In der Westruper Heide

In der Westruper Heide

Morgenröte deutet lieblich sich an.
Vorm Horizont erhellen flache Dünste.
Als meine Wanderung heut früh begann,
erlebte ich einsam verwunschene Künste.
Vor mir hauchte die Westruper Heide.
Ihr Nebelhemd deckte sie blößend zu.
An tausend Netzfäden allerfeinster Seide
baumelt der Morgentau in stillster Ruh.
Die Heide blüht noch an den meisten Stellen.
Wo Schatten fehlt, sind Blütenköpfe herbstlich braun.
An Wachholderbeeren Tropfen glitzernd quellen.
Die Sonnenstirn beendet lugend Morgengrauen.
Mein Weg steigt sanft zum schlanken Birkenbaum.
Tropfnass lädt eine Ruhebank zum Pausen ein.
Vor mir liegt lila blühend ein Landschaftstraum –
gerade geadelt durch den ersten Sonnenschein. Weiterlesen

Mord oder Totschlag?

BaumstumpfMord oder Totschlag?

Der Tatort lag am Straßenrand –
Doch niemand eine Leiche fand.
Vom Opfer blieb nur noch ein Rest –
was man, wie üblich, übrig lässt.
Der Körper war wohl längst verschwunden.
Am Boden harzten offene Wunden.
War hier ein Auftragsmörder am Werk?
Dafür sprach wohl das Augenmerk.
Die Tatwaffe – war zu vermuten –
war eine Säge, sie ließ bluten
noch heute immer noch den Stumpf.
Der Ort des Schreckens: tot und dumpf.
Das Opfer hatte keine Chance,
verlor beim Schnitt schnell die Balance.
Es schlug dann laut als Ganzes nieder
brach sich dabei der Äste Glieder.
War es geplant, geschah es spontan?
Wer hat den letzten Schritt getan? Weiterlesen

Abgeschnitten

ErlenstumpfAbgeschnitten

Eine Erle stand am falschen Platz.
Eine Säge machte sie ratz fatz
Dem Boden gleich mit glattem Schnitt.
Den Baum nahm man als Brennstoff mit.
Aus einem Samen einst geboren,
War sie zum Wachstum auserkoren.
Sie stand nun in den besten Jahren,
Hat schönes Astwerk ausgefahren.
Sie strebte luftig in die Höh,
Trug wintertags ein Kleid aus Schnee.
Dann kam ein Pflegetrupp daher.
Er war bewaffnet sägenschwer.
Die Erle, die gefiel wohl nicht,
Sie störte hier – nahm zu viel Licht.
Der Plan der Gärtner war ihr Ende.
Die Erle passt nicht ins Gelände. Weiterlesen