Die Wanne ist voll…

Die Wanne ist voll…

Die Wanne ist voll mit frischem dünnen Eis.
Früher war sie mal warm, manchmal sogar heiß.
Als Kind wurde ich in die Wanne gesteckt.
Trübes Wasser bald nach Kernseife schmeckt.
Ein Badezimmer gab es damals noch nicht.
Doch sauber wurde am Ende der Wicht.
Später war die Zinkwanne lange arbeitslos.
Wir Kinder erwachsen – für die Wanne zu groß.
Für die Wäsche gab es längst Elektromaschinen.
Da brauchten die Wannen nicht mehr zu dienen.
Manche wanderten in den Schrott waren dann weg
Für die restlichen ergab sich später oft neuer Zweck. Weiterlesen

Kornblumenblau

Kornblumenblau

Kornblumenblau,
wohin ich auch schau,
sind die Feldraine geschmückt,
wenn es mir glückt,
sie noch zu finden.
Denn Blühsäume schwinden
schnell wie das Gletschereis –
denn das Klima bleibt heiß.
Als kleiner Knirps waren die Felder noch bunt.
Schnell hielten meine Hände einen Bund
aus Kornblumen, Kamille und Mohn.
Er war als kindlicher Lohn
für die liebe Mutter gedacht.
Sie hat so dankbar gelacht.
Heute finde ich das Kornblumenblau
umglitzert vom Morgentau
leider nur noch sehr selten
in den Agrarwelten. Weiterlesen

Funkelrüben

RunkelnFunkelrüben

Auf einem Feldstück schön gereiht
Liegen hier Runkeln im gelbbunten Kleid.
Die Herbstsonne wärmt die stattlichen Knollen
Die kaum noch Landwirte anbauen wollen.
Ich seh diese Rüben nach sehr langer Zeit
Schon macht sich Jugenderinnerung breit.
Eine Runkelrübe für den Martinszug
Wurd zur Laterne – es gab ja genug.
Für ein paar Pfennige trennte der Bauer sich –
Die schönste Rübe war gerade gut für mich.
Besonders nach denen mit der rotesten Haut
Haben wir Kinder im Haufen geschaut.
Es gab auch gelbe und mit orangenem Ton
Die waren zur Not noch eine Option.
Am besten waren Runkeln mit glattem Gesicht,
weil später bei ihnen die Verzierung besticht. Weiterlesen

Richtig abgestaubt

P1000958Richtig abgestaubt

Der Sommer war ein ziemlich nasser
Gewaltig floss das warme Wasser
Auf Feld und Flur und Waldeserde,
Damit es dort morastig werde.
Nicht jeden stimmten Güsse froh,
weil nach Gewitter Hitze floh.
Dies Auf und Ab der Temperaturen
Verstörte Mensch samt Kreaturen.
Wie ich unlängst im Wald spazierte,
den Blick zum Boden oft riskierte,
da sah ich sie in großer Zahl:
denn Pilze wuchsen überall.
Hier Zunderschwamm, da Schwefelkopf,
Maronenröhrling für den Topf,
Ein Knollenblätterpilz
war auch dabei
Mit wirklich hübschem Konterfei. Weiterlesen

Jans kleff an

P1220604Jans kleff an

Als kleiner Knirps zur Volksschulzeit
War ich für manchen Scherz bereit.
Zwei Sachen waren sehr beliebt –
Doch nicht für den, der es grad kriegt.
Juckpulver war ganz schnell zur Hand,
für den, der Hagebutten fand.
Dies fiese Zeug ins Hemd gesteckt
Hat furios dann aufgeweckt.
Der zweite Streich aus frühen Tagen –
Wir brauchten dazu wenig wagen –
Hatten wir nur einige Kletten –
Die wuchsen sogar in den Städten.
An Schuttplätzen und Baulandlücken
Konnten wir sie vorsichtig pflücken.
Wir warfen solche voll Entzücken
Den Mädchen heimlich auf den Rücken.
Die Klette hieß in Plattdeutsch dann
Für alle Kinder „Jans kleff an“. Weiterlesen

Hirtentäschelkraut

HirtentäschelkrautfotoHirtentäschelkraut

Capsella bursa-pastoris

Seit der Kindheit ist mir sehr vertraut
Das gute Hirtentäschelkraut.
Am Wegesrand will es gern stehen,
Dort kann ich weiße Blütchen sehen.
Die Samen, wie sie später wachsen,
Verteilen sich rund um die Achsen.
Wie kleine Herzen flachgedrückt
Die Pflanze sich damit brav schmückt.
Ich hab dies Kraut nie mehr vergessen –
Man sagt, man könnt die Herzen essen.
Mein Kindermund hat sie gekaut –
Hab Hirtentäschel gut verdaut.
Die Samenform erinnert leicht
An Hirtenbeutel – wie sich zeigt. Weiterlesen