Alteingeweckt

P1140025Alteingeweckt

In unserem Küchenkeller
geht manche Zeit kaum schneller.
Im Jahrzehntestaub ruht dort der Wein –
wird oft wohl kaum noch trinkbar sein.
Vielleicht macht uralt ein Bordeaux
die Geschmacksknospen im Mund noch froh.
Mit dem Wein spiel ich hier Lotterie:
denn die Prognose stimmt fast nie.
Manch Tropfen wird so hoch verehrt,
dass er die Erben später stört.
Eine zweite Küchenantiquität
im Wandregal vereinsamt steht.
In alten Gläsern erspäh ich braune Masse
verspricht mir kaum die Extraklasse.
Ich schau mir an, was drinnen steckt –
Urewigkeiten eingeweckt.
Im ersten Glas verweilen Birnen,
die nach der Lagerzeit erzürnen.
Daneben geduldigen sich Mirabellen –
die obersten mit dunklen Stellen.
In zwei Gläsern sind Pfirsiche eingemacht –
für Torten damals eine Pracht.
Als letztes find ich Kirschen konserviert,
deren Rot sich ganz im Saft verliert.
Stammt manches Glas von Muttern noch?
Die Frage kümmert mich dann doch.
Kann man das Obst nach so vielen Jahren
als Nahrung wohl noch offenbaren?
Das alte Gummi ist ganz porös,
reißt ab und macht mich fast nervös.
Dann nehme ich eine Messerklinge
und hoffe, dass es mir gelinge,
den Unterdruck nun aufzuheben.
Zielfixiert wird ich nicht aufgeben.
Da plötzlich macht das Ganze zisch.
Das offene Glas kommt auf den Tisch.
Ein Löffel der ist schnell zur Hand.
Ich nehm ein Stück erst mal vom Rand.
Ich schnupper – doch mit etwas Mut
da beiß ich zu – es schmeckt recht gut.
Das Pfirsicharoma kommt etwas herb.
Doch nicht etwa von dem Verderb.
Der Saft ist süß, gallertig dick.
Die Farbe goldig, richtig chic.
Über die Früchte Zucker gestreut
schmeckt dieses Obst sogar noch heut. Weiterlesen

Losing my religion

P1130946Losing my religion

Als wehrloses Kind
legte man mir allzu früh
den lieben Gott
ins unreife Hirn.
Schablonenhaft
wurde um mich herum gebetet
insbesondere zur guten Nacht
dann gab es meist noch
ein Kreuzzeichen auf die Stirn.
In der Volkschule regierte Religion
als ein ernstes Unterrichtsfach.
Schlechte Noten in der Glaubenslehre
brachten unweigerlich Ungemach.
Als Höhepunkt der frühen Jugendzeit
galt der Empfang der heiligen Kommunion –
gleichzeitig ein pompöses Familienfest:
religiöser Gehorsam schenkte mir reichlichen Lohn.
Damit der Glaube noch mehr gefestigt,
spendete man mir
später noch ein Firmungssakrament.
Manch junger Mensch bekleidete da
bereits ein empfohlenes Kirchenamt.
Jeder demütige Messdiener kannte
bald die gesamte Liturgie.
Messlatein wurde auswendig gelernt -.
am Altar synchron gemurmelt irgendwie. Weiterlesen

Möhren

P1110643Möhren

Von Möhren
ja da hören
wir, sie seien gesund.
Aus diesem Grund
macht das kleine Kind
z. B. mit Karotten und Rind
frühe Kunde
im Munde.
Das Carotin – wie man weiß –
löst sich am besten heiß
in goldiger Butter.
Meine Mutter
das erlernte sie:
mit Petersilie
können die Möhren
geschmacklich betören.
Für unterwegs –
viel besser als ein Keks –
werden Möhren geschält.
Das Knabbern das zählt
zu den Genüssen.
Doch das müssen
unsere Kinder erst lernen. Weiterlesen

