In der Westruper Heide

In der Westruper Heide

Morgenröte deutet lieblich sich an.
Vorm Horizont erhellen flache Dünste.
Als meine Wanderung heut früh begann,
erlebte ich einsam verwunschene Künste.
Vor mir hauchte die Westruper Heide.
Ihr Nebelhemd deckte sie blößend zu.
An tausend Netzfäden allerfeinster Seide
baumelt der Morgentau in stillster Ruh.
Die Heide blüht noch an den meisten Stellen.
Wo Schatten fehlt, sind Blütenköpfe herbstlich braun.
An Wachholderbeeren Tropfen glitzernd quellen.
Die Sonnenstirn beendet lugend Morgengrauen.
Mein Weg steigt sanft zum schlanken Birkenbaum.
Tropfnass lädt eine Ruhebank zum Pausen ein.
Vor mir liegt lila blühend ein Landschaftstraum –
gerade geadelt durch den ersten Sonnenschein. Weiterlesen

Eiansichten

P1150221Das Ei an sich lebt überall
die Form dafür in Riesenzahl.
Wenn wir für uns an Eier denken,
wir das meist auf das Huhn beschränken.
Das teuerste Ei liefert fürwahr
ein Fisch der Stör: den Kaviar.
Wenn Stubenfliegen jedoch Eier legen,
dann haben wir bald was dagegen.
Wenn Adebar der Storch hier nistet,
wird Eierzahl gern aufgelistet.
Eine Kamera ihre Linse lenkt,
wenn Ei sich aus Kloake senkt.
Auch Frösche sind sehr eigeprägt.
Sie werden stets ins Wasser gelegt.
Dort quillt der Laich zu großen Ballen,
findet im Naturschutz stets Gefallen.
Wenn die Mücke ihre Eier legt,
dann sind wir meistens aufgeregt.
Ein jedes Weibchen, das hier schlüpft,
wird mit dem Stechen bös verknüpft.
Das Ei ist auch ein Stück Kultur.
Ich denke da an Ostern nur. Weiterlesen

Bücherfegefeuer

alte BücherBücherfegefeuer

Als Kind lernte ich, Bücher zu ehren und zu schützen.
Vor jedem Lesen erst die Kernseife zu nutzen.
War durch Leichtsinn ein Eselsohr entstanden,
die Elternhände schneller zur Backe fanden.
Schulbücher ob gebraucht oder buchladenneu
wurden zum Schutz vor Schmutz und Flecken
mit papiernen Umschlägen versehen
zugeklebt innen an allen Ecken.
Ganz besonders viel – man sagte bei uns – Bohei
wurde betrieben mit Büchern aus der Leihbücherei.
In diesen Objekten mit Stiften herumzumalen –
dafür mussten die Eltern richtig Strafe zahlen.
Auch beim Buch – vom Freund ausgeliehen –
wurde eine Verunzierung nur selten verziehen.
Zwar waren Bücher nicht alle heilige Schriften –
sie konnten aber einigen Ärger zu Hause stiften.

Zum Abitur war es zu meiner Zeit noch Tradition,
Bücher zu verbrennen mit viel Spott und Hohn.
Man hatte sich durch die Schule gequält.
Nun wurde ein Freudenfeuer
für ausgediente Bücher gewählt. Weiterlesen

Auf die Reihe gekriegt

GemüsebeetAuf die Reihe gekriegt

So etwas kann Natur wohl nicht.
Der Gärtner bringt es jetzt ans Licht.
Schau ich auf mein Gemüsebeet,
dort alles in der Reihe steht.
Salat, Schwarzrettich, Ruccola
stehn allesamt gradlinig da.
Es ist und bleibt des Säers Wille –
im Alter meist mit Kurzsichtsbrille,
dass jedes Korn bekommt die Stelle
in exakt gezogener Bodenrille.
Der Gärtner liebt Gradlinigkeit.
Zum Wildwuchs ist er kaum bereit.
Zwischen Kulturen streng gereiht
das Unkraut kurz nur dort gedeiht.
Denn täglich droht hier die Attacke
mit scharf gemachter Gartenhacke.
Wüchse alles wie im Eden,
würden wir über Gärten
hier nicht reden.
Beim Kunterbunt aus allen Pflanzen
darf jede aus der Reihe tanzen. Weiterlesen

Landschaftskultur

Bild

Landschaftskultur

 

Gäb es nur Wald in wilder Form,

wir hielten diesen für abnorm.

Wenn über allem Bäume schießen,

würd solche Öde uns verdrießen.

Bei uns ist halt Landschaftskultur

Ein steter Wechsel von Natur

Mit unser einer Nutzungsflächen,

jenseits von Mooren und von Bächen.

Vom Stadtrand ist es für uns schön,

in offne Landschaft rein zu sehn.

Wir lieben Wiesen, Hecken, Säume

Am Straßenrand Alleenbäume.

Wenn Heide blüht spät im August,

dann fördert das die Landschaftslust.

Auch Auen werden neu geschaffen,

wo uns Hornochsen jetzt angaffen.

Wir tun was für die Kleingewässer,

da geht es Molch und Frosch bald besser.

Obstwiesen sind ein weitrer Trumpf-

Geschützt wird Torf vom letzten Sumpf.

Wir basteln uns ein Landschaftsbild:

Hier arg gestutzt und dort dann wild.

Überall Wald – das war einmal

Ganz ohne – ist uns auch zu kahl.

Von allem wollen wir was haben. Weiterlesen

Buddha kommt nach Erkenschwick

Mandala

Ein Markt voller Kunst und Krempel
Zog mich an wie Hinz und Hempel
wieder mal an bunte Stände,
ob ich dort nicht etwas fände.

Das Sammelleiden sofort drückte,
Ich war wie oft bald der Verrückte,
der wieder richtig süchtig war-
die böse Kauflust war längst da.

Ich brauchte jetzt nur ein paar Blicke,
dann stand ich schon vor meinem Glücke
und sah ein seltsam feines Bild.
Mein Blut war längst schon mehr als wild. Weiterlesen