Gestandene Frau

Gestandene Frau

Auf was ich gerade eben schau,
ist eine durchgebrochene Frau.
Aus Ton ist die Figur gemacht.
Beim Windstoß hat es dann gekracht.
Der Körper brach so in zwei Teile.
Ich klebte sie schnell wieder heile.
Irgendwie zerrissen bleibt der Korpus doch.
Ihren Ausdruck den verstärkt dies noch.
Die Frau besteht fast nur aus Beinen,
die mehr als Baumstämme erscheinen.
Ihr Kopf bleibt dafür ziemlich klein.
Auch Weiblichkeit soll züchtig sein.
Standfestigkeit ist hier das Zeichen.
Sie wird kaum von der Stelle weichen,
auf der sie steht mit aller Kraft.
Ein kleines Kunstwerk solches schafft. Weiterlesen

Kreuzausverkauf

Kreuzausverkauf

Kirchen werden nun entsegnet.
Das Gottesvolk sich eher begegnet
in immer kleiner werdenden Kreisen,
die zunehmend noch stark vergreisen.
Kirchen werden sogar abgerissen
Nur sehr wenige die vermissen
den lang geschätzten würdigen Bau
Bald stirbt auch noch die alte Frau,
die jeden Tag noch treu her kam –
sich Zeit zum Beten reichlich nahm.
Friedhöfe müssen gleichsam weichen.
Manch braucht ja heute für die Leichen
kaum mehr ein großes Reihengrab –
wird doch verbrannt der ganze Sarg.
Die Asche findet künftig Stellen
manchmal in kühlen Meereswellen. Weiterlesen

Fastenzeit

P1120376Fastenzeit

Die Zeitung voll mit Foodgenüssen
Schokoladenhasen Ostern grüßen.
Die Einkaufkörbe berstend voll,
wo Fastenzeit doch seien soll.
Sehr lang muss ich nach hinten denken,
als Kind galt es, sich zu beschränken.
Süßigkeiten wanderten direkt
wurden ins Sammelglas gesteckt.
Solch Gefäß war Ostern gut bestückt
hat Kindermünder lang beglückt.
Auch heute will mancher verzichten.
Gute Vorsätze davon berichten.
Die Kirchen liefern kaum noch Grund.
Oft wölbt der Bauch einfach zu rund.
Der eine lässt Alkohol mal weg.
Der andre meidet fetten Speck.
Der dritte nährt sich ganz vegan,
fasst totes Fleisch vorerst nicht an.
Jegliches Naschwerk scheint verpönt,
obwohl manch Süßer dran gewöhnt. Weiterlesen

Aufblicken

EttalAufblicken

Wenn nach nächtlich tiefem Schlaf
unsere Augen Bilder schenken,
wird der Anblick langsam scharf:
in uns fängt es an zu denken.
Erstes Bild zeigt oft die Decke
leere Fläche ohne Sinn.
Wenn ich dann die Uhr entdecke,
weiß ich, wo ich stündlich bin.
Aufzublicken, Himmel sehen
nach einem kurzen Wiesentraum –
Cirruswölkchen schwebend stehen –
denn Bewegung sieht man kaum.
Zu dem Vater aufzublicken,
dass war kindlich angesagt.
Ein Gebet zum Schöpfer schicken
Nöte wurden so beklagt.
Das Elternbild relativiert
zeigt neben Licht auch alle Schatten.
Der große Gott an Wert verliert.
Ehrfurcht weicht,
wie wir sie hatten. Weiterlesen

Ganz in Gold

Mutter GottesGanz in Gold

Maria strahlt im feinsten Gold
trägt gütig ihren Sohn im Arm.
Das Mutterglück erscheint uns hold
und Morgensonne macht sie warm.
Um beide Köpfe blinkt ein Schein –
soll Heiliges bedeuten.
Ganz nahe fließt vorbei der Main.
Er hört die Glocken läuten.
Hoch auf dem Kirchenschiff der Thron –
die Mutter Gottes auf dem Dach –
dies Szenario irritiert mich schon.
Erinnerungen werden wach.
Maria galt als Auserwählte,
die seltsam plötzlich schwanger ward.
Was ihren Leib göttlich beseelte,
blieb wundersam und sonderbar. Weiterlesen

Vererbter Feiertag

Karfreitag

Vererbter Feiertag

So ein Tag so wunderfrei wie heute –
Wird auch geschenkt an glaubenlose Leute.
Was wir ererbt von unsren Väter haben,
das soll uns heut erfrischen und erlaben.
Ob da am Kreuz ein Christus gräulich starb
Und dann entfleuchte irgendwie dem Grab,
davon sind wenige innerlich überzeugt
Kaum jemand fastend sich in Reue beugt.
Wir feiern still heute den Karfeiertag –
Der Staat die laute Freude untersagt.
So mancher Mensch der schmückt an solchem Tag
Die Wohnung österlich, wie er es mag. Weiterlesen