Fastenzeit

P1120376Fastenzeit

Die Zeitung voll mit Foodgenüssen
Schokoladenhasen Ostern grüßen.
Die Einkaufkörbe berstend voll,
wo Fastenzeit doch seien soll.
Sehr lang muss ich nach hinten denken,
als Kind galt es, sich zu beschränken.
Süßigkeiten wanderten direkt
wurden ins Sammelglas gesteckt.
Solch Gefäß war Ostern gut bestückt
hat Kindermünder lang beglückt.
Auch heute will mancher verzichten.
Gute Vorsätze davon berichten.
Die Kirchen liefern kaum noch Grund.
Oft wölbt der Bauch einfach zu rund.
Der eine lässt Alkohol mal weg.
Der andre meidet fetten Speck.
Der dritte nährt sich ganz vegan,
fasst totes Fleisch vorerst nicht an.
Jegliches Naschwerk scheint verpönt,
obwohl manch Süßer dran gewöhnt. Weiterlesen

Paprika

P1120810Paprika

Wie ich anfing, Mittagsgerichte zu studieren,
und in der Rinderbouillon zerschnittene Nieren
fand –
im Rindsgulasch kleine rote Granaten entdeckte,
deren gewaltige Schärfe mein Zünglein erschreckte,
stand
ich unwissend vor einer seltsamen Gemüsefrucht,
die auf dieser Welt wohl ihresgleichen sucht.
Dann –
es war wohl um das siebte, achte Lebensjahr,
da begegnete ich erstmals der großen roten Paprika.
Wann
mir später die fleischigen unreif grünen Schoten
als Mahlzeit testweise wurden angeboten,
kann
ich kaum noch alterszeitmäßig richtig taxieren.
Damals sollte ich das neue Gericht unbedingt probieren.
Voll
gestopft waren die ausgehöhlten Paprika mit Hackbraten.
Danach durfte das genussbringende Garschmoren starten.
Toll
schmeckte die gefüllte Schote – zugleich saftig und fest
ziemlich milde die Paprikahülle – um so würziger der Rest. Weiterlesen

Flammenblumen

PhloxFlammenblumen

Wenn diese Staude stattlich blüht
ihr köstliches Parfüm versprüht,
dann nimmt der hohe Sommer Ende.
Es deutet an sich Zeitenwende.
Flammenblumen leuchten dann
als Phlox sprechen wir sie an.
Aus Nordamerika importiert
die schöne Pflanze Gärten ziert.
Ich kenne sie schon lange Zeit.
Ihr Kugeldoldenblütenkleid
wuchs schon in Tante Gertruds Garten.
Ich musste nur auf Ferien warten.
Dann sah ich sie: die weißen, roten
und die mir beide Farben boten.
Wurden sie in die Vase gestellt,
Blüte um Blüte früh abfällt.
Ich fand das damals ziemlich schade. Weiterlesen

Spielzeug

BlechspielzeugSpielzeug

Der Mensch er hasst die Langeweile.
Als kleines Kind sucht er bald Teile,
mit denen er was machen kann –
so er zu spielen dann begann.
Spielzeug gibt es an jeder Stelle.
Die Idee zum Tun ist eine Quelle,
aus der das Spiel an Sinn gewinnt
und glücklich wird hier jedes Kind.
Das Wasser ist als Stoff ganz toll.
Ein Becher der wird immer voll,
um ihn dann wieder leer zu gießen;
denn Wasser das muss ewig fließen.
Auch so ein Haufen gelber Sand,
der wandert gern durch Kindes Hand.
Der Sand lässt sich so schön verformen
ganz ohne Regeln oder Normen.
Was man im Wald am Boden findet,
so manches Spiel enorm entzündet.
Im Laub kann jeder was verstecken.
Auch Käfer kann man hier entdecken.
Die krabbeln kitzelnd in der Hand.
Vor Lachen fehlt bald der Verstand.
Die Vogelfeder fliegt so schön
beginnt sich trudelnd rund zu drehen.
Mit Ästen lässt sich trefflich bauen.
Da kann man Bäche sogar stauen. Weiterlesen