Weihnachtsupdate

Weihnachtsupdate

Was ist geblieben von Weihnachten –
wenn über siebzig verstrichene Jahre
dieses Ereignis heute betrachten?
Die christliche Manschette zeigt sich
inzwischen reichlich verschmutzt.
Der Klerus hat von seiner Sündhaftigkeit
eigentlich immer schon gewusst.
Der holde Knabe im lockigen Haar –
viel zu oft Objekt priesterlicher Begierde war.
Die Bethlehemidylle mit Krippe und Stall
bleibt aber Theaterkulisse auf jeden Fall.
Weihnachten trennt sich immer mehr
von dem verjährten christlichen Fest.
Von allem was war, bleibt nur ein Märchenrest. Weiterlesen

Moosgesichter

Moosgesichter

Mit der Zeit – so sagt man oft
wächst Gras über manche Sachen
Für demnächst wohl ein jeder hofft,
gibt´s deshalb wieder was zu lachen.
So verschwindet das Erlebte
mehr und mehr aus jedem Sinn.
Was gestern noch so lastend schwebte,
ist heute fort und weit dahin.
Auch über banale Gegenstände
wuchert Zeit, lässt Spuren grünen.
Die Natur nimmt es in die Hände –
braucht sich dazu kaum groß bemühn.
Naive Andenken von Reisen
Masken so bunt, doch arm an Kunst
draußen liegend bald beweisen
stehen beim Moos recht hoch in Gunst.
Auch Algen mögen gern Figuren,
geformt aus gröberem Zement.
Sie kommen dort auf grüne Touren
der feuchte Grund ihr Element. Weiterlesen

Das Blechhuhn

P1150107Das Blechhuhn

Da steht es nun
ein blechern Huhn.
Hat nichts zu tun,
als nur zu ruhn.
Naiver Schmuck
vom Tucktucktuck.
Ist pflegeleicht,
hin und wieder reicht
ein wenig Lack
und zick und zack
ist alles wieder bunt
bis auf den Grund.
Doch streicht man nie
das Federvieh –
spart sich die Kosten
beginnt`s zu rosten.
Erst kleine Flecken
in feuchten Ecken.
Es blättert ab
der Farbbelag.
Bald ist der Leib
vom Hühnerweib
fast gänzlich braun
nur anzuschauen. Weiterlesen

Viel Hohn mit Zipfel

P1120701Viel Hohn mit Zipfel

Was wäre manch Garten hübsch anzusehen,
würden dort bloß nicht diese Zwerge rumstehen.
Nicht nur ihre Birne ist mehr als hohl.
Manche Pose so lächerlich oder übel frivol.
Diese bunt tönerne Gartenzwergewelt
jeden häuslichen Hortus entsetzlich entstellt.
Warum wollen Liebhaber von Gärten
mit grotesken Scheußlichkeiten
ihre Idylle entwerten?
Lassen sie ihre Kinderzauberwelt
noch immer nicht los?
Werden Verstand und Gefühl weder erwachsen noch groß?
Da hockt nun die Zipfelmützenträgerzunft:
grinsend, grölend und zur Albernheit geschrumpft. Weiterlesen

3 Kormorane

3 Kormorane3 Kormorane

3 Kormorane
pechschwarz wie die Nacht
was für eine Vogelpracht
ihr nagelneues Keramikfederkleid
glänzt in der Sonne weit und breit.
Die Kormorane sitzen am Teich
nebeneinander, fabrikationsfigürlich alle gleich.
In ziemlicher Augennähedistanz
hockt da übergroß ein Lurch ohne Schwanz.
Solch einer wird gemeinhin Frosch genannt.
Er ist seit seiner Kindheit als hohles Steinzeug gebrannt.
Das Amphibium glotzt mit hartem Blick
auf ein Entenpaar, als ein Terracottastück.
Wäre da nicht noch der tönerne Fisch am Rand.
Er kielt bäuchlings auf dem Stein ohne jeden Verstand. Weiterlesen

Von Frosch zu Frosch

FröscheVon Frosch zu Frosch

Der eine sitzt da wie versteinert
der andere wirkt fast wie verkleinert.
So hocken sie im Wasserbett
posieren dort wie auf dem Set.
Erkennt der Kleine wohl den Riesen –
oder den Trick den reichlich miesen?
Das Monstrum ist aus dünnem Ton.
Der echte braucht kein Mikrofon.
Wie hässlich glotzt das Dekotier
Doch etwas Kitsch den brauchen wir.
Das Original im grünen Rock
hat wenig auf den Großen Bock.
Es türmen sich die Albernheiten.
Wer lässt ein Bett zu Teiche gleiten?
Was will der Frosch von der Attrappe?
Gibt es aus Stein auch die Kaulquappe? Weiterlesen

Abendrot

AbendrotAbendrot

Was zündet diese Sonne Feuer! –
eh sie am Horizont versinkt.
Das Licht ist ziemlich ungeheuer
So glühend rot und wärmt doch nicht.
Novemberabend ganz zum Schwärmen
Ein Farbenmeer im Spiegelbild.
Es gibt kein Hasten und kein Lärmen
Nur Sonnenglut erscheint uns wild.
Wir halten dies oft für romantisch –
Sitzen am Meer versunken da.
Ob nun ästhetisch oder Kitsch
Das nehmen wir kaum richtig wahr.
Wie oft schon wollt ich die Untergänge
Verewigen auf Zelluloid.
Da waren Bilder fast schon Zwänge
Die Sucht zum Sehnen kam erneut. Weiterlesen