Randerscheinungen

Randerscheinungen

Ein Feldweg, den ich oft begehe
beginnt zuhause ganz in der Nähe.
Links wächst mal Mais oder dann Gerste.
Rechts erfolgt bald der Grünschnitt und zwar der erste.
Der Saum dazwischen lebt als Brache
Der Zufall wächst hier in eigener Sache.
Wildkräuter, Gräser, Schlehengebüsch
machen den Streifen nicht sonderlich hübsch.
Doch führt die Natur noch etwas Regie.
Auf den Feldern daneben herrscht Monotonie.
Ein paar Meter des Weges sind heftig erblüht.
Solch ein Reichtum sich fast paradiesisch anfühlt. Weiterlesen

Die Kunst der Landwirtschaft

Die Kunst der Landwirtschaft

Auf dem Kartoffelacker sind Häufefurchen versprungen.
Ist hier altes Ackerhandwerk misslungen?
Sonst sind die Reihen doch bäuerlich akkurat
bei Spargel, Erdäpfeln und Getreidesaat.
Oder war am Ende der Bauer irgendwie high –
zauberte im Wahn diese Zacken herbei?
War ihm die Geradlinigkeit einfach zuwider
oder schoss ein Krampf durch die ackernden Glieder.
Hier bleibt der Augenblick länger gefangen.
denn die gewohnte Symmetrie geht abhanden.
Landwirtschaft und Kunst sind ein ungleiches Paar.
Die mittelalterliche Bewirtschaftung, wie sie einst war,
brachte dem Menschen eine eigene Kultur
im Einklang – eher ungewollt – mit der Natur. Weiterlesen

Wolle kriegen

P1120447Wolle kriegen

Ein Schaf erfreut im Mai nichts mehr
als ein Besuch beim Wollfrisör.
Ein ganzes Jahr schwoll ihm sein Fell
bei wenigen schwarz, den meisten hell.
Wenn bald die Sommersonne brät,
manch Schaf in Hitzestau gerät.
Da helfen nur noch scharfe Messer –
ist Wolle ab, dann geht´s sich besser.
Solch Schaf ist plötzlich nicht mehr rund.
Das kommt vom Haarescherenschwund.
Danach sind sich die Tiere fremd.
Sie kennen sich so ganz enthemd
auf einmal überhaupt nicht mehr.
Da boxt es Kämpfe kreuz und quer.
Man stößt den unbekannten Feind –
war vorhin friedlich noch vereint –
erst mal so richtig vor den Kopf.
Zwischen den Bösen passt kein Knopf. Weiterlesen

Mehr als ein Knick in der Landschaft

P1130597Mehr als ein Knick in der Landschaft

Hoch im Norden ziemlich nah an Dänemark
ist die Landschaft fast noch wie ein Park.
Dort grünen Wiesen meist in großer Überzahl
Der Ackerbau bleibt vorerst zweite Wahl.
Nur weite Wälder findet man hier selten oder nicht
Auf Schleswig-Holsteins Boden landet somit reichlich Licht.
Fast jede Weide wird geschützt von einer Hecke.
Die Fläche wird umwallt für diese Zwecke.
Im Eiszeitsandgeschiebe kam so mancher runde Stein
vor langer Zeit in diese Landschaft dann herein.
Im Erdreich wurden sie als Findlinge benannt
und nach dem Lesen an die Ränder hin verbannt.
Mit Grassoden und etwas Boden zugedeckt
wurde mit Baum und Strauch der Wall nun aufgeheckt.
Diese Form der Hecke diente zum Schutz – war Grenze auch.
Auch bremste sich der steife Wind im Reiserstrauch.
Manch langer Ast wurde zudem beizeiten abgeknickt
und in den Heckenkörper sorgsam eingeflickt. Weiterlesen

Oktoberlicht

P1010710Oktoberlicht

Mildwarmes Oktoberlicht
Durch halbentlaubte Äste bricht.
Der matte weiche Sonnenschein
Fällt in die Landschaft schmeichelnd ein.
Das neu versäte Gerstenfeld
Ein frühlingshaftes Grün erhält.
Vom Dorfesgrund der Kirchturm ragt
Und erster feiner Nebel wagt,
ihn leichtzart zu umschweben.
Aus Oesede sich erheben
Bauwerke nicht jedes schön.
Doch in dem guten Lichte
Geht die Kritik zunichte
An all dem Flächenverbrauch.
Selig liegt Abendhauch
Über den Häuserzeilen.
Mein Blick will lang verweilen. Weiterlesen

