Nachtfrostkunst

Nachtfrostkunst

Das erste Eis fror über Nacht
hat Willkürkunst schön mitgebracht:
zwei Millimeter starke Wasserhaut,
die wie ein Zauberwerk ausschaut.
Wo Binsenhalme lustlos ragen,
bekommen sie starrharte Kragen.
Wie Sternenstrahlen blinkt es hell.
Sonnenlicht verspiegelt grell.
Neben all den spitzen Schwertgestalten
möchte auch Zarthäutiges walten. Weiterlesen

Frostkunstgeometrien

Frostkunstgeometrien

Es sind mal gerade drei Wochen her,
da wollten Seerosenblätter sich entfalten.
Selbst der erste Krötenhochzeitsverkehr
ließ auf Frühlingsgefühle hin schalten.
Doch zu früh gefreut, denn es wurde bitter kalt.
Primeln und Krokusblüten Opfer vom Frost
Narzissenknospen erstarrten, machten halt.
Der Winter schickte ihnen nur eisige Post.

Am Gartenteich wuchsen Kristallkonfigurationen.
In magischen Nächten entstanden gläserne Eisdecken.
Sonnenstrahlenfeuer schmolz diese Kompositionen,
um zur Nacht hin wieder Kreativität neu zu entdecken.
So entstanden stündlich Variationen von Wasserstarrheit.
Auch die Orte stärkster Schöpfung wechselten zwanglos.
Was eben beeindruckte, ist später zerflossene Vergangenheit.
Ist das irgendwie noch Kunst oder Laune der Natur bloß?

Das Potential für die Gestaltung, das Maß an Formenvielfalt
scheint grenzenlos und nicht vorhersehbar für Ort und Zeit.
Nichts zwingt Naturkräfte zum Äußersten. Schönheit bleibt kalt.
Kristalle artikulieren sich zu flüchtiger Endlichkeit.
Jeder Morgen macht neugierig. Wie hat der Zufall Struktur geschaffen?
Was für Assoziationen setzen die Eiskonstrukte bei mir frei?
Die messerscharfen Kristalllanzen werden tauend erschlaffen.
Was macht die bildende Hand des Frostes hier am Teich morgen neu?

Eiskunstwerke

Eiskunstwerke

Den Winter hielt ich für vermisst.
Seit Tagen buntes Blühwerk sprießt,
als ständ der Lenz längst in der Tür
begleitet mit viel Fluggetier.
Doch über Nacht da kam die Kälte,
die plötzlich Eis in Räume stellte.
Die klare sternenreiche Nacht
hat Winterschönheit uns gebracht.
Ich lauf zum Teich hinten im Garten
und kann den Anblick kaum erwarten.
Vorm Jahr stand ich hier höchst verzückt,
war durch den Frost so hochbeglückt.
Ich hielt damals die Eiskunstwerke
als kaum zu toppen – denn die Stärke
und Vielfalt dieser Eisgestalten
wollten an Schönheit das entfalten,
was so nicht steigerungsfähig schien –
doch diesem Trugschluss sei verziehn. Weiterlesen

Eiszauber

p1170877Eiszauber

Mein Blick seit Tagen nur gesenkt –
was dieser Frost mir hat geschenkt,
lässt mich auf Heftigste erstaunen –
unfassbar sind für mich die Launen,
die sich mir draußen eisig zeigen.
Ich muss mich tief dazu verneigen,
um Naturkunstwerke zu studieren,
die ständig ihre Form verlieren.
Zuerst war alles feiner Reif.
Er machte welkes Blattwerk steif.
Verzuckerte die braune Haut,
die so ganz festlich plötzlich schaut.
Dann kam ein Regenband vorbei.
Die Bodenhaut war glitzerfrei.
Spät in der Nacht war es kaum dunkel
bei strahlend hellem Sterngefunkel.
bracht Mondessichel kühles Licht.
Auf Pfützen Eis in Schwertern sticht.
Die Feuchtigkeit Kristalle züchtet.
Wasser erstarrt, bevor es flüchtet. Weiterlesen