ob dachlos

ob dachlos

ob dachlos hier eine zukunft noch hat
an guten tagen gibt es sonne satt
wenn regen aus allen wolken fällt
kostet das duschen dann weniger geld
kein dach fällt niemandem auf den kopf
es fehlt der deckel wohl von dem topf
man sieht aus den trümmern das firmanent
viel öfter als jemals der dachstuhl brennt
warum ist hier das dach nur weg
am boden liegt davon ein haufen dreck
der einst das haus wohl sicher behütet
bis dass zerfall hier offen gewütet
die mauern kamen dabei nicht zu fall
war das gebaute einst ein ziegenstall
oder lagerte dort beschütztes hafengut
sicher bewahrt in guter obhut Weiterlesen

Wurmgestein

Wurmgestein

Das wilde Meer in seiner Flut
wirft an den Strand so manches Gut.
Zu allermeist spült es die Schalen
von Muscheln her in großen Zahlen.
Tote Krebse und verblichne Quallen
auf Ufersand letztendlich prallen.
Hochinteressant sind all die Sachen,
die Rätsel ihrer Herkunft machen.
Ein Flaschenglas weich rund geschliffen
hab ich schon öfter aufgegriffen.
Was füllte diese in frühen Zeiten,
bevor begann das Wellenreiten?
Wer trank aus ihr mit seinem Mund –
was war fürs Schlucken wohl der Grund? Weiterlesen

Algarve

Algarve

Kalkiges Gestein im Clinch mit dem Meer
bringt phänomenalen Küstenzauber her.
Ewiglich frisst sich hier Wellenkraft
tief in die Felsen, bis sie es schafft,
diese zu höhlen und gänzlich zu bohren,
Grotten zu bauen mit riesigen Toren.
Als hätte der Atlantik Orakel gebaut
Mystisch, fast heilig manch Höhle ausschaut.
Türkisblaues Wasser schwappt unentwegt,
brandet an die Wände, bis es sich zerlegt
in sanftere Wellen, die die Seiten berühren,
um hier nur zu weicheren Formen zu führen.
Zerlegter Felsen zertrümmert zu Sand.
Ich beuge mich nieder und streichle den Strand.
Zerschundene Felsen durch Gezeiten geprägt
hat weiches Wasser schroff hier zersägt. Weiterlesen

Ihr Rinderlein kommet…

Ihr Rinderlein kommet …

Ihr Rinderlein kommet
heraus aus dem Stall.
Zum Kreisel her kommet
am besten gleich all.
Und seht,
in dieser frischfreundlichen Nacht
da haben die Gräser
frisches Grün euch gebracht.

Oh seht auch die Blätter
so richtig im Saft.
Die fresst ihr dann später –
das bringt euch viel Kraft.
Ihr könnt friedlich grasen
ist Weihnachtszeit.
Und kurz wird der Rasen
hier weit und breit. Weiterlesen

Muschelmeer

Muschelmeer

Warum liebe ich so die brausenden Wellen,
die im Strandsand berstend in sich zerschellen?
Weshalb erfüllt mich der unendliche Horizont,
der von tiefster Sonne so feurig besonnt?
Meia Praia heißt dieser faszinierende Flecken,
wo ausufernde Wasser Muschelschalen belecken.
Eigentlich nur tote Skelette kalkmanifestiert
sind sie durch Fluten an den Strandsand saltiert.
Ein Meer halber Schalen bezeugt altes Leben.
Im tieferen Wasser wird es Natürliches geben.
Venus- und Herzmuscheln sind aufs Engste vereint.
Dezembermorgensonne mild auf sie scheint.
Als Stillleben am Strand tost es hier richtig laut.
Die Front frischen Wassers stetig Walzen aufbaut.
Auch im Alter das Sammlerherz mitunter erwacht.
Durch schönste Conchylien die Begierde erwacht. Weiterlesen

