.
Ein paar Körner verstreut als Dreschverlust
die nehmen sich die Vögel rasch zur Brust.
Zu Beginn des Sommers streicht ein Herbstgefühl
durch endlose Reihen von Stiel zu Stiel.
Der Mähbalken traf nur auf eine Art,
so dass man mit Wehmut und Trauer spart.
Getreide lebt auch sonst nur ein Jahr.
Das Korn ist die Zukunft –
wie es immer schon war.

Seh ich ein Stoppelfeld, denke ich an die Zeit,
die ich als Kind verlebte in Heiterkeit.
Bevor der Acker gepflügt, gehörte das Feld den Kindern.
Die wollte auch keiner an den Freuden hindern,
einen Drachen in die Lüfte steigen zu lassen.
Junge Hände durften die Wickel fest fassen.
Zog der Drachen die Schnur ordentlich stramm,
gab man ihm mehr Meter, bis am Ende dann
der Papiervogel kaum noch zu erkennen war. Weiterlesen