Rur-Futur

RurzuflussRur – Futur

Was wünscht sich wohl ein Fluss die Rur
Nach so viel tausend Jahren?
Der Mensch gab ihr manch neue Spur –
Was gilt es zu bewahren?
Im Hohen Venn da quillt die Rur
Aus feucht versumpften Stellen.
Ein Wanderer begegnet nur
Mit Vorsicht diesen Quellen.
Die Bachwelt hier im Rurgebiet
Zeugt reichlich frische Arten.
Ob man in Zukunft sie noch sieht,
dass müssen wir abwarten.
Am Anfang lebt die Rur noch wild
Stürzt sich ins Tal berauscht.
Verzaubert schön das Landschaftsbild –
Getier wird stets getauscht.
Im Wald bleibt Wasser sommerkühl
Das freut auch Köcherfliegen.
Ein Strudelwurm mag es nicht schwül.
Will kalt am Steine schmiegen.
Seit langem staut sich Wasser blau
Und Täler sind ertrunken. Weiterlesen

Zaungäste

PferdeZaungäste

Gäste kommen – Gäste gehen
Am Zaune bleiben viele stehen.
Für Pferde, Kühe oder Rinder
Sind solche Gäste Menschenskinder.
Die Drossel auf dem Pfahle sitzt.
Ihr gelber Schnabel glänzt und blitzt –
Sie singt ihr erstes Frühlingslied
Das ist danach auch ihr Abschied.
Sie flattert ganz auf Partnersuche
Erst mal hinauf in eine Buche.
Wer eingezäunt – ist der auch Gast?
Trägt er allein Besuchers Rast?
Wer kurz verweilt am Zaunkonstrukt
Und auf die andre Seite guckt,
Ist der dadurch bereits ein Gast –
Mal ein ganz lieber – mal mehr Last?
An Zäunen zu stehen, ist oft schön.
Da gibt es Spannendes zu sehen. Weiterlesen

Der Charme eines Maulwurfhaufens

MaulwurfshaufenDer Charme
eines Maulwurfhaufens

Der Charme
eines Maulwurfhaufens
ist beileibe nicht groß –
eben nur Erde bloß –
das Wiesengrün ist
wie von Pickeln übersät.
Wenn der Bauer
seine Gräser mäht,
stören die Hügel sehr.
Der Bodentransfer
aus der Tiefe –
wie dunkle Humusbriefe –
gefällt nur selten.
Die aktiven Unterwelten
verüben hier
eine Boden-Revolution.
Im Revier
des Maulwurfs
nur Chaos und Aufruhr –
Die Natur
idyllegestört. Weiterlesen

Kopfbäume

KopfweideKopfbäume

So paradox es klingen mag –
Erst wenn die Motorsäge nagt –
Der Stamm geköpft vom Krongeäst,
Wird bald ein Kopfbaum dieser Rest.
Zumeist sind es wohl weiche Weiden,
die solche Schnitte hart erleiden.
Nach dieser ersten Köpftortur
Hilft sich dann rasch selbst die Natur.
Die brutale Sägeschnittstelle
Wird zur ergiebigen Wachstumsquelle.
Sie sorgt für Äste reich an Zahl,
Wo vorher nur der Stumpf so kahl.
Wie Zweige jetzt ins Grüne treiben,
Dürfen sie unbeschnitten bleiben.
Nach vielen Jahren, mit der Zeit
Wird Kopfes Pracht ausladend breit. Weiterlesen

Hohlwege

HohlwegHohlwege

Die Kultur hat sie irgendwann angelegt:
Uralte Wege über Hunderte von Jahren.
Regenwasserbäche spülte sie in die Tiefe,
Bis Lösslehmwände senkrechte Grenzen bildeten.
Feldgehölze wachsen bis heute auf den Schultern hoch:
Knorrige Eichen, verdehte Hainbuchen
Schwarzdorngebüsch und Haselnusssträucher
Vogelkirschen und undurchdringlicher Weißdorn
Durchflochten von Efeu und Brombeere.
Der alte Weg ist seit langem entbehrlich.
Nur einige Wanderer und Hundehalter nutzen ihn noch.
Wer ist hier in welcher Mission wann vorbei gekommen? Weiterlesen