Vor Anker liegen

Vor Anker liegen

Vor Anker liegen,
sich sicher wiegen,
schenkt Ruhe und Frieden.
Beschieden
ist das nur einem Teil.
Dem ist die Welt heil.
Ausgebootet
in Armut gelotet
lebt eine dritte Welt
fast ohne Geld.
In diesem Hafen
schlafen
Fischerboote zumeist.
Leider beißt
kaum noch ein Flossentier
im Wasser hier.
Gleich nebenan
ziehen Luxusyachten in den Bann.
Sauber und gepflegt
werden sie gehegt
vom Personal
für den Fall,
dass der Besitzer will auf die See
mit Champagner zum Tee. Weiterlesen

Haubenlerchen

Haubenlerchen

Eigentlich war es ein Stück Unland.
Denn niemand zur Zeit wohl fand
eine Nutzung für dieses karge Erdenstück.
Nicht nur ein Vogel fand hier sein Glück.
Weit nach Südeuropa musste ich reisen,
um solch eine Brache ehrlich zu preisen.
Stand an diesem Ort irgendwann ein Haus?
Wann kamen die Planierraupen heraus?
Wurde alles dem Erdboden gleich gemacht –
damit die Natur wieder kommt und langsam lacht?
Spärlich sprießt etwas an Vegetation.
Doch Nacktheit der Erdhaut überwiegt schon.
Solche lückenhaften Bodenstellen
entwickeln sich ähnlich wie Quellen.
Aus der freien Erde quillt Lebensraum –
für manche Arten erfüllt sich ein Traum.

Ein paar Haubenlerchen traf ich an diesem Ort.
In meinen Erinnerungen flogen sie schon lange fort.
Als Kind sah ich sie in unserem Baugebiet –
dort, wo man zu der Zeit noch Häuser vermied. Weiterlesen

Wasserkreislaufgeflechte

Wasserkreislaufgeflechte

Die Sonne kratzt am Horizont.
Ich sitze äußerst ungewohnt
über tausend Meter in der Höhe.
Was ich da unten riesig sehe,
ist schillernd eine Wasserwelt,
die mir den Kreislauf schnell erzählt.
Im flachen Licht wird Wasser Gold.
Das nahe Meer zur Küste rollt.
Ein großer Fluss kurvt weit durchs Land
bringt neuen Sand zum alten Strand.
Auf dem Weg dahin fließen nach und nach
von beiden Seiten Bach um Bach
in diesen Wasserstrom hinein
über allem eitel Sonnenschein. Weiterlesen

Schäbige Zeiten

Schäbige Zeiten

Auf dem Pflaster vorm Restaurant –
der Name sei hier nicht genannt –
da trippelte mit flotten Beinen
eine Küchenschabe zwischen den Steinen.
Sie war recht groß, goldbraun getönt
wurde – ich glaube – gut verwöhnt.
Es reihten sich Speisegaststätten
an dieser Stelle gar zu Ketten.
Überall fand sie etwas zu fressen.
So mancher Krümel, der vergessen,
ernährt die Kakerlaken gut.
Das macht für Nachwuchs täglich Mut.
Ich mach ein Bild von diesem Tier. Weiterlesen

Ruinierte Kunst

Ruinierte Kunst

Dachlos ein alter Schuppen steht
vom nahen Meer ganz windumweht.
Ein Stück vom Hafen ruht sich aus.
Nutzlos erscheint der Rest vom Haus.
Seit Jahren schläft hier das Objekt
Gemäuer, das beinah erschreckt.
Sein Putz bricht ab, die Haut ergraut.
Wer weiß noch, wann es wurd erbaut?
Weil es wohl niemanden hier stört,
sich keiner über Kunst beschwert,
da haben Sprayer Wand für Wand
spontan gestaltet Hand in Hand.
In bunten Lettern wird geschrieben.
Das Alte wird zeitabgerieben.
Das Neue leuchtet frisch und grell Weiterlesen